Mohamed Kande, der neue Global Chairman von PricewaterhouseCoopers (PwC), strukturiert die Führungsspitze des globalen Prüfungs- und Beratungsunternehmens neu. Die Umstellung tritt mit Kandes Amtsantritt am 1. Juli 2024 in Kraft. Sie reduziert die Befugnisse des Deutschland-Chefs Marc Billeb, so die vorliegenden Informationen.

Beobachter gehen davon aus, dass die Neuordnung den Einfluss von Führungskräften aus den USA und dem Vereinigten Königreich im globalen PwC-Netzwerk stärkt. Parallel dazu verringert sich die Rolle des deutschen Arms.

Kande setzt neue Akzente an der Spitze

Kande wurde im Oktober 2023 vom PwC-Vorstand zum Global Chairman gewählt. Er löst Bob Moritz ab, der nach zwei vierjährigen Amtszeiten ausscheidet. Kande ist der erste Afrikaner an der Spitze einer der „Big Four“-Audit- und Beratungsfirmen. Zugleich ist er der erste Consulting-Partner in dieser Position bei PwC.

Vor seiner Ernennung war Kande US & Global Advisory Leader bei PwC. Zudem leitete er die kombinierten Beratungsgeschäfte von PwC in den USA, Mexiko und Japan. Kande kam im August 2011 zu PwC im Zuge der Übernahme von PRTM Management Consultants. Dort war er Managing Partner für das Europa-, Mittlerer-Osten- und Südasien-Geschäft.

Lisa Sawicki, Vorsitzende des PwC Network Governance Board, kommentierte die Ernennung: „Mohamed ist eine von Purpose geleitete Führungspersönlichkeit mit umfassender multidisziplinärer Erfahrung. Er wird enorme Einblicke und Perspektiven in die Rolle des globalen Vorsitzenden einbringen. Er setzt sich für die Umsetzung unserer globalen Strategie, unseres multidisziplinären Arbeitsmodells und die enge Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitern, Klienten und Stakeholdern ein, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.

Mohameds globale Erfahrung, sein Engagement für Vielfalt und Inklusion sowie sein Verständnis für Spitzentechnologien machen ihn zum idealen Vorsitzenden, um PwC in die Zukunft zu führen.“

Deutschland im globalen Netzwerk: Einfluss schwindet

Die angekündigte Umstrukturierung unter Kandes Führung bedeutet für den deutschen PwC-Chef Marc Billeb eine Beschneidung seiner Befugnisse. Das globale Netzwerk von PwC vereint über 364.000 Menschen in einem Geflecht von Firmen in rund 137 bis 152 Ländern und Gebieten. Im Geschäftsjahr bis zum 30. Juni 2023 erzielte es einen Umsatz von 53,1 Milliarden US-Dollar.

Kande leitet ein integriertes Network Leadership Team, das dieses Netzwerk zentral steuert. Dies deuten die verfügbaren Informationen an. Dadurch soll der Einfluss des deutschen Arms von PwC reduziert werden. Der US-CEO Tim Ryan zog sich vor der Auswahl Kandes aus dem Rennen um den Global Chairman Posten zurück. Er galt als Favorit, weil die Rolle typischerweise an den Leiter der US-Firma ging.

KI und Fachkräftemangel prägen Kandes Agenda

Kande hat sich wiederholt zu Themen wie Künstlicher Intelligenz (KI) und Fachkräftemangel geäußert. Er prognostiziert, dass KI Unternehmen dazu führen werde, mehr Mitarbeiter einzustellen, nicht weniger. Die Technologie verleihe den Angestellten „Superkräfte“ und verändere Arbeitsplätze, anstatt sie notwendigerweise zu ersetzen.

PwC plant, die Einstellung von Berufseinsteigern in den USA in den nächsten drei Jahren um ein Drittel zu reduzieren. Gleichzeitig zeigen vorliegende Zahlen, dass seniorisierte, KI-exponierte Einstiegsstellen in den USA zwischen 2019 und 2025 um 35 Prozent wuchsen. Die Löhne in diesen Segmenten stiegen demnach um 24 Prozent.

Kande betont außerdem, dass KI nicht dafür gedacht sei, Strategieentscheidungen zu treffen. Sie könne lediglich informieren und den Informationsfluss beschleunigen. Menschliche Expertise und Urteilsvermögen blieben erforderlich. Im November erklärte Kande der BBC, das globale PwC-Netzwerk suche „Hunderte und Aberhunderte von Ingenieuren“. Er fügte hinzu: „Wir können sie einfach nicht finden.“

Zukunftsaussichten und globale Strategie

Kandes Amtsantritt am 1. Juli 2024 markiert einen Wechsel in der Führungsgestaltung von PwC. Die Neuorganisation der globalen Führungsstrukturen und die damit verbundene Reduzierung der Autonomie einzelner Landesgesellschaften, darunter der deutschen, deuten auf eine stärkere zentrale Steuerung hin.

Kandes Schwerpunkt auf Technologie und die Bewältigung des Fachkräftemangels könnte die strategische Ausrichtung von PwC in den kommenden Jahren beeinflussen. Beobachter werden insbesondere darauf achten, ob sich der geplante Rückgang der Einstellungen für Berufseinsteiger in den USA mit einer gleichzeitigen Integration von KI-Technologien und eventuellem Wachstum in anderen Bereichen des Unternehmens vereinbaren lässt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Neuausrichtung auf die Wettbewerbsfähigkeit von PwC im globalen Beratungsmarkt auswirken wird.