Junge Gründer der Generation Z und der Millennials planen Neueinstellungen und Investitionen häufiger als ältere Generationen. Dies geschieht in einem Gesamtmarkt, der bei Neueinstellungen vorsichtig bleibt. Der Arbeitsmarkt ist derzeit von einer „low-hire, low-fire“-Mentalität geprägt, was insbesondere Berufseinsteigern den Markteintritt erschwert.
Zugleich zeigt die Generation Z eine erhöhte Neigung zur Selbstständigkeit.
Antizyklisches Wachstum in unsicheren Zeiten
Im dritten Quartal 2026 erwarteten laut dem Justworks Small Business Index lediglich 36 Prozent aller Unternehmer eine Personalaufstockung. Dies entspricht einem Rückgang von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Demgegenüber planen 46 Prozent der Gen Z- und Millennial-Unternehmer, in den nächsten zwölf Monaten neues Personal einzustellen. Bei Baby Boomer-Unternehmern liegt dieser Wert bei 19 Prozent.
Parallel dazu beabsichtigen 50 Prozent der jungen Unternehmer, ihre Investitionen zu erhöhen. Bei Boomer-Unternehmern sind es 18 Prozent. Diese Zahlen stammen ebenfalls aus einer Justworks-Auswertung.
Der Kontext für diese Entwicklungen ist relevant: Im August und September 2026 lag die Quote der Job-Kündigungen (Quits Rate) bei Nicht-Landwirten bei 1,9 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit 2020. Im September 2026 entstanden 29.000 neue Arbeitsplätze, was deutlich unter den Erwartungen von Ökonomen blieb. Die Arbeitslosenquote stieg zudem auf 4,2 Prozent.
Mike Seckler, CEO von Justworks, erklärt die Haltung junger Gründer folgendermaßen: „Ich glaube, es ist wichtig, sich den Kontext zu vergegenwärtigen, in dem diese Leute aufgewachsen sind und was sie in den vergangenen fünf Jahren überleben mussten. Angesichts dessen, was sie durchgemacht oder gesehen haben, glaube ich, dass sie eine Mentalität besitzen, die besagt: Die Außenwelt war schon immer verrückt und wird schwierig bleiben. Doch ich habe mir bereits bewiesen, dass ich darin erfolgreich sein kann.“
Seckler weist ebenfalls darauf hin, dass neue Werkzeuge es Gründern erlauben, mit kleinen Teams viel zu erreichen. „Ich denke, ein Teil davon ist, dass Gründer der Gen Z und Millennials mit einer ganz neuen Reihe von Werkzeugen für den Aufbau von Unternehmen aufgewachsen sind. Das ermöglicht ihnen Erfolg und große Dinge zu leisten, selbst mit kleinen Teams.“
Unabhängig davon zeigen Umfragen, dass Künstliche Intelligenz bereits Einstiegspositionen ersetzt. Eine Umfrage des Graduate Management Admission Council ergab, dass ein Drittel der Arbeitgeber Einstiegspositionen durch KI ersetzt.
Der „Great Opt-Out“: Gen Z wählt das Unternehmertum
Die erhöhte Gründungsbereitschaft der Gen Z ist in mehreren Erhebungen dokumentiert. Umfragen nennen als Gründe das Streben nach Flexibilität, Wohlstand sowie die Nutzung neuer Technologien. Beobachter und Autoren sehen zudem ein gesunkenes Vertrauen in traditionelle Institutionen.
Auch die Wahrnehmung, dass Stabilität im Angestelltenverhältnis weniger garantiert ist, spielt eine Rolle. In mehreren Beiträgen wird der Lehman-Kollaps 2008 als historischer Einschnitt für das Stabilitätsversprechen genannt.
Ash Maurya fasst die Stimmung zusammen: „Die besten jungen Talente erklimmen nicht mehr die Karriereleiter. Sie schauen auf die Leiter und fragen sich: ‚Warum sollte ich diese erklimmen, wenn ich meine eigene bauen kann?‘“
Konkrete Zahlen belegen dies: Laut dem ZipRecruiter 2026 Graduate Report erwägen 38 Prozent der befragten Hochschulabsolventen eine Unternehmensgründung. Eine Umfrage von Samsung und Morning Consult ergab, dass 49 Prozent der 18- bis 34-Jährigen diesen Weg anstreben. Ein Bericht von Block und Public First aus Dezember 2025 nennt einen Wert von 67 Prozent bei 18- bis 34-Jährigen, die eine Gründung in Betracht ziehen.
