Trotz einer hohen Affinität zu Künstlicher Intelligenz (KI) offenbart eine Studie der Sprachlernplattform Preply eine Lücke bei der Generation Z: 57 Prozent der jungen Arbeitnehmer geben an, Schwierigkeiten bei der praktischen Anwendung des Gelernten zu haben. Für die Preply-Umfrage wurden über 5.000 Berufstätige in neun Ländern befragt, die im vergangenen Jahr eine karrierebezogene Fähigkeit entwickeln wollten. Dieses Problem, dass erworbenes Wissen nicht immer in den Arbeitsalltag übertragen wird, stellt Arbeitgeber vor eine praktische Herausforderung.

Lernbegeisterung trifft auf Anwendungsschwäche

Die Generation Z, definiert als die Geburtsjahrgänge 1995 bis 2010, nutzt KI-Tools intensiv, insbesondere für Lernzwecke. Die Preply-Studie zeigt: 92 Prozent der Gen Z verwenden KI zum Lernen. Andere Erhebungen bestätigen dies: In der Schweiz bevorzugen 41 Prozent der Gen Z ChatGPT gegenüber Google für die Informationssuche, und knapp 21 Prozent nutzen KI-Tools ein bis zwei Stunden täglich.

In Österreich verwenden laut einer eigenen Erhebung 95 Prozent der Gen Z KI; rund 60 Prozent davon setzen ChatGPT mehrmals pro Woche ein.

Dieser hohen Nutzungsintensität steht eine Anwendungsschwäche gegenüber: 57 Prozent der Gen Z tun sich schwer, das Gelernte – unabhängig von der Lernmethode – praktisch umzusetzen. 71 Prozent berichten, viel Zeit mit Lernen zu verbringen, ohne sich zu verbessern. Zum Vergleich: Bei der Gen X (Alter 44 bis 59 Jahre) nennen 40 Prozent Probleme bei der praktischen Anwendung, und 56 Prozent fühlen sich, als würden sie lernen, ohne Fortschritte zu machen. Diese Zahlen verdeutlichen Unterschiede zwischen den Generationen.

Ambiguität und Unsicherheit im Umgang mit KI

Die Haltung der Gen Z zu KI ist ambivalent. In einer Erhebung äußern 35,1 Prozent Neugier und 22,8 Prozent Faszination. Zugleich geben 22,2 Prozent Verunsicherung und 14,6 Prozent die Sorge an, in einer KI-geprägten Welt nicht mithalten zu können. Eine weitere Studie zeigt, dass sich 39 Prozent der Gen Z sicher im Umgang mit KI-Technologien fühlen.

Untersuchungen der Technischen Hochschule Nürnberg unter Leitung von Professor Dr. Yasmin Weiß belegen: 59 Prozent bewerten ihr Grundverständnis von KI als gut. 28,4 Prozent stufen ihre Tool-Kompetenz als „ausbaufähig“ ein, und 13 Prozent fühlen sich unsicher. Lediglich 28 Prozent sagen, Schule, Universität oder Arbeitgeber hätten sie gut auf KI vorbereitet; 39 Prozent beurteilen die Vorbereitung als schlecht.

Diese ambivalente Wahrnehmung spiegelt sich auch im Vertrauen wider: Die Gallup-Studie „The AI Paradox“ (Frühjahr 2026) ergab, dass 69 Prozent der berufstätigen Gen Z Arbeitsergebnissen ohne KI-Beteiligung mehr vertrauen als solchen mit KI-Unterstützung. 28 Prozent vertrauen KI-gestützten Ergebnissen mehr. Ferner geben 42 Prozent an, KI schade dem kritischen Denken, und 38 Prozent sehen negative Effekte für die Kreativität.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und Unternehmensstrategien

Die Diskrepanz zwischen intensiver KI-Nutzung zum Lernen und Schwierigkeiten bei der praktischen Anwendung hat Folgen für Unternehmen. Arbeitgeber investieren in Weiterbildungsprogramme und Tools. Wenn das erworbene Wissen nicht effektiv in die Arbeit integriert wird, erschwert dies die Realisierung des Nutzens dieser Maßnahmen.

Preply-Vertreter betonen, dass Tools allein nicht ausreichen. Sie müssen durch Coaching und Unterstützung ergänzt werden, damit Mitarbeitende lernen, die Werkzeuge anzuwenden. Studien wie „State of AI in Business 2025“ weisen zudem darauf hin, dass die informelle Nutzung privater KI-Tools, etwa ChatGPT, die Messbarkeit des tatsächlichen Nutzens erschwert, da solche Nutzungen oft nicht offiziell erfasst werden.

Die Unsicherheit wirkt sich auch auf Karrierewahrnehmungen aus: 52 Prozent der 18- bis 27-jährigen Gen Z in Deutschland fühlen sich durch KI in ihrer Karriere bedroht. In den USA glauben 48 Prozent der berufstätigen Gen Z, dass die Risiken von KI im Berufsleben den Nutzen überwiegen – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Ausblick: Die Notwendigkeit integrierter Kompetenzentwicklung

Die vorliegenden Studien legen nahe, dass die intensive KI-Nutzung der Gen Z zwar Technologieoffenheit signalisiert, jedoch nicht automatisch eine hohe Anwendungskompetenz bedeutet. Für Unternehmen folgt daraus die Notwendigkeit, KI-Integration und Kompetenzentwicklung zu verbinden. Es reicht nicht aus, lediglich Zugang zu Tools zu schaffen.

Vielmehr bedarf es Maßnahmen, die kritische Reflexion, strategische Anwendung und die Übertragung des Gelernten in konkrete Arbeitsprozesse fördern.

Auch im Bildungsbereich wird diese Perspektive vertreten: Hochschulen stehen vor der Aufgabe, nicht mehr zu fragen, ob KI genutzt wird, sondern wie ihr Einsatz lernförderlich und verantwortungsvoll gestaltet werden kann. Expertinnen des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) fordern, KI-bezogene Kompetenzen systematisch curricular zu verankern. Dies schließt nicht nur technische Fertigkeiten ein, sondern auch einen kritisch-reflektierten und verantwortungsvollen Umgang.

Dasselbe gilt für die betriebliche Weiterbildung, wenn die Lücke zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung geschlossen werden soll.