KI-Modelle prägen zunehmend die Informationslandschaft für Konsumenten und Unternehmen. Ihre Fähigkeit, Produkte zu empfehlen oder Marken zu beschreiben, beeinflusst digitale Sichtbarkeit. Ein aktuelles Experiment der zypriotischen KI-Marketingplattform PromoGoat zeigt, welche Rolle klassische Digital Public Relations (PR) in dieser veränderten Realität spielen und wie Unternehmen die eigene Präsenz in generativen Suchmaschinen optimieren.

Die Herausforderung der KI-basierten Markenrepräsentation

PromoGoat, eine KI-Marketingplattform für kleine Unternehmen aus Zypern, stellte im Juli 2026 fest, dass große Sprachmodelle (LLMs) wie Claude das Unternehmen falsch darstellten. Statt als spezialisierte KI-Marketinglösung wurde PromoGoat als „a generic project and campaign management tool“ beschrieben. Gründer Andreas Anastasiades führt dies darauf zurück, dass den KI-Modellen autoritative Informationen in ihren Trainingsdaten fehlten.

Dieses Problem ist nicht isoliert. Rund ein Drittel der US-Verbraucher nutzen bereits KI-Assistenten zur Produktsuche. Fragt man bei ChatGPT nach Empfehlungen, liefert das Modell direkte Firmennamen und Vorschläge, statt wie traditionelle Suchmaschinen eine Liste von Links.

Für die Branche etablierte sich deshalb der Begriff „Generative Engine Optimisation“ (GEO). Dies beschreibt die Arbeit an der organischen Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten, also daran, dass die eigene Marke erwähnt, korrekt beschrieben und zitiert wird. Der Markt für Messwerkzeuge zur GEO-Sichtbarkeit entwickelt sich; ein führender Anbieter wurde 2026 mit einer Bewertung von einer Milliarde US-Dollar eingestuft.

Gartner prognostiziert zudem bis 2026 einen Rückgang des Suchvolumens um 25 Prozent.

Digital PR als Hebel für KI-Sichtbarkeit

PromoGoat testet in einem messbaren Experiment, ob Digital PR die Art und Weise beeinflussen kann, wie KI-Modelle das Unternehmen beschreiben. Ein Beitrag in Hackernoon ist Teil dieser PR-Strategie. Ziel ist es, den KI-Modellen über seriöse Quellen korrekte Informationen über PromoGoat zuzuführen, damit künftige Antworten die Marke genauer wiedergeben.

Die Notwendigkeit, Inhalte für KI-Systeme zu berücksichtigen, wird spätestens seit Studien und Stellungnahmen aus der Branche stärker wahrgenommen. Storyblok berichtete, dass 46 Prozent der Käuferreisen im November 2025 mit KI statt traditioneller Suche begannen. Dessen CEO Dominik Angerer fordert, weniger, aber bessere Inhalte zu produzieren und falsche Informationen zu löschen.

Google hat 2024 die AI Overviews eingeführt und 2025 mit dem AI Mode experimentiert. Liz Reid, Vice President of Search bei Google, bezeichnete die Integration von KI in die Suche als „the most significant upgrade of the Google Search experience ever“.

Die Rolle von Content-Quellen und die Reddit-Kontroverse

Die Qualität und Herkunft der Trainingsdaten sind entscheidend für die Genauigkeit von KI-Modellen. PromptWatch und Petra Labs beobachteten einen drastischen Rückgang der Reddit-Zitierungen in ChatGPT. Innerhalb von vier Tagen sank der Anteil von Reddit an den Zitierungen um mehr als 86 Prozent, von durchschnittlich 3,83 Prozent auf unter ein Prozent.

Bereits im September 2025 war Reddit in ChatGPT-Zitierungen von 14 auf zwei Prozent gefallen. Dieser frühere Rückgang fiel mit einem Rückgang des Reddit-Aktienkurses um etwa zehn Prozent zusammen.

Die Ursachen für den jüngsten Absturz sind nicht eindeutig. Als mögliche Erklärungen diskutiert man Verhandlungen über Datenlizenzen zwischen Reddit und OpenAI, Reddits eigene Maßnahmen gegen Spam und KI-generierten Inhalt oder das aggressive Agieren von Marketern auf Reddit. Digitalstrategen wie Jordan Stevens führen problematische Marketingtaktiken auf Reddit als einen Faktor an.

