Das Karrierenetzwerk LinkedIn pilotiert die Bildungsplattform „Academy of Economic Opportunity“. Die Initiative richtet sich an Gründer und betont, dass für die Teilnahme kein Hochschulabschluss erforderlich ist. LinkedIn unterstreicht damit das Engagement, Bildungsangebote für angehende Unternehmer zu testen.
LinkedIn startet Pilotprogramm für Solo-Selbstständige
Die „Academy of Economic Opportunity“ startete ihr Pilotprogramm im September. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, ein eigenes Geschäft aufzubauen; ein Hochschulabschluss stellt keine Voraussetzung dar. 30 LinkedIn-Mitarbeiter nehmen am 14-wöchigen Pilotprogramm teil. Es umfasst drei Treffen pro Woche und legt den Schwerpunkt auf praktische Leistungsnachweise statt auf formale Abschlüsse.
Hari Srinivasan, Chief Product Officer bei LinkedIn, erklärt: „Das Programm konzentriert sich darauf, den Teilnehmern beizubringen, wie sie ein Unternehmen aufbauen. Nicht, weil wir glauben, dass jeder Unternehmer werden sollte, sondern weil Menschen neue Wege zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit in einer unsicheren Welt suchen.“ Er ergänzt, dass es derzeit keine Zugangsvoraussetzungen gibt und die Academy Personen in jeder Phase ihrer Karriere und aus verschiedenen Branchen dienen soll.
Wachsende Selbstständigen-Ökonomie als Treiber
LinkedIns Initiative reagiert auf einen Anstieg von Gründer-Profilen auf der Plattform: Die Zahl der „Founder“-Profile stieg im vergangenen Jahr um fast 23 Prozent. Eine Umfrage von Intuit QuickBooks unter 3.000 US-Erwachsenen ergab zudem, dass ein Drittel plant, im aktuellen Jahr ein Unternehmen oder einen Nebenverdienst zu gründen – ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Parallel dazu zeigte eine Gusto-Umfrage unter 1.051 neuen Unternehmern, dass 51 Prozent den Aufbau finanzieller Stabilität oder zukünftigen Vermögens als Motivation nannten, gegenüber 42 Prozent im Vorjahr. Diese Entwicklungen unterstreichen die Relevanz von Weiterbildungsangeboten für Selbstständige.
Qualifizierung ohne akademischen Abschluss im Fokus
Die Academy betont die fehlende Notwendigkeit eines Hochschulabschlusses. Srinivasan weist darauf hin, dass Technologien wie Künstliche Intelligenz Arbeitgebern helfen können, die tatsächliche Arbeit von Kandidaten – etwa Portfolios, Code oder Produkte – zu bewerten. Dies ersetzt die Fokussierung auf Hochschulabschlüsse als „Abkürzung für Talent“.
LinkedIn hat das Programm so konzipiert, dass Teilnehmer mit konkreten Leistungsnachweisen abschließen, nicht mit einem akademischen Grad. „Wir haben unser Programm so konzipiert, dass die Studierenden mit echten Nachweisen ihrer Fähigkeiten abschließen, nicht mit einem Abschluss“, so Srinivasan.
Eine Studie der Harvard Business School und des Burning Glass Institute aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Ergebnis: Das Wegfallen von Studienanforderungen in 11.300 untersuchten Positionen führte zu einem Anstieg des Anteils eingestellter Mitarbeiter ohne Bachelor um etwa 3,5 Prozentpunkte. Dies eröffnete schätzungsweise Möglichkeiten für 97.000 Arbeitnehmer jährlich bei insgesamt 77 Millionen Neueinstellungen.
Wettbewerb und Finanzierungsmodelle im Weiterbildungsmarkt
Der Markt für Bildungsangebote und Coaching für Solo-Selbstständige ist vielfältig. Die Harvard Business School bietet ein 699 US-Dollar teures Startup-Bootcamp an, das etwa Investor Pitches und Sales Calls simuliert. Andreessen Horowitz investierte 42 Millionen US-Dollar in die Horowitz Andreessen Academy, eine alternative Bildungsinitiative.
Diese bietet Kurse in Bereichen wie KI-Inferenz-Engineering an und band Gastredner wie Jensen Huang ein.
Daneben existieren zahlreiche spezialisierte Anbieter für LinkedIn-Trainings und -Beratung. Beispiele sind das Angebot „LinkedIn für Selbstständige – Mastery & Bootcamp“ von leadin-sales.com, mit möglicher KOMPASS-Förderung in Deutschland, sowie ein Premium-Paket von thepeoplebrandingcompany.com für 4.800 Euro. Die Breite der Angebote zeigt unterschiedliche Preismodelle und Formate auf dem Markt.
Strategische Implikationen und offene Fragen
Der Vorstoß von LinkedIn ist aus Sicht der Plattform strategisch relevant, weil das Unternehmen ein Pilotprogramm testet, das über statische Lerninhalte hinausgehen soll. Wann die öffentliche Einschreibung beginnt und welche Kosten für Nicht-Mitarbeiter anfallen, ist noch nicht bekannt. Srinivasan sagt, die Skalierung der Academy international und zu einem erschwinglichen Preis sei „integral“ für das Vorhaben.
Unklar bleibt, wie sich LinkedIns Angebot in das bestehende Ökosystem von Weiterbildung und Coaching für Selbstständige einfügen wird. Es muss sich zeigen, ob es bestehende Anbieter direkt konkurrenziert oder ergänzende Zielgruppen anspricht.







