Die Beratungsfirma McKinsey & Company passt Teile ihres Bewerbungsverfahrens an und testet KI-gesteuerte Simulationen. Ab dem Herbst dieses Jahres läuft in Nordamerika ein Pilot, bei dem Bewerbende ein Gespräch mit einer KI-Klientensimulation führen. Das Unternehmen sucht zunehmend Kandidaten, die „AI-ready“ sind.

Klientensimulation als Bewährungsprobe

Kern des neuen Auswahlverfahrens ist eine rund zehnminütige Konversation mit einem KI-Avatar, der einen Klienten simuliert. Für Studierende, die sich auf Business-Analyst-Positionen bewerben, ist dieses Szenario Teil der Testphase. McKinsey-Partner Saleem Zafar sagte, die Simulation bilde etwa 80 Prozent der Interaktionen ab, denen Berater im Alltag begegnen.

Wisevoter.com berichtet, dass der Avatar als simulierter Bürgermeister auftritt und Fragen der Stadtentwicklung adressiert. Die KI selbst bewertet die Kandidaten nicht; Menschen beobachten und beurteilen die Leistungen während der Simulation. Dieses Design soll Fairness fördern und eine konsistente Simulationserfahrung gewährleisten.

Die Übung zielt darauf ab, Problemlösungsfähigkeiten und aktives Zuhören in einer realitätsnahen Situation zu prüfen. Einstiegsgehälter für Business Analysten beziffert die Recherche mit 128.000 US-Dollar.

KI als Partner im Problem Solving

Parallel zur Klientensimulation setzt McKinsey seit Januar 2026 intern den generativen KI-Assistenten „Lilli“ in finalen Interviewrunden ein. Kandidaten arbeiten mit Lilli, um Fallstudien zu analysieren und Empfehlungen zu verfeinern. Ziel ist es, zu sehen, wie effektiv Bewerbende mit generativer KI zusammenarbeiten – etwa indem sie die Ausgaben des Modells hinterfragen, kontextualisieren und nutzen.

Es geht nicht primär darum, ob sie KI-Tools entwickeln können.

Mehr als 70 Prozent der rund 45.000 McKinsey-Mitarbeitenden nutzen Lilli bereits. Lilli verarbeitet über 500.000 Prompts pro Monat. CEO Bob Sternfels sagte, die Firma habe derzeit rund 20.000 KI-Agenten, die etwa 40.000 Mitarbeitende unterstützen. McKinsey verfolgt das Ziel, bald für jeden Mitarbeitenden einen oder mehrere Agenten bereitzustellen.

Wandel in der Beratungsbranche und Personalstrategie

McKinsey nutzt bereits länger andere digitale Assessments, etwa das gamifizierte „Solve“-Assessment zur Bewertung von Problemlösungsfähigkeiten. Die aktuelle Entwicklung ist Teil eines breiteren Wandels in der Consulting-Branche, in dem KI-gesteuerte Werkzeuge eine größere Rolle spielen.

Die Recherche weist darauf hin, dass der Bedarf an Beratern mit stärker ausgeprägten Problemlösungsfähigkeiten, Urteilsvermögen und Implementierungsfähigkeiten wächst. Bob Sternfels betont, dass KI menschliche Kreativität und Urteilsvermögen nicht ersetzt, sondern Beratende unterstützen soll. McKinsey gibt außerdem an, offener für Bewerbende mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund zu sein.

Deren Fähigkeit zu „diskontinuierlichen Sprüngen“ im Denken könne KI ergänzen, die vornehmlich Muster erkennt.

Die Einführung der neuen Methoden fällt in eine Phase, in der McKinsey seine Personalstrategie angepasst hat. Das Unternehmen schrumpfte zwischen 2023 und Mitte 2024 um mehr als zehn Prozent. Für 2026 nannte die Firma das Ziel, die Gesamteinstellungen um zwölf Prozent zu erhöhen.

Beobachter wie der ehemalige McKinsey-Analyst Stephen Turban stellen fest, dass Kandidaten oft unzureichend auf den Umgang mit KI in Interviews vorbereitet sind.

Ausblick auf die Zukunft der Bewerberauswahl

Die Kombination aus KI-Klientensimulationen und der Arbeit mit Lilli in Interviews zeigt, wie McKinsey seine Auswahlverfahren an veränderte Anforderungen anpasst. Die Klientensimulation ist derzeit ein Pilot für bestimmte Einstiegspositionen in Nordamerika. Die Einbindung von Lilli in finalen Runden wird in den Quellen als „nicht-evaluativer Pilot“ beschrieben.

Es wird erwartet, dass diese Anwendungen künftig stärker in die Evaluation einfließen könnten. Zudem dürfte die Fähigkeit, effektiv mit KI zu interagieren und deren Output kritisch zu bewerten, im Auswahlprozess an Bedeutung gewinnen. Die Branche wird beobachten, wie sich diese Ansätze in der Praxis bewähren und welche Folgen sie für die Talentgewinnung haben.