Jim Farley, Präsident und CEO der Ford Motor Company, prognostiziert, dass Künstliche Intelligenz (KI) die Hälfte der Büroangestellten in den USA ersetzen wird. Diese Einschätzung äußerte Farley auf dem Aspen Ideas Festival. Während er KI für Fachkräfte und Produktionsmitarbeiter eher als Assistenz für komplexere Aufgaben betrachtet, erwartet er einen signifikanten Rückgang routinebasierter Wissensarbeit.

KI als Job-Disruptor im Büro

Farley differenziert zwischen den Auswirkungen von KI auf Wissensarbeiter und auf Fachkräfte. Jobs, die er als „routinebasiert, bildschirmzentriert und standardisiert“ beschreibt – wie Tätigkeiten mit Finanz-Spreadsheets, in Call Centern oder bei Einstiegsprogrammierern – werden nach seiner Einschätzung durch KI verändert oder eliminiert. Dieser Trend sei bei Ford bereits erkennbar.

„Wenn Du in der Finanzabteilung mit Spreadsheets arbeitest, in einem Callcenter tätig bist oder ein Einstiegsprogrammierer bist – diese Jobs werden definitiv verändert und eliminiert, zumindest in dieser ersten Phase der KI“, sagte Farley.

Diese Einschätzung korreliert mit weiteren Beobachtungen und Umfragen: Das Weltwirtschaftsforum stellte fest, dass 41 Prozent der befragten Unternehmen bis 2030 einen Teil ihres Personals zugunsten von Automatisierung abbauen wollen. Eine Ifo-Institut-Umfrage aus Mitte 2025 ergab zudem, dass über jedes vierte deutsche Unternehmen in den kommenden fünf Jahren einen Stellenabbau durch KI erwartet.

Parallel dazu kündigte Amazon Ende Oktober 2025 an, rund 14.000 Verwaltungsarbeitsplätze durch KI ersetzen zu wollen. HP plant in den nächsten drei Jahren den Abbau von 6.000 Stellen. Dario Amodei, CEO des KI-Unternehmens Anthropic, warnte ebenfalls, dass KI die Hälfte aller Einstiegsjobs im Bürobereich eliminieren könnte.

Assistenzsysteme statt Ersatz in der Produktion

Für Fachkräfte und Blue-Collar-Worker sieht Farley eine andere Rolle für KI: Er spricht von einem „Begleiter“, der komplexe Aufgaben unterstützt und die Kompetenzentwicklung beschleunigt. Ford setzt nach eigenen Angaben KI und Augmented Reality ein, um Techniker bei der Fahrzeugreparatur zu unterstützen.

Als Beispiel führt Farley die Motorwartung eines Ford Super Duty Trucks an, die normalerweise zwei Tage dauert. Er erklärte: „Wenn Du einen Super Duty zerlegen willst, ist es ein etwa zweitägiger Job, den Motor auszubauen. Der ganze Truck wird demontiert. [...] Viele Menschen haben diese Fähigkeit nicht.

Wir nutzen KI, um ihnen zu sagen: ‚Okay, mach dies, mach das.‘ Sie sind gute Mechaniker, sie wissen es nur nicht. Sie haben es noch nie gemacht.“

Chris Nelson, CEO von Stanley Black und Decker, kommentierte dies: „Ich denke, alles, was Du ihnen anbieten kannst, das sagt: ‚Das wird Dich besser machen in dem, was Du tust, schneller, sicherer, und Du wirst an einem bestimmten Tag mehr erledigen‘, nehmen sie an, weil sie gerade mehr Arbeit haben, als sie bewältigen können. Sie sehen einen Rückstand.“ Er bezeichnete die Systeme als „einen Begleiter.

Es geht Hand in Hand. Es ist kein Ersatz.“

Farley warnte zugleich, dass das Vertrauen der Mitarbeiter in diese Systeme entscheidend sei: „Wenn sie nicht darauf vertrauen, dass die Daten richtig genutzt werden, irgendwie gegen sie oder irgendwie auf eine nicht so nette Weise, wird das ein Problem sein. Sie werden das System nicht nutzen wollen. Sie werden es ausschalten wollen.“

Fords Personalstrategie im Wandel

Die Ford Motor Company, gegründet am 16. Juni 1903 mit Hauptsitz in Dearborn, Michigan, beschäftigt 2025 rund 169.000 Mitarbeiter. Der Konzern meldete 2025 einen Umsatz von 187,3 Milliarden US-Dollar und einen Nettoverlust von 8,162 Milliarden US-Dollar; der Verlust wurde in Berichten unter anderem mit einmaligen Abschreibungen in Zusammenhang gebracht.

Farley gab an, dass Ford bereits Arbeitsplätze abgebaut hat und schätzt, dass weitere zehn bis 20 Prozent der Stellen in den kommenden fünf Jahren wegfallen könnten. Er betonte die Notwendigkeit sozialer Verantwortung bei diesem Wandel und kritisierte, dass es derzeit keinen umfassenden Plan gibt, um mit den Menschen umzugehen, die durch die KI-Revolution zurückbleiben. Farley nannte dies eine Weiterentwicklung der „uralten Effizienzspannungen“ durch technologischen Fortschritt.

Er schätzt außerdem, dass in den USA rund 600.000 Arbeitskräfte in Fabriken und fast eine halbe Million im Bauwesen fehlen, was den Bedarf an qualifizierten Handwerkern unterstreicht.

Ausblick: Soziale Verantwortung und neue Jobprofile

Farleys Äußerungen fassen eine Debatte zusammen, die die Wirtschaftspolitik prägen dürfte: Wie lässt sich der Übergang in eine stärker durch KI geprägte Arbeitswelt sozialverträglich gestalten? Andere Stimmen, wie Pascal Desroches, CFO von AT&T, verweisen darauf, dass technologische Revolutionen auch neue Jobs schaffen können. Farley selbst betonte die Rolle menschlicher Kreativität und Anpassungsfähigkeit; er sagte etwa, dass er sich bei der Kreativität nicht sicher sei, ob Maschinen sie leisten können.

Welche Rolle Unternehmen und Regierungen bei der Umschulung betroffener Wissensarbeiter spielen, bleibt offen. Ebenso wird sich zeigen, ob die Nutzung von KI als Assistent in produktiven Berufen den möglichen Rückgang in der Verwaltung ausgleichen kann.

Die kommenden Jahre werden zeigen, wie Ford und andere Großkonzerne diese Herausforderungen managen und inwieweit Farleys Prognosen eintreten. Analysten und Branchenbeobachter werden die Entwicklung der Beschäftigungszahlen in den betroffenen Sektoren genau verfolgen, um die tatsächlichen Auswirkungen der KI-Adoption auf den Arbeitsmarkt zu bewerten.