Interne Kritik an Palantir-Chef Alex Karp: Foundry-Vermarktung und die Glaubwürdigkeitsfrage

Palantir-CEO Alex Karp sieht sich intern mit Spannungen bezüglich der Vermarktungsstrategie seiner Software-Plattform Foundry konfrontiert. Ein Top-Manager forderte ihn auf, den Hype um Foundry zu drosseln. Laut dessen Aussage wirke Karps Darstellung auf Mitarbeiter „depressing“ und lasse ihn „out of touch“ erscheinen.

Die Debatte verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen Wachstumserwartungen und der Wahrung von Glaubwürdigkeit im Unternehmen.

Offener Austausch im Konzern

Ted Mabrey, der mittlerweile Palantirs kommerzielles Geschäft leitet, sprach Alex Karp direkt auf dessen Marketing-Rhetorik an. Mabreys Worte – „Please stop talking to Palantirians about how big Foundry is going to be. It’s depressing, and everybody knows you’re out of touch.” – führten nach Karps eigener Darstellung dazu, dass er sich rund sechs Monate lang bei öffentlichen Äußerungen über Foundry zurückhielt.

Karp selbst schilderte diesen Vorfall.

Foundry ist eine Plattform, die Unternehmensdaten an einem Ort zusammenführt und eine präzise Zugriffskontrolle ermöglicht. Die Plattform steht im Zentrum von Palantirs am schnellsten wachsendem Geschäftsbereich. Die interne Kritik fällt in eine Phase, in der Palantir im US-Kommerzgeschäft starke Zuwächse meldet.

Dieses Segment verzeichnete im zweiten Quartal ein Wachstum von 149 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichte 764 Millionen US-Dollar. Palantir hob zudem die Prognose für dieses Segment auf über 3,4 Milliarden US-Dollar für das Gesamtjahr an.

Karps Rolle als Meinungsführer

Alex Karp ist CEO und Mitgründer von Palantir. In Berichten wird seine direkte und gelegentlich „rüpelhafte“ Art beschrieben.

Er kritisierte in mehreren öffentlichen Auftritten und Schreiben die Datenpraktiken führender KI-Labore wie OpenAI und Anthropic. Karp warnt davor, dass Unternehmen die Kontrolle über Daten und geistiges Eigentum verlieren könnten, wenn sie die Modelle dieser Labore unkritisch übernehmen. In einem Investorenschreiben zum zweiten Quartal schrieb er, Organisationen müssten die Risiken erkennen, „den Schöpfern der Sprachmodelle die Schlüssel zu ihren Institutionen“ zu überlassen.

Diese Position fand Unterstützung von anderen Seiten. Microsoft-CEO Satya Nadella schrieb, technische Kunden wollten „control over their compute, their models, their data stack“, also die Produktionsmittel besitzen. Palantir positioniert seine Lösung wiederholt als „Real AI“ und betont messbare statt theoretische Ergebnisse.

Börsenbewertung und Analystenmeinungen

Die Palantir-Aktie stieg in den zwölf Monaten bis November 2025 um 267 Prozent. Das Unternehmen wird mit einem hohen Handelsmultiple bewertet. Im November 2025 lag ein Messwert bei rund dem 99-fachen der erwarteten Forward-Sales-Estimates, was deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt liegt.

Karp zeigt sich kritisch gegenüber Analysten und sagte, der Marktpreis sei „more accurate than the analyst price“. Der Investor Michael Burry setzte zeitweise auf fallende Palantir-Aktien. Karp bezeichnete dessen Kritik in einem Schlagabtausch als „batsh*t crazy“.

Ausblick auf Profitabilität und Marktakzeptanz

Palantir berichtete über 13 aufeinanderfolgende Quartale mit GAAP-Profitabilität. Weitere ausgewiesene Kennzahlen sind eine Rule-of-40 von 127 Prozent und eine Net-Dollar-Retention von 139 Prozent. Das Unternehmen schloss eine siebenjährige Partnerschaft mit Zeta Global, in deren Rahmen Zeta Foundry für seine Data Cloud nutzt.

Die Vereinbarung soll binnen etwa eines Jahres mehr als 100 Millionen US-Dollar Jahresumsatz generieren.

Unklar bleibt, wie Palantir seine interne und externe Kommunikation künftig gestaltet. Die Herausforderung besteht darin, die Ziele des Managements und die Erwartungen von Mitarbeitern und Kunden in Einklang zu bringen, während sich der Markt für KI- und Datenlösungen weiterentwickelt. Analysten werden beobachten, ob Palantir seine hohen Bewertungen durch nachhaltiges Wachstum und eine konsistente Strategie rechtfertigen kann.