Die Skepsis gegenüber Künstlicher Intelligenz wächst, insbesondere im Marketing und bei der Erstellung von Inhalten. 50 Prozent der US-Konsumenten bevorzugen Geschäfte mit Marken, die generative KI nicht für kundenorientierte Nachrichten oder Werbung nutzen. Dieser Vertrauensverlust stellt Unternehmen vor die Herausforderung, den wirtschaftlichen Nutzen der KI-Technologie gegen die Ablehnung der Verbraucher abzuwägen.

Wachsende Skepsis in den USA und Europa

Die anfängliche Begeisterung für Künstliche Intelligenz (KI) weicht in den USA zunehmender Besorgnis. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 53 Prozent der Amerikaner glauben, KI schade eher als nütze, während 34 Prozent das Gegenteil annehmen. Dies äußert sich direkt im Konsumverhalten: 50 Prozent der US-Verbraucher würden bevorzugt mit Marken interagieren, die auf den Einsatz generativer KI in kundenorientierten Botschaften, Werbung oder Inhalten verzichten.

Teilen Marken KI-generierte Marketinginhalte, schwindet das Vertrauen bei 39 Prozent der Konsumenten. Diese Entwicklung unterstreicht einen klaren Trend: Transparenz wird für Verbraucher entscheidend. Fast 90 Prozent der weltweiten Konsumenten wünschen sich eine Kennzeichnung von KI-Bildern. 98 Prozent erachten authentische visuelle Inhalte als essenziell für Vertrauen.

Auch in Österreich (85 Prozent) und Deutschland (79 Prozent) sprechen sich große Mehrheiten für eine verpflichtende Offenlegung von KI-generierten Inhalten aus.

Qualität und „AI Slop“ als Vertrauensfaktoren

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Skepsis ist die wahrgenommene Qualität von KI-Inhalten. In Österreich wird diese im Durchschnitt nur als mittelmäßig eingestuft (Mittelwert: 2,9). 71 Prozent der Befragten dort beobachten eine Zunahme belangloser und austauschbarer KI-Inhalte, bekannt als „AI Slop“. Eine ähnliche Wahrnehmung besteht in Deutschland, wo 56 Prozent der Befragten von einer steigenden Zahl an KI-generierten Beiträgen ohne erkennbaren Mehrwert berichten.

Diese Entwicklung trägt dazu bei, dass 41 Prozent der Österreicher die zunehmende Menge an KI-generierten Inhalten als eher negativ bewerten. 52 Prozent konsumieren KI-Inhalte eher ungern. David Alich, Experte bei EY, äußert sich besorgt darüber, dass nur 27 Prozent der Nutzer in Deutschland KI-generierte Texte, Bilder oder Übersetzungen überprüfen. Er bezeichnet dies als einen „Weckruf“ und spricht von einem zu sorglosen Umgang mit der Technologie.

Das Misstrauen erstreckt sich auch auf spezifische Anwendungsbereiche. Werbliche Bilder oder Videos, die mit KI erzeugt werden, lösen bei 36 Prozent der deutschen Konsumenten Misstrauen gegenüber Marken aus. Nur bei 22 Prozent steigern sie das Vertrauen.

Auch bei Produktrezensionen sehen 43 Prozent der Deutschen einen verstärkten KI-Einsatz mit Misstrauen. Überdies äußern 46 Prozent der Deutschen Nervosität, wenn Produkte und Dienstleistungen KI nutzen. In sozialen Medien geben 54 Prozent der Befragten an, Inhalten, die durch KI beeinflusst sind, weniger zu vertrauen.

Ein Drittel der Deutschen ist zudem beunruhigt über die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung.

Zwischen Skepsis und Nutzung: Ein komplexes Bild

Trotz der Bedenken nutzen viele Menschen KI-Anwendungen aktiv. In Österreich setzen 83 Prozent der Befragten KI ein, wobei jeder Zweite dies mindestens einmal pro Woche tut. Die Generation Z ist hier besonders affin; 80 Prozent nutzen regelmäßig KI-Anwendungen. Hauptsächlich dient KI der schnellen Recherche und Informationsbeschaffung (62 Prozent in Österreich).

In Deutschland zeigen sich 23 Prozent von KI-Anwendungen begeistert, in den USA sind es 30 Prozent. Eine Ipsos-Studie von August 2025 zeigt, dass die Hälfte der Bundesbürger (49 Prozent) die Vorteile der KI als überwiechend ansieht, ein Plus von sieben Prozentpunkten seit 2023. Eine YouGov-Studie aus demselben Zeitraum gibt jedoch an, dass nur 35 Prozent der Deutschen glauben, KI habe mehr Vor- als Nachteile.

Diese Diskrepanz deutet auf eine ambivalente Haltung hin.

