Fachkräftemangel in den USA: Ford investiert Milliarden in technische Berufe

Die Ford Motor Company reagiert mit umfangreichen Investitionen und der Mitgründung einer branchenweiten Allianz auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel in den USA. Ford-CEO Jim Farley warnt vor einer nationalen Krise, die die Wirtschaft belasten kann. Die Prognose zeigt, dass die USA bis 2035 jährlich 1,7 Millionen Stellen in handwerklichen und technischen Berufen besetzen müssen.

Das Unternehmen engagiert sich daher als Initiator von Ausbildungsprogrammen und Kooperationen, um den Sektor der „Essential Economy“ zu stärken.

Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in den Vereinigten Staaten ist hoch. Prognosen deuten darauf hin, dass bis 2030 über 2,1 Millionen handwerkliche Fachkräfte fehlen könnten. Davon entfallen rund 600.000 netto neu geschaffene Stellen auf Bereiche wie Künstliche Intelligenz, fortgeschrittene Fertigung und Energietechnik.

Aktuelle Ausbildungsprogramme produzieren laut einer Analyse von Jobs for the Future und dem Burning Glass Institute lediglich 55 Arbeitskräfte für je 100 benötigte. Jim Farley bezeichnet diese Entwicklung als Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit und Infrastruktur des Landes. Ford meldete zudem 5.000 offene Stellen für Kfz-Techniker in seinen US-Autohäusern.

Farley prognostiziert, dass die Branche bis 2029 mehr als 350.000 neue Autotechniker benötigen wird, davon etwa 7.000 in Michigan.

Branchenübergreifende Allianz gegen den Fachkräftemangel

Im Sommer 2026 gründen Ford und weitere Partner die „Alliance for America’s Skilled Trades“. Zum Gründungskreis gehören nach Angaben der beteiligten Organisationen BlackRock, Google und Carhartt. Die Allianz verfolgt das Ziel, den Mangel in Sektoren wie Bau, Fertigung, Dienstleistungen, Energie und Logistik zu adressieren.

Diese Bereiche umfassen zusammen rund 95 Millionen Beschäftigte, so die Angaben der Initiative.

Die Alliance veröffentlichte den Bericht „The State of America’s Skilled Trades: A National Report“ in Partnerschaft mit Jobs for the Future und dem Burning Glass Institute. Darin wird betont, dass die Nachfrage nach ausgebildeten Arbeitskräften in der „Essential Economy“ weiter steigen wird. Öffentlich äußern Beteiligte, dass diese Entwicklung eine strategische Herausforderung für die Wirtschaft darstellt.

Parallel dazu fördert Ford eigene Ausbildungsprogramme und kooperiert mit Bildungsträgern und gemeinnützigen Organisationen. Der Konzern hat in diesem Jahr 300 Millionen US-Dollar für die Entwicklung von Fachkräften und die Stärkung der „Essential Economy“ zugesagt. Bloomberg Philanthropies kündigte im Juni 2026 eine 90-Millionen-US-Dollar-Initiative zur Förderung von Handwerksberufen bei High-School-Schülern an.

Ford ist in dieser Initiative als Schlüsselpartner in Detroit ausgewiesen. Ford und Bloomberg Philanthropies investieren gemeinsam 5 Millionen US-Dollar in Detroit Public Schools, um nach Angaben der Projektpartner innerhalb von drei Jahren rund 300 neue Techniker auszubilden. Seit 2023 hat Ford Philanthropy nach eigenen Angaben über 11 Millionen US-Dollar an Stipendien für angehende Kfz-Techniker vergeben und damit etwa 2.200 Studierende unterstützt.

Herausforderung Bildungssystem

Ein Faktor für den Fachkräftemangel ist die unzureichende Vorbereitung im K-12-Bildungssystem auf technische Berufe. Jim Farley kritisiert wiederholt, dass Schulen Schüler nicht ausreichend auf solche Karrieremöglichkeiten vorbereiten. Daten zur Schulleistung stützen diese Bedenken: 2024 erreichten laut „Nation’s Report Card“ nur 27 Prozent der US-amerikanischen Achtklässler die geforderte Mathematikkompetenz.

Studien zeigen zudem, dass der Anteil der High Schools mit Kfz-Mechanikerprogrammen in den vergangenen 20 Jahren gesunken ist.

Experten wie Tim Nash von der Northwood University weisen darauf hin, dass erfahrene Techniker bei Ford bis zu 120.000 US-Dollar im Jahr verdienen können. Farley beschreibt die Situation als eine Lücke zwischen Bezahlung und Interesse an diesen Berufen. Ford gehört zu den ersten Herstellern, die dem NADA-Apprenticeship-Programm (National Automobile Dealers Association) beitreten.

Dieses Programm unterstützt Händler beim Aufbau interner Ausbildungsprogramme. Studenten in diesem NADA-Programm sollen über 18 bis 24 Monate mehr als 2.000 Stunden praktische Erfahrung und etwa 400 Stunden technischen Unterricht erhalten. Das Ford Accelerated Credential Training (FACT) Programm beim Universal Technical Institute (UTI) dauert nach Angaben der Anbieter 15 Wochen.

Die Einschreibungen in handwerklichen Ausbildungsprogrammen sind laut Daten im vergangenen Jahr um 16 Prozent gestiegen.

Ausblick auf eine integrierte Strategie

Die Initiativen von Ford und seinen Partnern verdeutlichen, dass die Beteiligten die Lage als dringend einstufen. Die Gründung der „Alliance for America’s Skilled Trades“ bündelt private und gemeinnützige Ressourcen. Gezielte Investitionen in Bildungsprogramme sollen Wege in technische Berufe eröffnen.

Beobachter achten insbesondere auf die Skalierbarkeit regionaler Projekte wie der Programme in Detroit. Dabei wird sich zeigen, ob die Allianz die Koordination zwischen Industrie, Bildungseinrichtungen und Politik verbessern kann. Das US-Arbeitsministerium plant zusätzliche Mittel in Höhe von 145 Millionen US-Dollar zur Ausweitung von „Registered Apprenticeships“.

Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung staatlicher Unterstützung zur Bewältigung des Fachkräftemangels.