ReBid integriert ChatGPT-Werbung in Marketing-Plattform: Kampf um den Agentic AI-Markt intensiviert sich

Das Marketingtechnologie-Unternehmen ReBid integriert ab sofort die Aktivierung und Analyse von ChatGPT-Werbung in seine Plattform. Werbetreibende verwalten damit ChatGPT-Anzeigen zentral neben Kampagnen auf bestehenden digitalen Kanälen wie Google, Meta, LinkedIn, X, Snapchat und DV360. Diese Integration erfolgt vor dem Hintergrund der schnellen Expansion von OpenAI im Werbegeschäft, das innerhalb weniger Monate einen annualisierten Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar erreicht hat.

OpenAIs rasantes Wachstum im Werbemarkt

OpenAI, der Entwickler von ChatGPT, forciert seine Werbeoffensive. Nach dem Start von Anzeigen-Tests im Februar und der Einführung eines Anzeigenmanagers im März, erzielte der Anzeigenpilot in den USA bereits im April einen annualisierten Umsatz von über 100 Millionen US-Dollar. Ende August überschritt der gesamte Anzeigenbereich von ChatGPT eine jährliche Run Rate von einer Milliarde US-Dollar, wie OpenAI mitteilte.

Parallel dazu erfolgte die Ausweitung des Selbstbedienungszugangs für den Anzeigenmanager auf über 40 Länder, darunter Indien, Europa sowie der Nahe Osten und Nordafrika. Rajiv Dingra, Gründer und CEO von ReBid, kommentiert die Entwicklung: „KI verändert grundlegend, wie Konsumenten Informationen entdecken, Marken bewerten und Entscheidungen treffen.“ Er ergänzt, KI werde zu einer weiteren Schnittstelle zwischen Konsumenten und Marken.

Diese Perspektive stimmt mit den Aussagen von OpenAI-Vertretern überein, welche ChatGPT als neuen Werbekanal hervorheben.

Dave Dugan, VP of Global Ad Solutions bei OpenAI, sagte: „Wir stehen am Anfang eines neuen Kapitels für Werbung, wobei KI völlig neue Wege für Unternehmen und Menschen schafft, einander zu entdecken.“ Analysten wie Nate Elliot von eMarketer äußern zugleich Skepsis. Elliot bezeichnete die Ankündigung des annualisierten Umsatzes von einer Milliarde US-Dollar als „unglaublich beeindruckend und furchtbar enttäuschend“.

OpenAIs Ziel für den Werbeumsatz im Jahr 2026 liegt bei 2,3 Milliarden US-Dollar. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste der monatliche Umsatz im restlichen Jahr stark beschleunigt werden. Elliot weist darauf hin, dass OpenAI angesichts seiner hohen Burn Rate, eines bevorstehenden Börsengangs und aggressiver Werbeumsatzziele unter Zeitdruck stehen könnte.

Der Aufstieg der Agentic AI

ReBid bewirbt seine Plattform mit einem „Platform + People + Agentic AI“-Ansatz. Die KI-Schicht verknüpft Kampagnendaten, Leistungssignale und kanalübergreifende Informationen, um Performance-Trends und Optimierungsmöglichkeiten zu identifizieren. „Agentic AI“ bedeutet in verschiedenen Unternehmen, dass KI-Systeme Aufgaben übernehmen oder komplexe Prozesse orchestrieren, die zuvor manuelle Schritte erforderten.

Dieser Trend zeigt sich auch bei anderen Akteuren. Adobe integriert seine Tools wie Firefly, Express und Photoshop in Slack, wobei ein Slackbot die Steuerung übernimmt. Deepti Pradeep, Senior Director für Agentic AI bei Adobe, sagt: „In Fokusgruppen sprachen die Leute sehr deutlich über den Wert, den sie aus dieser Erfahrung ziehen: Zeitersparnis, schneller zum gewünschten Ergebnis gelangen, ohne jeden Schritt mikromanagen zu müssen, und die Möglichkeit, Adobe überall dort zu nutzen, wo sie bereits arbeiten.“

Auch Wettbewerber wie Anthropic, Google mit Gemini und X mit Grok entwickeln eigene Agentic-Fähigkeiten. Anthropic veröffentlichte „Building Commerce Agents with Claude“. Einzelhändler, die Anthropic-Shopping-Agents einsetzten, verzeichneten in den berichteten Fällen eine 35-prozentige Steigerung des Auftragswerts und eine 60-prozentige Verbesserung der Konversionsrate.

Die Anwendung von Agentic AI reicht über das Marketing hinaus. Der Versicherer IAG integriert KI in seinen HR-Service. Der neue Service zeigte im ersten Monat eine durchschnittliche Ablenkungsrate von 67 Prozent, verglichen mit 30 Prozent beim älteren Chatbot.

Ziel ist es, die Rate auf rund 80 Prozent zu stabilisieren. Das Technologieberatungsunternehmen Kerckhoffs Ltd. startet ein Pilotprojekt in Sunderland, den „Sunderland AI Buddy Recruitment Pilot“, um mit „AI Buddies“ den digitalen Fachkräftemangel anzugehen.

Ausblick: Ein umkämpfter Zukunftsmarkt

Die Entwicklung und Integration von Agentic AI durch Unternehmen wie ReBid verdeutlicht Veränderungen im digitalen Marketing. Ob Funktionen, die komplexe Kampagnen über diverse Kanäle mittels KI-Agenten steuern und optimieren, einen Wettbewerbsvorteil bringen, hängt von ihrer Effizienz und dem Return on Investment ab.

OpenAIs Umsatzziele und die rasche Expansion unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung dieses Wandels. Analysten werden beobachten, ob OpenAI die Erwartungen erfüllt und Marktanteile gegenüber etablierten Werbeplattformen wie Google und Meta ausbauen kann. Gleichzeitig positionieren sich weitere Akteure im Bereich der Agentic AI.

Die Effizienz und der Return on Investment der neuen, KI-gesteuerten Werbeformen werden entscheidend für die Adaption durch Werbetreibende sein.