Die französische Marketing-Software-Gruppe Positive sichert sich 106 Millionen Euro für ihre europäische Expansion. Das Unternehmen, ehemals Sarbacane, erhält diese Bankfinanzierung, um die Akquisitionsstrategie fortzusetzen und zum europäischen Branchenführer für souveräne Marketing-Software aufzusteigen. Die Fremdkapitalfinanzierung erfolgt zudem in einem Umfeld, in dem die Konsolidierungsaktivitäten im Sektor trotz Unsicherheiten durch Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz (KI) weiterhin ausgeprägt sind.

Positive, ein in Lille ansässiges Unternehmen, sichert sich 106 Millionen Euro, um seine Expansionspläne in Europa voranzutreiben. Die Finanzierung dient primär der Finanzierung weiterer Akquisitionen auf dem europäischen Markt für Marketing-Software.

Diese Fremdkapitalrunde involviert CIC als führende Bank sowie Arkéa, Crédit Agricole, Caisse d'Épargne Hauts de France und Banque Populaire du Nord. Sie erweitert ein bereits 2022 gesichertes, strukturiertes Finanzierungspaket von 75 Millionen Euro.

Konsolidierung im Zeichen der KI

Die aktuelle Finanzierungsrunde liegt im 91. Perzentil aller bisherigen Fremdkapitalrunden für Marketingunternehmen in Frankreich. Dies deutet auf einen weiterhin starken Konsolidierungsappetit hin, selbst in einem Marktumfeld, das durch schnelle Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz und die damit verbundenen Unsicherheiten geprägt ist.

Mathieu Tarnus, Gründer und CEO von Positive, erklärt hierzu: „Banken und Fonds haben uns mehr dazu befragt, wie sich SaaS-Unternehmen entwickeln werden. Mit dem Einfluss von KI ist es schwieriger, zehn Jahre vorauszuschauen.“ Kreditgeber hinterfragen demnach verstärkt die langfristigen Perspektiven von SaaS-Geschäftsmodellen.

Strategische Akquisitionen als Wachstumsmotor

Positive wurde 2001 als Sarbacane gegründet und wuchs bis 2017 organisch. Danach begann das Unternehmen, seine Strategie auf Akquisitionen auszurichten. Seither erfolgten nach Angaben des Unternehmens mehr als ein Dutzend Übernahmen in Frankreich und Deutschland.

Das Unternehmen zielt auf Kunden mit zehn bis 1.000 Mitarbeitern und bietet Dienstleistungen in den Bereichen SEO und GEO, Customer Engagement, Social Media sowie E-Mail-Signaturen an.

Tarnus formuliert die Ambition prägnant: „Unsere Ambition ist klar: positive zum europäischen Maßstab für souveräne Marketing-Software zu machen.“ Zur Akquisitionsstrategie fügt er hinzu: „Diese schwächeren Single-Country-Anbieter werden unweigerlich von einem Player wie uns aufgekauft werden.“

Finanzielle Ziele und Marktausblick

Aktuell erzielt Positive einen Umsatz von 70 Millionen Euro, der hauptsächlich wiederkehrend ist. Das Unternehmen peilt bis 2030 einen jährlichen wiederkehrenden Umsatz (Annual Recurring Revenue, ARR) von 200 Millionen Euro an. Die neue Finanzierung soll vorrangig für gezielte Zukäufe genutzt werden.

Investoren wie IDI (seit 2020) und EMZ (seit 2022) unterstützen das Unternehmen.

Positive plant, 2026 keine neuen Akquisitionen zu tätigen. Die Fälligkeit der 2022 gesicherten Finanzierungsfazilität liegt im Jahr 2029. Die genannten Umsatzziele bis 2030 sind eine wichtige Messgröße für die Entwicklung des Unternehmens in Europa und signalisieren die Erwartungen der Investoren an das Wachstum durch die Konsolidierungsstrategie.

Die weitere Marktentwicklung im Marketing-Software-Sektor, insbesondere die Integration von KI-Technologien und die Reaktion der Wettbewerber auf Positives Expansion, werden die Erfolgsaussichten maßgeblich beeinflussen.