In den USA sind die Vorbehalte stärker ausgeprägt. Dort glauben nur 25 Prozent, dass KI mehr Vor- als Nachteile hat. Das Pew Research Center berichtet, dass 49 Prozent der US-Erwachsenen bereits einen KI-Chatbot genutzt haben, ein Anstieg von 33 Prozent im Jahr 2024.

Trotzdem vertrauen nur 20 Prozent der Befragten KI-Chatbots bei Nachrichteninformationen. Das Reuters Institute meldet, dass die Nutzung von KI-Chatbots für Nachrichten auf zehn Prozent gestiegen ist. Hier ist die Skepsis hoch: 41 Prozent der US-Befragten haben wenig oder kein Vertrauen in KI; bei Chatbots geben 18 Prozent an, keinerlei Vertrauen zu haben, und 24 Prozent sehr begrenztes Vertrauen.

Zudem befürchten 71 Prozent der US-Befragten, dass KI die Sicherheit persönlicher Daten gefährdet.

Die wirtschaftliche Dimension und zukünftige Herausforderungen

McKinsey schätzt, dass generative KI zwischen 2,6 und 4,4 Billionen US-Dollar an jährlichem Wirtschaftswert schaffen könnte, wobei ein Großteil des Potenzials in Kundenoperationen, Marketing und Vertrieb sowie weiteren Geschäftsbereichen liegt. Die Realität zeigt sich bislang jedoch verhaltener. Die MIT-Studie „The GenAI Divide: State of AI in Business 2025“ enthüllt, dass lediglich fünf Prozent der KI-Pilotprojekte in US-Unternehmen einen Mehrwert von mehreren Millionen US-Dollar erzielen.

Die Ausfallrate liegt bei 95 Prozent.

Gründe hierfür sind schwaches kontextuelles Lernen der Tools, fragile Arbeitsabläufe und mangelnde Abstimmung der Initiativen mit dem Tagesgeschäft. Ein Chief Operating Officer aus einem mittelständischen Fertigungsbetrieb berichtet anonym: „Der Hype rund um Künstliche Intelligenz verspricht uns, dass sich alles zum Positiven ändert. Bei uns ist das nicht passiert.

Wir bearbeiten lediglich einige Verträge schneller als vorher.“

Die Skepsis der Verbraucher ist nicht nur eine Herausforderung für das Marketing, sondern auch für die Reputation von Unternehmen. Der Deutsche Journalisten-Verband sprach im Kontext ungekennzeichneter KI-Nutzung in Medien von einem „Betrug an der Leserschaft“. Die Federal Trade Commission (FTC) in den USA finalisierte im August 2024 Regeln zu gefälschten Bewertungen und verhängte im Februar 2025 eine Anordnung gegen das Unternehmen DoNotPay.

Dabei wurde unter anderem eine Geldsumme von 193.000 US-Dollar genannt und DoNotPay durfte sich nicht mehr als „Robot Lawyer“ bezeichnen. Solche Regulierungen und die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen die Akzeptanz und damit den potenziellen wirtschaftlichen Nutzen von KI.

Ausblick: Transparenz und Vertrauensbildung als Schlüssel

Die Zukunft der Künstlichen Intelligenz im Marketing und in der Content-Erstellung hängt maßgeblich von der Fähigkeit der Unternehmen ab, Vertrauen aufzubauen. Dr. Rebecca Swift, Global Head of Creative Content bei Getty Images, betont, dass erfolgreiche Werbung seit jeher auf kreativem und authentischem visuellem Storytelling basiert.

Sie sieht die Aufgabe für Marken darin, „den Hype hinter sich zu lassen und die Erwartungen ihrer Zielgruppe genauer zu verstehen“, um so Vertrauen zu stärken und zu sinnvollem Handeln zu bewegen.

Politisch zeichnet sich ab, dass die Forderung nach Regulierung zunimmt. 83 Prozent der US-Befragten befürworten unabhängige Standards für KI-Unternehmen. 91 Prozent halten Richtlinien für KI-Systeme für wichtig, und 86 Prozent wünschen unabhängige Sicherheitsstandards, wenngleich dies die Entwicklungsgeschwindigkeit bremsen sollte. Die kanadische Regierung brachte im Juni 2026 den Gesetzesentwurf C-34 ein, der eine Sorgfaltspflicht für KI-Chatbot-Betreiber vorsieht. Auch der Europäische Verlegerverband reichte eine Beschwerde gegen Tech-Unternehmen wegen KI-Trainingsdaten ein.

Diese Entwicklungen zeigen, dass der Ruf nach Transparenz und klaren Regeln lauter wird. Für Unternehmen bedeutet das, den Einsatz von KI nicht nur technologisch zu begründen, sondern auch offen zu kommunizieren, wenn sie langfristig die Akzeptanz der Konsumenten sichern wollen.