Der Chefposten der Lufthansa Technik (LHT) wird Anfang des kommenden Jahres neu besetzt, da Sören Stark altersbedingt aus der Führung ausscheidet. Harald Gloy, ein interner Kandidat, gilt als Favorit für die Nachfolge an der Spitze des weltweit größten herstellerunabhängigen Wartungsunternehmens. Der Aufsichtsrat von LHT soll diese Woche zu einer Sitzung zusammenkommen, um über die Neubesetzung zu entscheiden.
Lufthansa Technik gehört zusammen mit Lufthansa Cargo zu den wesentlichen Ertragsbringern des Lufthansa-Konzerns.
Harald Gloy als Favorit für die Nachfolge
Harald Gloy, ein 54-jähriger Diplom-Ingenieur, ist seit Juli 2022 Mitglied des Vorstands von Lufthansa Technik. Als Chief Operating Officer (COO) verantwortet er die Betriebsabläufe und Logistik. Seine berufliche Laufbahn begann er 1999 bei Lufthansa Technik, wo er unter anderem für die Triebwerksüberholung und das Komponentengeschäft zuständig war.
Gloy wird in der Recherche als der amtierende Vorstand beschrieben, „der das Unternehmen und seine Kunden am besten kennt“. Er wurde zur Aufsichtsratssitzung eingeladen und stellte sich den Arbeitnehmervertretern vor.
Konzernchef Carsten Spohr und Technikvorständin Grazia Vittadini, die auch Vorsitzende des Aufsichtsrats von Lufthansa Technik ist, präferieren eine interne Besetzung der Position. Dies steht im Einklang mit der bisherigen Praxis, die Leitung von LHT intern zu besetzen. Ein Sprecher von Lufthansa Technik wollte sich zu dem Thema nicht äußern und verwies auf die Konzernmutter in Frankfurt.
Auch dort gab es keine Auskunft. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu Angelegenheiten des Aufsichtsrats.
Debatte um interne oder externe Lösung
Johannes Teyssen, seit Mai dieses Jahres Vorsitzender des Aufsichtsrats der Lufthansa AG, sprach sich dafür aus, auch externe Kandidaten für den Chefposten zu prüfen. Eine externe Besetzung wäre ein Novum in der Geschichte von Lufthansa Technik. Kurzzeitig im Gespräch war Dorothea von Boxberg, die bis Ende August Chefin von Brussels Airlines war.
Diese Idee wurde laut Recherche verworfen. Von Boxberg ist seit dieser Woche Mitglied des Vorstands von BMW.
Die Nachfolgeregelung betrifft die Umsetzung der Wachstumsstrategie „Ambition 2030“ von Lufthansa Technik. Das Unternehmen strebt bis 2030 einen Umsatz von über 10 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBIT von über 1 Milliarde Euro an, bei einer bereinigten Ergebnismarge von mindestens zehn Prozent. Im Jahr 2022 erzielte LHT einen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBIT von 511 Millionen Euro.
Herausforderungen und strategische Ausrichtung
Lufthansa Technik ist das weltweit größte herstellerunabhängige Wartungsunternehmen und wartet jedes fünfte Verkehrsflugzeug weltweit. LHT ist zusammen mit Lufthansa Cargo ein wesentlicher Ertragsbringer des Konzerns. Zuletzt zeigten die Ergebnisse Margendruck.
Im Jahr 2023 schrumpfte die bereinigte Ergebnismarge von 9,3 Prozent auf 7,5 Prozent. Dieser Rückgang wird unter anderem auf gestiegene Materialpreise und eine volatilere Wartungsnachfrage zurückgeführt.
In der ersten Jahreshälfte 2026 verzeichnete LHT einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Steigerung von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBIT lag bei 315 Millionen Euro, ein Plus von zwei Prozent.
Die bereinigte EBIT-Marge sank in diesem Zeitraum um 0,7 Prozentpunkte auf 7,1 Prozent. Christian Leifeld, Finanzchef von Lufthansa Technik, kommentierte die Situation: „Demand for our services stays strong overall. At the same time, we are experiencing greater volatility in shop visits and less predictability than we did just a few years ago.“
Internationale Expansion und neue Geschäftsbereiche
Um die Wachstumsziele zu erreichen, investiert Lufthansa Technik in die Erweiterung ihrer Kapazitäten. In Portugal erfolgte der Spatenstich für eine 55.000 Quadratmeter große Halle nahe Porto. Der Betrieb soll 2028 aufgenommen werden und bis zu 700 neue Arbeitsplätze schaffen.
Auf den Philippinen baut Lufthansa Technik Philippines, ein Joint Venture mit der Macro-Asia Corporation, eine zweite MRO-Einrichtung am Clark International Airport. Diese Anlage umfasst 157.000 Quadratmeter, soll voraussichtlich 2028 den Betrieb aufnehmen, eine Kapazität für bis zu neun Großraumflugzeuge bieten und rund 1.200 neue Arbeitsplätze schaffen. LHT investiert auf den Philippinen mindestens 100 Millionen US-Dollar.
In Portugal sind laut Recherche „mehrere hundert Millionen Euro“ vorgesehen.
Ein weiterer Bereich ist das Verteidigungsgeschäft. Lufthansa Technik wartet bereits waffentragende Systeme wie den CH-47F Chinook und die P-8A Poseidon der Bundeswehr. Die Unterstützung der P-8A Poseidon begann im April 2026. Dieses Segment soll das Unternehmen weniger abhängig von Schwankungen im zivilen Luftfahrtmarkt machen.
Ausblick
Der Aufsichtsrat will am Freitag dieser Woche über die Nachfolge entscheiden. Harald Gloy gilt als Favorit. Eine interne Besetzung würde Kontinuität in der Führung bedeuten.
Der neue CEO wird mit Margendruck und Herausforderungen wie Lieferkettenstörungen, Währungseffekten und geopolitisch bedingter Volatilität in der Wartungsplanung konfrontiert sein. Die internationale Expansion und das wachsende Verteidigungsgeschäft sind nach der vorliegenden Recherche zentrale Bestandteile der Strategie, um die Ziele von „Ambition 2030“ zu erreichen. Die Entwicklung dieser Bereiche wird maßgeblich für die zukünftige Profitabilität des Unternehmens sein.







