Die Creator Economy, lange als Phänomen der Kultur- oder Marketingbranche betrachtet, etabliert sich zunehmend als formeller Wirtschaftssektor von politischer Relevanz. Ein Indikator dieser Professionalisierung ist die sogenannte „Producer Perspective“, die Kommunikations-, Planungs- und Problemlösungsfähigkeiten in den Vordergrund rückt.

Professionalisierung durch die „Producer Perspective“

Die „Producer Perspective“ konzentriert sich auf Fähigkeiten wie Kommunikation, Planung und Problemlösung. Für Produzenten und Content Creator gilt sie als essenzieller Weg in die professionelle Produktion. Dieser Ansatz fördert die Fähigkeit, Ziele zu definieren, Wege zur Zielerreichung zu erkunden und branchenspezifische Protokolle zu verstehen.

Amyliz Pera, Executive Producer bei Open Swim in New York, beschreibt den Einstieg in die Produktion prägnant. Du solltest Dir die Möglichkeit suchen, bei erfahrenen Produzenten als Freiwilliger oder Schatten mitzuwirken und gleichzeitig eigene Projekte mit kleinen Teams umzusetzen. Pera betont die Bedeutung von Soft Skills: „Einige der Soft Skills sind bei Weitem die wichtigsten.

Zum Beispiel ist das Verständnis von Prioritäten von größter Bedeutung, sodass Du in einem Moment, in dem schnelle Entscheidungen erforderlich sind, aussagekräftige Fragen stellen kannst, um Optionen zu bestimmen und abzuwägen.“

Pera bringt über 35 Jahre Erfahrung in der Unterhaltungs- und Werbeproduktion mit. Sie war 20 Jahre lang ein Schlüsselmitglied bei Twist und leitete deren Ostküsten-Zentrale. Zu ihren Kunden zählten Target, 3M, Apple, McDonald’s und der Ad Council.

Open Swim, gegründet mit Bradley J. Ross, ist kommerziell aktiv und beteiligt an der Produktion des Spielfilms „The Aftereffect“. Pera identifiziert virtuelle Produktion, Previsualisierung sowie KI-Workflows, insbesondere in der Postproduktion, als hilfreiche Bereiche.

Politische und wirtschaftliche Anerkennung

Die wachsende politische Aufmerksamkeit für die Creator Economy spiegelt sich in der Gründung des Senate Creators Caucus im US-Senat wider. Dieses überparteiliche Forum soll die Stimmen von Content Creatorn als Kleinunternehmer, Arbeitgeber, Kulturschaffende und politische Akteure berücksichtigen. Senatoren Cory Booker (D-NJ) und John Kennedy (R-LA) starteten den Caucus am 21. September 2026.

Senator Booker konstatierte die Entstehung eines neuen Wirtschaftssektors in den USA durch Creator. Senator Kennedy betonte die Rolle der Creator bei der Informationsvermittlung an die Weltbevölkerung. Er erklärte außerdem, dass die beste Unterstützung durch die Regierung darin bestehe, die Creator in ihrer Arbeit nicht zu behindern.

Parallel zu dieser politischen Anerkennung existieren wirtschaftliche Prognosen zur Größenordnung des Sektors. Studien und Analysen sehen das Potenzial, dass die Creator Economy bis zum Ende des Jahrzehnts ein Volumen von etwa einer Billion US-Dollar erreichen könnte. Ein Beispiel hierfür ist das Unternehmen Brave Wilderness von Mark Vins, das 16 Vollzeitmitarbeiter beschäftigt und über sechs Milliarden Videoaufrufe generiert hat.

YouTube signalisiert zudem, Creator als legitime Unternehmen anzuerkennen und sich am politischen Prozess zu deren Rechten und Verantwortlichkeiten zu beteiligen.

Etablierung als Medienimperien

Die Walt Disney Company lud 350 Top-Creator zu einem zweitägigen Event nach Burbank ein. Ziel war es, deren Entwicklung zu Marken und Medienunternehmen zu thematisieren. Die Veranstaltung fand am 17. und 18.

September 2026 im El Capitan Theater und auf dem Disney Studios Lot statt. Unter den teilnehmenden Creatorn waren Dhar Mann, Adam W, Sam Eckholm, Jenny Hoyos, Keith Habersberger und Zach Kornfeld (The Try Guys), Jordan Matter, Bobby Hundreds, Dude Perfect, Khloe Kardashian und Kris Jenner. Filme von Zach King und den Nicotra Brothers wurden im El Capitan Theater gezeigt.

Devin McGovern, ein Teilnehmer des Events, kommentierte die Professionalisierung: „Die Creator von heute sind nicht nur Blogger und Influencer oder eine einmalige Social-Media-Kampagne, sondern bauen echte Marken, Unternehmen und Medienimperien auf.“ Dana Walden und Josh D'Amaro, Führungskräfte von Disney, waren bei der Vorführung anwesend.

Im Independent-Filmsektor dokumentiert die Recherche das Projekt „FÜR IMMER 16 – FOREVER 16“ von Brezel Göring. Der Film, dessen Start für den 27. August 2026 angesetzt ist, basiert auf Auszügen aus dem unveröffentlichten Roman „Oh Oh Mythomanie“ der 2021 verstorbenen Françoise Cactus.

Göring, Mitgründer von Stereo Total, beschreibt seinen intuitiven und schnellen Drehprozess. Produzent Stephan Holl von Rapid Eye Movies begleitet das Projekt, dessen Drehbuch 50 Seiten umfasst.

Ausblick auf eine sich wandelnde Industrie

Die „Producer Perspective“ steht für eine Betonung von Produktionserfahrungen und technischen Fähigkeiten in der Creator Economy. Amyliz Pera nennt virtuelle Produktion, Previsualisierung und KI-Workflows in der Postproduktion als wichtige Zukunftsfelder. Die gleichzeitige politische Anerkennung durch Initiativen wie den Senate Creators Caucus und das Engagement großer Unternehmen wie Disney deuten darauf hin, dass Creators zunehmend in die breitere Medien- und Wirtschaftslandschaft integriert werden.

Die Entwicklung signalisiert eine fortgesetzte Etablierung dieser Akteure als eigenständige und relevante Größe in der globalen Ökonomie.