IHH Healthcare, Asiens größte private Gesundheitsgruppe, richtet ihre Strategie neu aus. CEO Prem Kumar Nair setzt dabei auf den demografischen Wandel der Region. Vor dem Hintergrund höherer Lebenserwartung und einer alternden Bevölkerung fokussiert sich IHH unter Nairs Führung auf organisches Wachstum und den Ausbau eines „Gesundheitsökosystems“, das über traditionelle Krankenhausstrukturen hinausgeht.
Der Plan von IHH zielt darauf ab, die Herausforderungen und Chancen der älter werdenden asiatischen Gesellschaft aktiv zu gestalten. Bis 2050 wird erwartet, dass jeder vierte Mensch in Asien über 65 Jahre alt sein wird. Eine Stanford-Studie ergab zudem, dass die Alterung der Bevölkerung in Festlandchina, Japan, Singapur, Südkorea und Taiwan für 33,6 Prozent des Anstiegs der Krankheitslast verantwortlich ist.
Mit steigendem Wohlstand nehmen laut Nair „Lifestyle-Krankheiten“ wie Diabetes, Bluthochdruck und ein hoher Cholesterinspiegel zu. Zugleich sank die Sterblichkeitsrate aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Asien von 1990 bis 2021 um 26 Prozent. Nair beobachtet überdies einen Wandel der Spezialisierungen in IHH-Häusern: „Krebs entwickelt sich zur größten Subspezialisierung in all unseren Krankenhäusern.“
Prävention und ambulante Versorgung im Fokus
Im Juli hat IHH Healthcare das Präventions- und Langlebigkeitsprogramm „Healthspan“ eingeführt. Das Programm konzentriere sich auf klinische Interventionen und unterscheide sich von der ästhetikgetriebenen Wellness-Branche, sagt Nair. Sein Argument: „Es hat keinen Sinn, länger zu leben, wenn man nicht gesund ist.“
„Healthspan“ wird derzeit nur in Singapur angeboten. IHH plant jedoch, es auf weitere neun Märkte auszuweiten, darunter Indien, die Türkei und Greater China. Im Programm setzt IHH auch auf GLP-1-Medikamente wie Ozempic und Wegovy — nicht für kosmetischen Gewichtsverlust, sondern zur Vorbeugung von fettleibigkeitsbedingter Arthritis und Stoffwechselerkrankungen.
Nair bezeichnet diese Medikamente als „Aushängeschild für Langlebigkeit“.
Parallel dazu baut IHH das Angebot an ambulanten Versorgungszentren in dicht besiedelten Städten wie Singapur und Hongkong aus. Diese Zentren sollen Eingriffe wie Endoskopien und Kniegelenksersatz ohne stationären Krankenhausaufenthalt ermöglichen. Ein Beispiel ist das Parkway MediCentre im Woodleigh-Viertel in Singapur, das chronisches Krankheitsmanagement sowie Konsultationen in Dermatologie und Geburtshilfe/Gynäkologie anbietet.
Dieser Ansatz spiegelt nach Auffassung des Unternehmens einen Wandel von krankenhauszentrierter Versorgung hin zu personalisierten, gemeinschaftsbasierten Optionen wider. „Wir haben uns von einem Mega-Krankenhausbetreiber zu einem Gesundheitsökosystem-Akteur in allen Ländern entwickelt, in denen wir tätig sind. Das ist die Zukunft des Gesundheitswesens“, konstatiert Nair.
Strategische Neuausrichtung unter Nair
Prem Kumar Nair kam 2020 zu IHH Healthcare, nach 27 Jahren bei der Raffles Medical Group. Sein Amtsantritt fiel mit dem Beginn der COVID-19-Pandemie in Singapur zusammen. In dieser Zeit entsandte er mit seinem Team medizinisches Personal zu Test- und Screening-Kontrollpunkten sowie in Wohnheime für ausländische Arbeiter, die zu einem Epizentrum des Ausbruchs wurden.