Die Geschäftsanmeldungen von Gen Z-Gründern stiegen im Juni 2026 um 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wuchsen sie schneller als die Anmeldungen von Millennials und Gen X. Vor sechs Jahren kamen laut einer Auswertung auf einen Gen Z-Gründer noch 26 Gen X-Gründer. Aktuell liegt das Verhältnis bei 4 zu 1.
In Deutschland geben laut KfW-Daten 36 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an, sich eine Selbstständigkeit vorstellen zu können. Das Durchschnittsalter der Gründer lag zuletzt bei 34,4 Jahren, dem bisher niedrigsten Wert in den verfügbaren Daten.
Ash Maurya beschreibt einen weiteren kulturellen Faktor: Die Stimmung hat sich dahingehend verschoben, Unternehmen als „ausbeuterisch“ wahrzunehmen. Aus diesem Grund setzen viele Gründer darauf, den „Upside“ ihres eigenen Geschäfts zu besitzen.
Herausforderungen und die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Trotz hoher Gründungsabsichten bestehen erhebliche Hürden. Die Bertelsmann Stiftung hebt hervor, dass in Deutschland nur ein Bruchteil der jungen Interessenten tatsächlich den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Dies wird als „Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ beschrieben.
Als weiterer Hemmschuh wird die Angst vor dem Scheitern genannt. Die verfügbaren Quellen zeigen, dass mehr als die Hälfte aller neuen Unternehmen typischerweise in den ersten fünf Jahren scheitert.
Elina Seppälä, Executive Producer bei Nitro Games, betont die Anforderungen an Gründer: „Als Unternehmer brauchst Du die Energie, um weiterzumachen, auch wenn das Geschäftsumfeld sehr herausfordernd ist. Du musst weiterhin an Dein Team, Dein Produkt und Deine Strategie glauben, unter starkem Leistungsdruck.“
In Diskussionen über die Gen Z taucht zudem das Stereotyp der „Faulheit“ auf. Mehrere Beiträge weisen darauf hin, dass die hohe Gründungsaktivität diese Wahrnehmung relativiert. In Deutschland wählen Gen Z-Gründer häufig Branchen wie Technologie und IT (18 Prozent), Unterhaltung und Medien (16 Prozent) sowie Handel (14 Prozent).
Quellen nennen für die Startup-Welt sowohl Vorteile wie Flexibilität und schnelleres Lernen als auch Nachteile wie Instabilität, hohen Druck, Isolation und Burnout-Risiken.
Eine ResumeBuilder-Umfrage ergab, dass 74 Prozent der Manager Gen Z-Mitarbeiter als schwieriger zu führen empfinden als andere Generationen. Bis 2025 wird die Gen Z laut den vorliegenden Daten mehr als ein Viertel der globalen Arbeitskräfte stellen. Dieser Faktor kann die Arbeitsmärkte maßgeblich beeinflussen.
Ausblick: Ein Paradigmenwechsel am Arbeitsmarkt
Die verstärkte Gründungsaktivität von Gen Z und Millennials deutet auf Veränderungen im Arbeitsmarkt hin. Vor dem Hintergrund makroökonomischer Unsicherheiten und der zunehmenden Nutzung von Automatisierungstechniken bleibt offen, wie nachhaltig dieser Trend ist. Es wird sich zeigen, ob hohe Misserfolgsraten die Gründungsbereitschaft dämpfen werden.
Beobachter prüfen, wie etablierte Unternehmen auf diese Entwicklung reagieren und ob sie ihre Angebote an junge Talente anpassen. Die kommenden Quartalsberichte zur Gründungsdynamik und zu den Investitionsplänen junger Unternehmer werden weitere Indikatoren für die Robustheit dieser Entwicklung liefern.







