Leica, traditionell ein Hersteller von Kameras und Objektiven, etabliert mit der App „Leica LUX“ und dem „LUX Grip“ ein Ökosystem für die Smartphone-Fotografie. Die Strategie konzentriert sich auf iPhone-Nutzer. Über ein Software-Abonnement und entsprechendes Hardware-Zubehör soll ein Leica-ähnliches Aufnahmeerlebnis auf dem Smartphone geschaffen werden.
Damit reagiert das Unternehmen auf die Bedeutung von Smartphones in der Bildgebung und erschließt neue Zielgruppen jenseits der klassischen Fotoklientel.
Leica LUX: Abo-Modell für den digitalen Look
Die Leica LUX App erschien im Juni 2024 exklusiv für iOS. Sie setzt iOS 17 sowie mindestens das iPhone SE (zweite Generation) voraus. Die App nutzt ein Freemium-Modell.
Die kostenlose Basisversion bietet einen automatischen Fotomodus, einen „Aperture-Mode“ zur Simulation des Summilux-M 28 f/1.4 ASPH sowie fünf Leica Looks (Leica Standard, Vivid, Natural, BW, BW High Contrast). Überdies sind „Leica Frames“ integriert, welche technische Eckdaten und das Markenlogo einblenden.
Die Pro-Version kostet 7,99 Euro monatlich oder 79,99 Euro jährlich. Sie ermöglicht manuelle Kontrollen für Belichtung, Fokus und Weißabgleich. Derzeit beinhaltet sie elf Leica Looks sowie fünf Objektivsimulationen, darunter das Noctilux-M 50 f/1.2 ASPH.
Die Verfügbarkeit bestimmter Teleobjektiv-Simulationen hängt von der iPhone-Hardware ab, da eine Telelinse erforderlich ist. RAW- und ProRAW-Formate sowie Funktionen wie Spot Focus und Focus Peaking sind ebenfalls Teil des Angebots. Leica nutzt eine proprietäre Bildverarbeitungs-Engine, die auf maschinellem Lernen und computergestützter Fotografie basiert.
Für die Bokeh-Berechnung zieht die App die Tiefenkarte des iPhones heran.
Der LUX Grip: Haptik und Funktion für iPhone-Fotografen
Als Hardware-Ergänzung zur App bietet Leica den LUX Grip an. Dieser lässt sich magnetisch per MagSafe an iPhones ab dem iPhone 12 befestigen. Der Grip soll das Gefühl einer klassischen Kamera auf das Smartphone übertragen. Er ist ab dem 6. Februar 2025 erhältlich und kostet 300 Euro.
Der LUX Grip verfügt über einen mechanischen, zweistufigen Auslöser, ein Einstellrad für Parameter wie die Blende und zwei frei belegbare Funktionstasten. Das Aluminiumgehäuse ist minimalistisch gestaltet. Der Griff kann durch Lösen von zwei Schrauben für Linkshänder umgebaut werden.
Die Funktionstasten arbeiten ausschließlich mit der Leica LUX App. Eine Nutzung mit der nativen Apple Fotos App oder anderen Drittanbieter-Apps ist nicht möglich. Zur vollen Nutzung der Tasten ist ein App-Update (Version 1.5) erforderlich.
Die Verbindung zum iPhone erfolgt über Bluetooth LE. Der integrierte 300-mAh-Akku wird per USB-C geladen und reicht laut Herstellerangaben für über 1.000 Aufnahmen. Käufer des LUX Grip erhalten ein kostenloses Jahresabonnement der Pro-Version der Leica LUX App.
Strategische Expansion durch Akquisition und Partnerschaften
Die Entwicklung des LUX-Ökosystems folgt einer strategischen Neuausrichtung. Leica hatte am 1. Dezember 2023 die norwegische Fjorden Electra AS übernommen.
Fjorden brachte Erfahrung in der Entwicklung von Smartphone-Zubehör und Apps mit und hatte zuvor an Kamera-Griffen gearbeitet. Dr. Victor Henning, Gründer und CEO von Fjorden Electra AS, ist Teil des übernommenen Teams und wird in die Weiterentwicklung des Segments eingebunden.
Leica verfolgte das Thema Smartphone-Fotografie bereits in anderen Partnerschaften. Seit 2022 arbeitet das Unternehmen mit Xiaomi für Android-Geräte zusammen. Zuvor gab es eine Kooperation mit Huawei.
Leica nennt als Grundlage für die iOS-Fokussierung eine eigene Marktstudie. Demnach besitzen über 80 Prozent der Leica-Kamera-Nutzer ein iPhone. Die LUX App ist aktuell ausschließlich für Apple-Hardware verfügbar.
Marktreaktion und Ausblick
Die Leica LUX App wurde in mehreren Schlüsselmärkten wie Japan, den USA, China, Thailand und Deutschland eingeführt. Im Apple App Store erreichte sie eine Bewertung von 4,75 Sternen. Die Einführung des LUX Grip ergänzt das Angebot um eine physische Komponente, die gezielt mit der App zusammenarbeitet.
Offen bleibt, ob die LUX-Hardware und das Abonnementmodell neue Kundensegmente jenseits der bestehenden Leica-Community ansprechen werden. Ebenso ist unklar, wie sich die Software-Simulationen und mögliche weitere Hardware-Produkte langfristig gegenüber nativen Smartphone-Kamera-Funktionen und anderen Drittanbieter-Lösungen behaupten werden. Analysten beobachten nun, welche Impulse diese Strategie dem Segment der Smartphone-Fotografie geben kann und wie sich das neue Ökosystem in Leicas Gesamtumsatz niederschlagen wird.