„Es war von Anfang an Krisenmanagement“, sagt Nair.
Nair betont die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor in Gesundheitskrisen. In Friedenszeiten sieht er jedoch unterschiedliche Rollen: Der öffentliche Sektor stelle erschwingliche, zugängliche Versorgung sicher, der private Sektor bediene Patienten, die schnellere Reaktionszeiten, mehr Privatsphäre und die Bereitschaft zur Zahlung eines Premiums wünschen.
Seit seinem Amtsantritt hat Nair IHH von einer primär akquisitionsgetriebenen Strategie zu stärkerem organischen Wachstum innerhalb bestehender Märkte und Geschäftsfelder geführt. Unter seiner Leitung hat IHH die Bettenkapazität in seinen Krankenhäusern um insgesamt 4.000 Betten erweitert. „Viele Investoren fragten uns, ob Fusionen und Übernahmen ein effizienter Weg zum Wachstum seien, da wir jedes Mal, wenn wir inorganisch wachsen, die verschiedenen Einheiten integrieren müssen.
Letztlich entschieden wir, dass die beste Form des Wachstums das Wachstum innerhalb unserer bestehenden Märkte und Cluster ist. Organisches Wachstum ist immer besser, da die betriebliche Effizienz gegeben ist, wir bestehende Geschäfte nutzen und bereits Krankenhausmanager im Land haben“, erklärt Nair.
Diversifikation als Absicherung und Blick in die Zukunft
IHH wurde 2010 als Holding für die Gesundheitsinvestitionen des malaysischen Staatsfonds Khazanah gegründet und ging 2012 per Dual-IPO an die Börsen in Malaysia und Singapur. Der Börsengang zählte in seinem Jahr zu den größten IPOs weltweit. Heute betreibt das Unternehmen 89 Krankenhäuser in zehn Ländern und steht auf Platz 58 der Fortune Southeast Asia 500 Liste.
IHH erwartet für 2025 einen Umsatz von rund 6 Milliarden US-Dollar.
Die IHH-Aktien sind in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 20 Prozent gestiegen. Nach Aussage von Nair habe die geografische Diversifikation dem Unternehmen geholfen, makroökonomische Probleme einzelner Märkte abzufedern: „Unsere Diversifizierung hat uns sehr geholfen. Es gab Zeiten, in denen die Türkei makroökonomische Probleme wie Inflation hatte, aber Malaysia, Singapur und unsere anderen Märkte stützten unsere Wirtschaftsleistung.“
Trotz des klaren Fokus auf organisches Wachstum schließt Nair eine Expansion in angrenzende Länder nicht aus; konkrete Pläne gebe es jedoch bisher nicht. Vietnam und Indonesien gelten als mögliche Zielmärkte. In Vietnam sind Wettbewerber wie Thompson und Raffles Medical aktiv, während sich in Indonesien regulatorische Regeln für ausländische Anbieter verändert haben.
IHH investiert nach eigenen Angaben zudem in Krebs-Tests, Genommedizin und Präzisionsmedizin.
Der globale Markt für Langlebigkeit wird bis 2034 auf etwa 5,4 Billionen US-Dollar geschätzt. Für die Asien-Pazifik-Region prognostizieren Studien bis 2030 persönliche Finanzanlagen von rund 120 Billionen US-Dollar. Diese Marktentwicklungen bieten laut Analyse weiteres Wachstumspotenzial für Anbieter wie IHH.
Gleichzeitig erwartet Nair zunehmenden Wettbewerb: „Alle Länder, in denen wir tätig sind, werden irgendwann gesättigt sein; Wettbewerb ist eine Gegebenheit, daher müssen wir uns neue Märkte ansehen.“ Wie sich IHH in diesem Umfeld positioniert und welche neuen Märkte konkret ins Visier genommen werden, bleibt abzuwarten. Analysten beobachten die weitere Entwicklung der „Healthspan“-Expansion und mögliche Kooperationen genau.







