Der Drogerieunternehmer Erwin Müller stellt die Führungsstruktur seines Handelskonzerns neu auf. Der 94-jährige Konzerngründer ernennt Sascha Zahner, bislang Mitglied der Geschäftsleitung, zum zweiten Geschäftsführer der Müller Holding GmbH und Co. KG neben sich selbst.

Mit dieser Personalie endet eine knapp vierjährige Phase, in der Müller das Unternehmen nach dem Ausscheiden externer Führungskräfte als alleiniger Geschäftsführer führte. Der Schritt sichert nach Unternehmensangaben die operative Handlungsfähigkeit. Mit mehr als 950 Filialen in neun europäischen Ländern gehört die Müller-Gruppe zu den führenden Akteuren im deutschsprachigen Einzelhandel.

Ein Eigengewächs bricht mit früheren Nachfolge-Experimenten

Die Ernennung des 39-jährigen Zahner markiert einen Kurswechsel in der Nachfolgestrategie des Ulmer Handelsunternehmens. In der Vergangenheit holte Müller mehrfach externe Spitzenmanager an Bord. Im Jahr 2013 verpflichtete er Wolfgang Lux, ehemals Media-Saturn.

Im Jahr 2019 folgte Günther Helm, früherer Chef von Hofer (Aldi Österreich), als Geschäftsführer und designierter Nachfolger. Diese Zusammenarbeit endete 2022.

Zahner gilt demgegenüber als internes Eigengewächs. Seine Laufbahn bei Müller begann Anfang der 2000er-Jahre als Ferienjobber in der Logistik. Es folgten ein duales Studium im Unternehmen, Führungsaufgaben in der Steuerung der Logistikprozesse sowie die Leitung des Einkaufs für Nicht-Drogeriewaren.

Zahner kennt die internen Abläufe und die Unternehmenskultur seit mehr als zwei Jahrzehnten. Diese Vertrautheit gilt im Umfeld des Gründers, der den Konzern 1953 aus einem Friseursalon heraus aufbaute, als entscheidende Währung. Erwin Müller beabsichtigt nach Angaben des Unternehmens, sich in seinem 95. Lebensjahr verstärkt auf die wesentlichen unternehmerischen Entscheidungen zu fokussieren.

Zweistufiges Führungsmodell unter straffer Kontrolle

Trotz der Ernennung eines zweiten Geschäftsführers bleibt Müller die bestimmende Instanz. Die Führungsarchitektur folgt einem Zwei-Stufen-Modell, das im Frühjahr 2026 neu geordnet wurde. An der formalen Spitze stehen die Geschäftsführer Erwin Müller und Sascha Zahner.

Darunter steuert eine siebenköpfige Geschäftsleitung das operative Tagesgeschäft mit rund 35.500 Beschäftigten und etwa 850 Auszubildenden.

Eine zentrale Rolle nimmt überdies Elke Menold ein. Sie fungiert als Sprecherin der Geschäftsleitung und führt den Vorsitz der Müller-Privatstiftung, über die wesentliche Teile des Unternehmensvermögens gehalten werden. Menold arbeitet seit Jahren in obersten Führungsgremien des Konzerns und bildet das Bindeglied zwischen Inhaber und operativen Ressorts.

Zahner behält parallel zu seiner neuen Funktion den Sitz in der operativen Geschäftsleitung. Er verantwortet dort weiterhin Bereiche wie Marketing, Prozesssteuerung, Nachhaltigkeit und den Einkauf außerhalb der Kern-Drogeriewaren.

Dieses Konstrukt lässt Fragen zur tatsächlichen Machtbalance offen. Unklar bleibt, welche formellen Vetorechte und Zeichnungsbefugnisse Zahner im Innenverhältnis gegenüber dem Inhaber besitzt. Branchenbeobachter sehen in Müller weiterhin den Letztentscheider bei allen strategischen Weichenstellungen.

IT-Modernisierung und Margendruck fordern das Ergebnis

Der Führungsumbau fällt in eine Phase intensiver operativer Transformationen. Im jüngst abgeschlossenen Geschäftsjahr steigerte die Müller-Gruppe ihren Netto-Konzernumsatz um 3,8 Prozent auf 5,41 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) lag bei 191 Millionen Euro und damit nahezu auf Vorjahresniveau.

Belastungsfaktoren für die Rendite sind vorrangig Investitionen in Digitalisierung, neue Software durch die Umstellung auf SAP sowie in die Logistik. Der Konzern modernisiert seine IT-Infrastruktur und erweitert Automatisierung und Logistikkapazitäten, um das Sortiment von rund 190.000 Artikeln effizient in den Filialen sowie im Onlinehandel bereitzustellen.

Neben dem klassischen Drogeriegeschäft führt Müller Warengruppen wie Parfümerie, Spielwaren, Schreibwaren und Multimedia. Das Management forciert zudem Aktivitäten in Wachstumssegmenten wie dem Bereich Longevity.

Zugleich bleibt der Wettbewerb im Heimatmarkt Deutschland intensiv. Steigende Personal- und Energiekosten belasten die Handelsmargen der gesamten Branche spürbar.

Offene Fragen zur langfristigen Nachfolge

Die Beförderung von Sascha Zahner entlastet den Gründer operativ, löst die grundlegende Nachfolgefrage des Handelsriesen jedoch nur auf Zeit. Die Branchenpraxis zeigt, dass solche Konstellationen vorrangig eine Brücke bilden: Ein im Konzern sozialisierter Manager übernimmt juristische Mitverantwortung, während die Achse aus Gründer Müller und Stiftungsvorsitzender Menold die strategische Kontrolle sichert.

Offen bleibt, wie viel Gestaltungsraum Müller seinem Co-Geschäftsführer bei milliardenschweren Investitionsentscheidungen gewährt. Marktbeobachter richten ihr Augenmerk nun darauf, ob die Gruppe diesen Weg zu einer institutionalisierten, stiftungsbasierten Führung in den kommenden Monaten mit weiteren Kompetenzübertragungen untermauert.