Der Aufstieg einer neuen Generation von Content-Erstellern auf beruflichen Netzwerken prägt die digitale Landschaft: „Workfluencer“ auf LinkedIn erzielen durch Marken-Kooperationen zusätzliche Einnahmen. Diese Fachkräfte bleiben überwiegend in ihren Hauptberufen. Sie nutzen LinkedIn, um Wissen und Branchenerfahrungen zu teilen.
LinkedIn-CEO Daniel Shapero beschreibt diese Entwicklung als Chance für Experten, ihre Karriere zu erweitern und sich zusätzliche Einkünfte zu sichern.
Das Phänomen der „Workfluencer“
„Workfluencer“ sind Fachleute mit einem Hauptberuf. Auf LinkedIn gewähren sie Einblicke in ihre Arbeit und Branche. So bauen sie eine Anhängerschaft auf und erzielen Zusatzeinnahmen durch Marken-Deals.
Daniel Shapero erklärt dazu: „Sie haben einen Hauptberuf, nutzen aber LinkedIn, um ihr erworbenes Fachwissen zu teilen. Dabei geht es darum, wie Du in Deiner Arbeit hervorragend bist und was in Deiner Branche passiert.“ Er ergänzt: „Diese Leute bauen nicht nur eine Anhängerschaft auf, sondern beginnen, nebenbei wirklich Geld zu verdienen.“
Shapero beziffert die mögliche Größenordnung für Marken-Deals mit „Hunderten bis Zehntausenden von US-Dollar“ pro Beitrag. Die überwiegende Mehrheit – 83 Prozent – bleibt nebenbei in ihrem Hauptberuf tätig. „Für die meisten Menschen ist es kein Ersatz für einen Hauptberuf. Es ist eine Möglichkeit, die eigene Karriere zu erweitern“, so Shapero.
Die Zahl der Creator auf LinkedIn ist seit 2024 um 60 Prozent gestiegen. In einigen Branchen hat das Wachstum in den vergangenen zwei Jahren besonders stark zugelegt. Dazu gehören Computer- und Netzwerksicherheit mit plus 128 Prozent, Softwareentwicklung mit plus 117 Prozent und Kapitalmärkte mit plus 112 Prozent.
Häufige Berufsfelder unter den „Workfluencern“ sind Werbung, Medien, Hochschulbildung und Softwareentwicklung.
Typische Jobtitel reichen von Creative Director über Lehrer und Redakteure bis zu Forschern, Professoren, Grafikdesignern, Fotografen und Videoeditoren. Eine Recherche nennt beispielhaft eine Forscherin bei Kraft Heinz, die über das Verkosten von abgelaufenen Lebensmitteln berichtet.
Attraktivität und wirtschaftliche Treiber
Mehrere Faktoren begünstigen den Trend zu „Workfluencern“. Die Quellen nennen einen vergleichsweise stagnierenden Arbeitsmarkt. Die Quote der Jobwechsel ist geringer als in der Vergangenheit.
Der Markt für Berufseinsteiger gilt als der schlechteste seit 37 Jahren. Fast 60 Prozent der Hochschulabsolventen finden keinen Job. Hinzu kommt die Sorge über KI-bedingte Jobverluste.
IWF-Chefin Kristalina Georgieva warnte vor einem KI-„Tsunami“. Außerdem besteht der Wunsch nach zusätzlichen Einnahmequellen.
LinkedIn fördert die Creator-Aktivitäten durch spezielle Programme. Creator, die an LinkedIn-Programmen teilnehmen, verdienen den vorliegenden Angaben zufolge heute sechsmal so viel durch Werbetreibende wie im Vorjahr. Weitere Indikatoren für diversifizierte berufliche Aktivitäten auf der Plattform sind ein Anstieg der Mitglieder, die mehr als eine aktive Position angeben, um 26 Prozent seit 2019.
Zudem wächst die Berufsbezeichnung „Gründer“ um 70 Prozent im Jahresvergleich.
Ausblick und offene Fragen
LinkedIn investiert in Programme für Creators. Unternehmen können profitieren, wenn Mitarbeitende auf LinkedIn wertvolles Wissen teilen. Für eine umfassendere wirtschaftliche Bewertung fehlen jedoch detaillierte Angaben zu durchschnittlichen oder medianen Einnahmen. Auch konkrete Zahlen zu Reichweite und Engagement von „Workfluencern“ sind derzeit nicht öffentlich verfügbar.
Unklar bleibt zudem, wie Plattformen künftig Transparenz bei bezahlten Partnerschaften sicherstellen. Offen ist ebenso, welche Regulierungen für bezahlte Inhalte in beruflichen Netzwerken gelten werden. Diese Fragen sind für die Einordnung des Phänomens und dessen weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt relevant.