Der Vorfall zeigt, dass die Auswahl der Quellen durch KI-Modelle dynamisch ist und Unternehmen sich nicht auf einzelne Plattformen verlassen sollten. Eine breite, qualitativ hochwertige Präsenz über verschiedene Kanäle bleibt wichtig.

Der wirtschaftliche Einfluss von KI auf Traffic und Konversion

Der Wandel hin zu KI-gesteuerter Informationsbeschaffung hat wirtschaftliche Auswirkungen. Medienhäuser beklagen den „Zero-Click“-Effekt, bei dem KI-Antworten Traffic von ihren Websites abziehen. Schätzungen sprechen von Rückgängen der Click-Through-Raten für Nachrichten-Websites im Bereich von 34 bis 58 Prozent seit dem Aufkommen von KI-Chatbots.

Condé Nast verzeichnete nach einer Algorithmusänderung von Meta im Juni 2023 einen Rückgang des sozialen Traffics um ein Fünftel. Als Reaktion passte das Unternehmen die eigene Content-Strategie an. Allure reduzierte Themen, die häufig in AI Overviews erscheinen, und fokussiert stärker auf Markenbindung und direkte Leserbeziehungen.

In den USA übertraf der direkte Traffic für Condé Nast inzwischen die Suchanfragen.

Adobe-Daten zeigen Veränderungen im E-Commerce: Der KI-Traffic zu US-Einzelhandels-Websites stieg im Juli 2026 um 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr und seit Oktober 2024 um 1.219 Prozent. Laut Adobe konvertiert KI-Traffic 60 Prozent besser als Nicht-KI-Traffic. Engagement-Raten sind 14 Prozent höher, die Verweildauer 59 Prozent höher, Absprungraten 33 Prozent geringer, und KI-empfohlene Besucher legen Artikel zu 28 Prozent höherer Rate in den Warenkorb.

Im Juli 2026 lag die durchschnittliche Lesbarkeit von Homepages für LLMs bei 61 Prozent, was bedeutet, dass etwa 39 Prozent der Inhalte für LLMs nicht vollständig zugänglich waren.

Ein Beispiel für eine datenschutzorientierte Strategie kommt von IWG. Der Einsatz des Brave-Browsers und dessen Suchmaschine führte laut Fallstudie zu einem um 51 Prozent höheren ROI im Vergleich zu Microsoft. Die Conversion-Rate von Anfrage zu Deal lag bei zehn Prozent, 53 Prozent höher als bei Microsoft.

Loïc Blanchard, Head of Performance Marketing bei IWG, betont, dass datenschutzorientierte Browser eigene, hochwertige Zielgruppen erschließen.

Ausblick: Die Zukunft der Sichtbarkeit in generativen Welten

Das PromoGoat-Experiment steht für einen Wandel im Marketing: Markenrepräsentation betrifft zunehmend auch KI-Modelle. Unternehmen versuchen, hochwertige, autoritative Inhalte in relevanten Kanälen zu platzieren, um in KI-generierten Antworten korrekt genannt zu werden.

Der Markt reagiert: Keenable, ein Startup, das einen Web-Suchindex für KI-Agenten aufbaut, schloss eine Seed-Runde von 26 Millionen US-Dollar ab, angeführt von Accel. Gründer Andrey Styskin weist darauf hin, dass sich dadurch neue Mechanismen der Informationsbeschaffung ergeben. Keenable konzentriert sich darauf, Suchräume für spezifische Aufgaben schnell einzugrenzen, um die Kosten für das Scannen großer Datenmengen zu reduzieren.

Die Debatte über Googles Traffic-Statistiken – Publisher klagen über erhebliche Einbußen, Google spricht von relativer Stabilität – zeigt die anhaltende Unsicherheit in der Branche. Unternehmen benötigen daher vielschichtige Strategien. Beispiele wie Bottega Veneta, die 2021 die eigenen Social-Media-Accounts löschte und damit eine kontrollierte digitale Sichtbarkeit praktizierte, werden in diesem Zusammenhang diskutiert.

Die Resultate von PromoGoats Experiment könnten zeigen, wie direkt PR-Maßnahmen die Wahrnehmung von Marken durch KI beeinflussen.