Porsche strafft Managementebene um 40 Prozent
Porsche leitet eine umfassende Restrukturierung ein, um sich für die Transformation der Automobilindustrie zu rüsten. Im Zentrum dieser Strategie steht eine Reduktion der Management-Ebene um 40 Prozent. CEO Michael Leiters treibt diese Maßnahmen voran. Das Paket soll Porsche wettbewerbsfähiger, effizienter und widerstandsfähiger machen.
Umfassende Effizienzoffensive
Die Neuausrichtung ist Teil der übergeordneten Strategie „Sportwagenschmiede 35“. Neben der Straffung der Führungsebene plant Porsche, bis zum Jahr 2035 in Deutschland rund 8.900 bis 9.000 Stellen abzubauen. Dies entspricht fast einem Fünftel der Belegschaft.
Michael Leiters, seit dem 1. Januar 2026 CEO der Porsche AG, prüfte und forcierte die Strategie seit seinem Amtsantritt. Er betont, dass sich Porsche auf das Kerngeschäft konzentrieren muss, um die strategische Neuausrichtung zu ermöglichen.
Die Stellenstreichungen sollen sozialverträglich erfolgen und ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Vorgesehen sind natürliche Fluktuation, demografische Maßnahmen, erweiterte Altersteilzeitmodelle und freiwillige Abfindungsregelungen. Die Kürzungen konzentrieren sich auf Verwaltung, Management und Entwicklung in den deutschen Betrieben. Die Produktion soll weniger betroffen sein.
Insbesondere das Entwicklungszentrum Weissach, das etwa 5.200 Mitarbeiter beschäftigt, könnte von den Maßnahmen betroffen sein. Parallel zur Restrukturierung sind Investitionen von 2,1 Milliarden Euro bis 2035 in die Standorte Zuffenhausen und Weissach geplant.
Strategische Neuausrichtung unter Druck
Die Maßnahmen erfolgen vor dem Hintergrund eines herausfordernden Marktumfelds und einer erwarteten Eintrübung der Profitabilität. Porsche prognostiziert für 2025 einen Rückgang des Nettogewinns um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro. Andere Quellen nennen Alternativszenarien, etwa einen Rückgang auf rund 90 Millionen Euro. Der Umsatz soll 2025 um knapp 10 Prozent auf 36,3 Milliarden Euro sinken.
Die operative Marge im Automotive-Segment wird für 2025 mit 1,1 Prozent erwartet, nach 14,1 Prozent in 2024. Ein wesentlicher Faktor ist der Rückgang der Verkäufe in China. Die Lieferungen in der ersten Jahreshälfte 2026 sanken um 32 Prozent auf 14.501 Einheiten.
Leiters weist darauf hin, dass Porsche im Premium-Luxussegment operiert und weniger stark von China abhängig sei als andere Wettbewerber. Die Rückgänge seien dennoch spürbar. Die Lieferungen für 2025 werden mit rund 265.663 Fahrzeugen angegeben, gegenüber etwa 320.000 Einheiten 2023.
Um Kosten zu kontrollieren, plant Porsche zudem eine Reduzierung der jährlichen Produktionskapazität auf etwa 200.000 Fahrzeuge. Zuvor waren Kapazitäten für bis zu 400.000 Fahrzeuge vorgesehen. Leiters kommentierte dazu: „Porsche muss auch mit weniger Autos Geld verdienen.“
Auswirkungen auf Tochtergesellschaften und Kosten
Die Restrukturierungsmaßnahmen betreffen auch Tochtergesellschaften. Im Mai 2026 kündigte Porsche die Schließung von drei Unternehmen an: Cellforce Group (rund 50 Mitarbeiter), Porsche eBike Performance (etwa 360 Mitarbeiter) und Cetitec (60 Mitarbeiter in Deutschland, 30 in Kroatien). Leiters bezeichnete diese Einschnitte als schmerzhaft.
Die Kosten der Restrukturierung werden für die zweite Jahreshälfte 2026 auf 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt. Ein ähnlicher Betrag wird für 2027 erwartet. Diese Ausgaben sollen durch Rückstellungen und Einsparungen gegenfinanziert werden. Finanzvorstand Jochen Breckner sagte: „Wir sind überzeugt, dass diese Ausgaben sich bald auszahlen werden.“
Ausblick und offene Fragen
Der Vorstand bestätigte das sogenannte „Future Package“ im Juli 2026. Die Halbjahresergebnisse 2026 zeigten ein Betriebsergebniswachstum um 34 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Die operative Marge im Automotive-Segment verbesserte sich auf 7,8 Prozent, womit sie geringfügig oberhalb des für das Gesamtjahr genannten Zielkorridors von 5,5 bis 7,5 Prozent liegt.
Die detaillierte Vorstellung der Strategie „Sportwagenschmiede 35“ ist für einen Kapitalmarkttag im Oktober 2026 angekündigt. Unklar bleibt, wie sich Maßnahmen des VW-Konzerns insgesamt auf Porsche auswirken werden. Dies betrifft etwa gemeinsame Plattformen und Zulieferer.
Angaben zur Zahl zusätzlicher geplanter Jobkürzungen variieren zwischen Quellen. Auch Verhandlungen mit Betriebsräten über die konkrete Ausgestaltung des Restrukturierungsplans laufen weiterhin.







