Die schnelle Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) setzt das Geschäftsmodell klassischer Management-Ausbildungen, insbesondere des MBA, unter Druck. KI übernimmt zunehmend komplexe Aufgaben wie Marktanalyse, Verkaufsprognosen und Dateninterpretation. Dadurch geraten traditionelle Einstiegsjobs für Nachwuchsmanager in den Fokus von Diskussionen über strukturelle Veränderungen.
Hochschulen passen ihre Angebote an, etwa durch neue Masterprogramme und spezialisierte KI-Kompetenzkurse, um die Berufsfähigkeit der Absolventen in einer sich wandelnden Arbeitswelt zu sichern.
KI verändert Managementaufgaben
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt grundlegend. Ihr Einsatz beschränkt sich nicht mehr auf reine Routinearbeiten, vielmehr analysiert KI heute Märkte, erstellt Prognosen und interpretiert komplexe Datensätze. Diese Tätigkeiten, die bisher oft in den Aufgabenbereich von Nachwuchsmanagern fielen, könnten künftig vermehrt durch intelligente Systeme abgedeckt werden.
Oliver Eckard, ein Wirtschaftsingenieur, der aktuell einen MBA an der Frankfurt School of Finance and Management absolviert und eine Karriere im internationalen Vertrieb anstrebt, beobachtet diesen Wandel direkt. Er stellt fest: „Es ist ein komplett anderes Arbeiten als noch vor zwei Jahren.“
Unternehmen sehen sich gezwungen, ihre Kostenstrukturen zu optimieren und Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Geopolitische Unsicherheiten, volatile Märkte, Wettbewerbsdruck und Fachkräftemangel verstärken diesen Handlungsdruck. KI verändert dabei nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern ganze Rollen und Entscheidungsprozesse in nahezu allen Unternehmensbereichen.
Neuausrichtung: Mensch und Maschine im Fokus
Eine reine Restrukturierung oder der isolierte Einsatz von KI führen nicht zwangsläufig zu nachhaltigem Erfolg. Entscheidend ist die Neuorganisation der Arbeit, welche menschliche und technologische Fähigkeiten verbindet. Die Studie „Global Talent Trends 2026“ von Mercer/Marsh unterstreicht die Wichtigkeit dieses Ansatzes.
Johannes Brinkkötter und Nicole Peichl, Partner im Bereich Workforce und Rewards bei Marsh, betonen die Notwendigkeit eines „Work und Skills Design“. Dieses Konzept fordert eine Neugestaltung der Arbeit, die bei der Frage ansetzt, welche Wertschöpfung von wem – Mensch oder Maschine – erbracht werden soll.
In dieser agilen Arbeitswelt rücken individuelle Fähigkeiten, sogenannte Skills, in den Mittelpunkt der Organisationen. Die Frage, was Menschen leisten können, wird wichtiger als ihre formale Position im Organigramm. Rui de Freitas, Co-Founder und CEO bei C Wire, warnt indes: „Agentic advertising is not ready.
The market is not agentic.“ Er macht deutlich, dass die Branche bei Prozessen, Verträgen und Verantwortlichkeiten noch nicht vollständig auf Skalierung vorbereitet ist. Gleichwohl betont er: „The energy, optimism and drive in Germany is at a level I have never seen.“
Anpassungsdruck auf Business Schools
Hochschulen passen ihre Angebote an diese Entwicklung an. Es entstehen Masterprogramme mit Fokus auf Datenkompetenz und KI sowie spezifische KI-Kompetenzkurse.
Die ZHAW School of Management and Law (ZHAW SML), eine der Triple-Crown-akkreditierten Business Schools in der Schweiz, bietet über ihr Institut für Innovation und Entrepreneurship (IIE) entsprechende Weiterbildungen an.
Die AKAD University, Deutschlands erste staatlich anerkannte private Fernhochschule, bietet über 65 staatlich anerkannte Bachelor-, Master- und MBA-Studiengänge an.
Die Universität Münster Professional School bietet einen berufsbegleitenden Masterstudiengang Data Science an, dessen Regelstudienzeit vier Semester beträgt und neun Module inklusive Projekt- und Masterarbeit umfasst. Das Teilnahmeentgelt beläuft sich auf 16.950 Euro. Studierende und Absolventen berichten, dass sie die dort erworbenen KI-Kenntnisse direkt im Berufsalltag nutzen.
Alexandra Kersten Mota äußert: „Im zweiten Modul haben wir zum Beispiel ein kleines ‚GPT-ähnliches‘ Sprachmodell für Klassifikationsaufgaben finetuned – genau diese Ansätze habe ich anschließend auch im Beruf weitergenutzt.“ Nina Wagner ergänzt: „Die Uni setzt hier den richtigen Fokus auf relevante Themen, sodass die Studierenden ideal auf einen Karriereweg im Bereich Data Science vorbereitet werden.“ Marc Schumilo ergänzt: „Das Data-Science-Programm setzt genau an den richtigen Hebeln an und vermittelt exakt die Skills, die ich heute täglich in der Praxis nutze.“
Ausblick: Die Zukunft des MBA
Die Diskussion um den Wert klassischer MBA-Abschlüsse angesichts der KI-Entwicklungen bleibt aktuell. Während sich spezialisierte Masterprogramme in Data Science und KI-Kompetenzen etablieren, stehen traditionelle MBA-Programme vor der Aufgabe, ihre Curricula anzupassen.
Offen bleibt, wie viele Einstiegsjobs für Führungskräfte wegfallen und in welchen Bereichen dies am stärksten zutrifft. Ebenso unklar ist, in welchem Umfang private Wirtschaftshochschulen wie die Frankfurt School ihre Angebote strukturell über die Integration von Einzelkursen hinaus anpassen werden.
Die Entwicklung der Studienangebote und ihre Auswirkungen auf die Berufsfähigkeit der Absolventen werden weiterhin genau beobachtet. Der Bologna-Prozess zielt auf berufsqualifizierende Abschlüsse und Employability ab; wie er sich in der KI-Ära bewährt, ist eine relevante Fragestellung für den Bildungssektor und den Arbeitsmarkt.







