Die Baumarktgruppe Obi erlebt einen Führungswechsel: Sebastian Gundel, seit dem 23. September 2022 CEO, verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Die Trennung erfolgte in gegenseitigem Einvernehmen. Finanzchef Miguel Müllenbach und Vertriebschef Jochen Ludwig übernehmen interimistisch die Leitung. Ein permanenter Nachfolger steht noch nicht fest; der Nachbesetzungsprozess ist eingeleitet.
Überraschender Abgang des digitalen Vordenkers
Sebastian Gundel trat seinen Posten als CEO der Obi Group Holding SE & Co. KGaA im September 2022 an. Zuvor war er als Chief Customer und Digital Officer sowie Country Manager Österreich bei Obi tätig.
Gundel gründete 2018 die Einheit „Obi next“ und forcierte die Verzahnung des stationären und digitalen Geschäfts. Das Unternehmen gibt an, er habe Obi in Richtung einer Plattform mit digitalen Services umgebaut.
Als Österreich-Chef verantwortete er Unternehmensangaben zufolge den Ausbau des Marktanteils und die Erhöhung des operativen Gewinns innerhalb von vier Jahren. Aufsichtsratschef Christian Haub lobte Gundel: „Sebastian Gundel hat mit großer Energie und klarem strategischem Blick entscheidende Impulse für Obi gesetzt.“ In unternehmensnahen Kreisen spekuliert man über einen möglichen Wechsel Gundels zu einem direkten Konkurrenten.
Strategische Ausrichtung und Marktentwicklungen
Der Führungswechsel fällt in eine Phase strategischer Neuausrichtungen und intensiven Wettbewerbs im deutschen Baumarktsegment. Unter Gundels Leitung hielt Obi seinen Umsatz in einem schrumpfenden Markt konstant und gewann Marktanteile in Deutschland, so das Unternehmen. Im Geschäftsjahr 2023 zog Bauhaus an Obi vorbei.
Gundel kommentierte dies gegenüber dem Handelsblatt als „Ansporn, uns nach vorne zu entwickeln“.
Christian Haub betont, der Wechsel an der Unternehmensspitze ändere nichts am strategischen Kurs. Obi setzt weiterhin auf die Kombination aus stationärem Handel und digitalen Angeboten. Gundel hatte die Bedeutung der Verzahnung von Online- und Offline-Kanälen mehrfach hervorgehoben.
Interne App-Daten zeigen laut Unternehmensangaben durchschnittliche Jahresausgaben von 250 Euro bei reinen Online-Kunden, 450 Euro bei reinen Stationär-Kunden und 1.000 Euro bei Kunden, die online und stationär einkaufen.
Obi verfügt über rund 350 Filialen in Deutschland und insgesamt etwa 640 Filialen in Europa. Das Unternehmen treibt die Expansion im Profi-Geschäft voran. Ziel ist, dass der Handel mit gewerblichen Kunden künftig 30 Prozent zum Gesamtumsatz beisteuert. Für den Ausbau des Profi-Geschäfts wurde unter anderem Joey Constantino vom US-Händler Home Depot verpflichtet.
Auch die Expansion des Filialnetzes erfolgt durch Übernahmen: 18 Märkte von Hagebau-Verbundpartnern wechselten ins Obi-Franchisesystem. Zudem übernahm Obi laut Unternehmensangaben 13 Märkte vom Handelskonzern Migros in der Schweiz. Weiterhin ist die Übernahme von bis zu zwölf Standorten des insolventen Konkurrenten Hellweg geplant.
Interimistische Führung und offene Fragen
Vorübergehend leiten Miguel Müllenbach und Jochen Ludwig das Unternehmen. Müllenbach ist Finanzchef von Obi. Er war zuvor CFO von Galeria Kaufhof und wechselte 2021 zu Obi. Eine Quelle beschrieb ihn als krisenerprobt. Jochen Ludwig ist Vertriebschef und gehört der Geschäftsführung an.
Gundels plötzlicher Abgang wirft Fragen zur weiteren Umsetzung der von ihm initiierten Strategien auf. Christian Haub betont, der strategische Kurs bleibe unverändert. Offen bleibt, ob der künftige CEO die von Gundel gesetzten digitalen Akzente fortführt.
Marktbeobachter richten ihren Blick auf die Personalentscheidung und mögliche Auswirkungen auf die Expansion im Profi-Segment sowie die weitere Digitalisierungsstrategie. Es bleibt unklar, wann und mit welcher Besetzung Obi die Führungsfrage klärt und wie sich Gundels berufliche Zukunft gestaltet.







