Die indische Performance-Marketing-Agentur DigiSoft Nexus erweitert ihr Geschäftsmodell und bringt mit CollabNexus eine softwaregestützte Plattform für die Creator Economy auf den Markt. Das System verknüpft einen offenen B2B-Marktplatz für Marken und digitale Kreative mit einer automatisierten Kampagnen- und Zahlungsinfrastruktur. Ziel des Unternehmens ist es, manuelle Absprachen durch standardisierte, datengestützte Prozesse abzulösen.

Vom Agenturgeschäft zum softwaregestützten Marktplatz

Mit dem Start vollzieht DigiSoft Nexus einen strategischen Schwenk. Das 2023 gegründete Unternehmen beschäftigt zwischen 11 bis 50 Mitarbeiter und steht unter der Leitung von Sanchit Dua. Bislang stützte sich der Dienstleister primär auf klassische Agenturmandate.

Das Management verweist dabei auf mehr als 2.000 abgewickelte Kampagnen sowie eine kombinierte Branchenerfahrung der Führungskräfte von über 18 Jahren.

Die Abrechnung erfolgte bislang vorrangig über leistungsorientierte Modelle wie Cost per Lead, Cost per Install, Cost per Sale, Cost per View, Cost per Click oder den Return on Ad Spend.

CollabNexus, das operativ auch unter der Domain CollabNexus.AI auftritt, überführt diese manuellen Dienstleistungen nun in ein skalierbares Softwareprodukt. Im Zentrum steht ein KI-gestütztes Matching, das Marken und Creator anhand von Zielgruppen- und Nischendaten automatisiert zusammenführt. Die Plattform zielt darauf ab, langwierige Verhandlungen über Direktnachrichten oder E-Mails zu beenden.

Briefings, Freigabeprozesse, Revisionsschleifen und das Lizenzmanagement bündelt das System auf einer zentralen Benutzeroberfläche.

Treuhandmodelle und eine verbreiterte Dienstleisterkette

Ein zentraler Baustein der Plattformarchitektur ist ein integriertes Treuhandsystem. Auftraggeber hinterlegen das vereinbarte Budget vorab auf einem Treuhandkonto. Die Auszahlung an die Dienstleister erfolgt meilensteinbasiert nach der Freigabe der jeweiligen Arbeitsergebnisse.

Dieses Escrow-Prinzip adressiert zugleich zwei typische Schwachstellen der Branche: Zahlungsverzögerungen aufseiten der Creator und unvollständige Leistungserbringung aufseiten der werbetreibenden Unternehmen.

Zugleich fasst CollabNexus den Begriff der Creator Economy weiter als traditionelle Plattformen. Neben klassischen Influencern bindet der Marktplatz technische sowie kreative Dienstleister entlang der gesamten digitalen Wertschöpfungskette ein. Nach Unternehmensangaben umfasst der registrierte Pool unter anderem mehr als 12.000 Influencer, über 9.300 Content-Ersteller, 8.100 Softwareentwickler, 6.800 SEO-Spezialisten sowie Tausende Grafikdesigner und Video-Editoren.

DigiSoft Nexus positioniert das Portal folglich nicht allein als Werbekanal, sondern fungiert zugleich als Beschaffungsplattform für digitale Produktionskapazitäten.

Wachsender Markt trifft auf Messbarkeitsdefizite

Der Schritt von DigiSoft Nexus fällt in eine Phase spürbar verschobener Marketingbudgets. Eine Studie des Analyseunternehmens Kolsquare unter 1.123 Marketing-Entscheidern zeigt, dass 89 Prozent der Marken und Agenturen ihre Ausgaben für Influencer-Marketing steigern wollen. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil lediglich bei 54 Prozent.

Zudem stufen 79 Prozent der befragten Marketingverantwortlichen das Influencer-Marketing als Kernkanal oder zentrale Stütze ihrer Strategie ein. Rund 30 Prozent der Marken generieren der Untersuchung zufolge mehr als 25 Prozent ihres Gesamtumsatzes über digitale Meinungsmacher. Weltweit erreichte das Marktvolumen nach Zahlen von Statista bereits im Jahr 2022 einen Wert von 16,4 Milliarden US-Dollar.

Trotz dieser fortschreitenden Professionalisierung besteht weiterhin eine strukturelle Lücke bei der Erfolgsmessung. Lediglich rund 30 Prozent der Marketingverantwortlichen ermitteln bislang den konkreten Return on Investment ihrer Kampagnen. CollabNexus begegnet diesem Problem mit integrierten Echtzeit-Analysen, die Reichweiten, Klickraten, Interaktionen und Conversions direkt im System erfassen.

Das Management betont, dass die Bündelung von Vertragsprüfung, Workflow-Management und Auszahlungsinfrastruktur in einem einzigen Ökosystem typische Reibungsverluste im Kampagnengeschäft nachhaltig reduzieren soll.

Widersprüche bei Kennzahlen und Bewährungsprobe im Enterprise-Segment

Hinter den Wachstumsversprechen der Plattform stehen indes mehrere offene Fragen. Auffällig sind deutliche Differenzen in der unternehmenseigenen Kommunikation. Auf der Startseite wirbt CollabNexus mit über 2.000 Marken und mehr als 10.000 verifizierten Creatorn.

Auf der Profilseite spricht das Unternehmen hingegen von über 2.300 Marken, mehr als 12.000 digitalen Talenten sowie bereits über 48.000 vermittelten Kampagnen.

Auch der Startzeitpunkt ist widersprüchlich dokumentiert. Während eine Pressemitteilung den 10. Juli 2026 als operativen Plattform-Start nennt, melden indische Medienmitteilungen den Launch beziehungsweise die Marktausweitung erst für den 22. Oktober 2026.

Offen bleibt überdies, in welchem Umfang etablierte Großkonzerne die neue Software tatsächlich einsetzen. Auf der Plattform erscheinen Referenzlogos multinationaler Konzerne wie Microsoft, Cisco, Philips, Renault, Hyundai und Wipro. Ähnliche Namen finden sich bereits im Kundenportfolio der Mutteragentur DigiSoft Nexus.

Ob es sich dabei um aktive Softwarekunden oder um historische Agenturmandate handelt, lässt das Management unkommentiert. Der Erfolg des Modells hängt letztlich davon ab, ob CollabNexus Großkunden mit seinen Treuhand- und Automatisierungsfunktionen langfristig an die Plattform binden kann.