Meg Whitman krempelt Albertsons um: Technologie und Effizienz im Fokus

Der US-Lebensmittelhändler Albertsons hat seine Finanzprognosen zurückgezogen und eine umfassende Überprüfung von Strategie, Kostenstruktur, Abläufen und Markenportfolio angekündigt. Die Überprüfung folgt auf den Eintritt von Meg Whitman. Die ehemalige Chefin von eBay und Hewlett-Packard wurde im September 2026 zur Executive Chairwoman des Board of Directors ernannt.

Ihr Einfluss gilt als beschleunigender Faktor für die laufende Neuausrichtung.

Whitmans Ernennung signalisiert eine beschleunigte Transformation. Ziel ist es, Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität zu verbessern sowie mittelfristig Wachstum zu stabilisieren.

Ein Einzelhandelskonzern unter Druck

Albertsons betreibt rund 2.240 Filialen unter mehr als 20 bekannten Marken wie Safeway und Vons in 35 Bundesstaaten. Das Unternehmen berichtet von rückläufigen Umsätzen. Im zweiten Fiskalquartal lagen die Nettoumsätze bei 18,9 Milliarden US-Dollar. Die identischen Verkäufe fielen um 0,8 Prozent. Dies war der zweite quartalsweise Rückgang in Folge.

Für das Geschäftsjahr 2026 prognostizierte Albertsons in einer Juli-Aktualisierung einen Rückgang der gleichen Verkäufe um 0,5 bis 1,5 Prozent. Analysten wie Neil Saunders von GlobalData kritisieren die relativ hohen Preise und das Filialerlebnis. Hohe Lebensmittelinflation und die Zurückhaltung der Konsumenten verschärfen die Lage.

Albertsons verliert Marktanteile an Massenhändler wie Walmart und Costco sowie an Wettbewerber wie Kroger. Eine geplante Fusion mit Kroger war 2025 an Kartellbedenken gescheitert.

Whitmans Masterplan: Technologie als Wachstumsmotor

Meg Whitman soll die Unternehmensentwicklung beschleunigen, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Profitabilität verbessern. Dies soll unter anderem durch die Straffung der Abläufe und eine verstärkte Technologieintegration, einschließlich KI, geschehen. Auf einem Analysten-Call betonte Whitman: „Everything should be on the table. Dramatic improvement is needed now.“

Albertsons nennt Kostensenkungen, Preisanpassungen und Verbesserungen des Einkaufserlebnisses als Ziele der Überprüfung. Erste organisatorische Schritte wurden bereits vollzogen. Im Juli 2026 reorganisierte Albertsons seine elf operativen Regionen zu vier Regionen und zentralisierte Merchandising-Entscheidungen.

Whitman arbeitet eng mit CEO Susan Morris zusammen, die die Ergebnisse und die aktuelle Geschäftsentwicklung als unzufriedenstellend bezeichnete.

Der Ruf der Digitalisierung: Vom eBay-Pionier zum Lebensmittel-Strategen

Whitmans Erfahrung im Technologiesektor soll Albertsons bei der Digitalisierung helfen. Zwischen 2019 und 2021 stieg der digitale Umsatz von Albertsons um 263 Prozent. Whitmans frühere Erfolge umfassen das Wachstum von eBay von einem Jahresumsatz von etwa 30 Millionen auf über 8 Milliarden US-Dollar.

Sie leitete und restrukturierte zudem Hewlett-Packard, einschließlich der Aufspaltung in mehrere Einheiten. Die Unternehmensführung hebt diese Erfahrungen als relevante Kompetenzen für die aktuelle Phase hervor.

Im Februar 2026 berief Albertsons Brian Rice, einen früheren Technologiechef von McDonald’s, in den Aufsichtsrat. Damit soll die digitale und KI-Expertise gestärkt werden. Führungskräfte und Aufsichtsräte betonen Whitmans strategisches Urteilsvermögen und operative Disziplin als Gründe für ihre Rolle als Executive Chairwoman.

Offene Fragen und ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Überprüfung der Unternehmensstrategie soll im vierten Fiskalquartal, das im Februar 2027 endet, abgeschlossen sein. Dann will Albertsons neue Finanzziele und einen umfassenden Turnaround-Plan präsentieren. Teil der Prüfung ist, ob und in welchem Umfang das komplexe Markenportfolio gestrafft wird.

Whitman deutete an, dass Albertsons Marken „shed some brands through ‘potential strategic actions’“ shed könnte. Morris ergänzte, das Unternehmen werde sich aus „unterperformenden Bereichen“ zurückziehen.

Die Märkte reagierten verhalten positiv. Der Aktienkurs von Albertsons stieg nach den Ankündigungen um rund zwei Prozent, nachdem er im laufenden Jahr zuvor etwa 27 Prozent verloren hatte. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die angekündigten Maßnahmen – einschließlich verstärkter Technologie- und KI-Investitionen – die Verkäufe stabilisieren und die Profitabilität verbessern können.

Der Wettbewerb im US-Lebensmitteleinzelhandel konzentriert sich zunehmend nicht nur auf Preise, sondern auch auf digitale Kundenerlebnisse und operative Effizienz.