In der US-Bundesregierung verschärfen sich die Spannungen um die Rückkehrpflicht ins Büro. Unter Präsident Donald Trump treibt das Office of Personnel Management (OPM) unter Direktor Scott Kupor die Durchsetzung einer Rückkehr zur Präsenzarbeit voran. Die Regierung begründet die Maßnahmen mit dem Ziel, Produktivität und Überwachung zu verbessern.

Berichte und Umfragen weisen zugleich auf Kündigungen und sinkende Moral in einzelnen Behörden hin.

Der Kampf um die Präsenzpflicht

Unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Januar 2025 führte Präsident Trump eine strenge Rückkehrpflicht ins Büro für Bundesangestellte ein. Ein Dekret des Weißen Hauses wies Behörden am ersten Amtstag an, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um Telearbeitsvereinbarungen zu beenden und Mitarbeiter auf Vollzeitbasis an ihre jeweiligen Dienststellen zurückkehren zu lassen. Ausnahmen lagen im Ermessen der Behördenleiter.

Das OPM ist ein Haupttreiber dieser Agenda.

Scott Kupor, der im Juli 2025 die Leitung des OPM übernahm, argumentiert öffentlich, dass selbst für remote-geeignete Tätigkeiten die Produktivität durch Ablenkungen zu Hause beeinträchtigt werden kann. Zudem sei die Überwachung einer großen, weitgehend dezentralen Bundesbelegschaft schwierig. Kupor war zuvor mehrere Jahre Managing Partner bei Andreessen Horowitz und gehörte 2009 zu den ersten Einstellungen des Unternehmens.

Seine Position legte er in einem Blogbeitrag vom Januar 2026 mit dem Titel „Why Showing Up Counts“ dar.

Bereits im Januar 2025 sandte der kommissarische OPM-Direktor Charles Ezell eine E‑Mail an Mitarbeiter. Darin stand, dass OPM-Angestellte ab dem 3. März 2025 wieder vollumfänglich vor Ort arbeiten sollten.

Dies galt auch für Mitarbeiter, deren Telearbeitsvereinbarung innerhalb von 50 Meilen (ca. 80 km) einer Behördeneinrichtung lag. Zwischen Januar und Oktober 2025 sanken die Vollzeit-Telearbeits- und Remote-Arbeitsstunden in der gesamten Bundesverwaltung um über 75 Prozent.

Massive Unzufriedenheit und Kündigungswellen

Die Rückkehrpflicht stößt bei vielen Bundesangestellten auf Widerstand. Eine Umfrage des Federal News Network aus dem Jahr 2026 unter 7.463 Bundesbediensteten ergab, dass über 53 Prozent ihr gesamtes Arbeitserlebnis nach der Rückkehr ins Büro als „sehr negativ“ bewerteten. Weitere 30 Prozent nannten es „eher negativ“.

Fast 93 Prozent gaben an, ihre Work-Life-Balance habe sich seit der Rückkehr zur Präsenzarbeit „viel schlechter“ oder „eher schlechter“ entwickelt. Etwa 17 Prozent empfanden die Erfahrung als „eher oder sehr positiv“. Rund 10 Prozent waren neutral oder unsicher.

Ein Umfrageteilnehmer sagte, die Regelung habe viele Kündigungen verursacht, weil sie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erschwert.

Diese Unzufriedenheit spiegelt sich in Personalabgängen in mehreren Behörden wider. Das Office of the U.S. Trade Representative (USTR) hat den niedrigsten Personalstand seit rund zwei Jahrzehnten erreicht. Die Mitarbeiterzahl ist dort um etwa ein Fünftel geschrumpft. Ein anonymer USTR-Beamter warnte, dass die hohe Arbeitsgeschwindigkeit bei Personalmangel zu Qualitätsverlusten führen kann.

Die Food and Drug Administration (FDA) verlor im vergangenen Jahr laut Berichten über 3.000 Mitarbeiter, darunter Abteilungsleiter. Interne Berichte und Berichterstattung sprechen zudem von sinkender Moral. Im West Wing des Weißen Hauses kam es jüngst zu Abgängen von mindestens vier Mitarbeitern, darunter Pressesprecherin Karoline Leavitt.

Medienberichte führen die Abgänge auf „exzentrisches Verhalten“ von Präsident Trump und hohe Arbeitsbelastung zurück.

Dezentralisierung als verdeckter Personalabbau

Parallel zur Rückkehrpflicht kündigte die Regierung Reorganisationen und Standortverlagerungen an. Kritiker interpretieren diese als verdeckten Personalabbau. Ein Beispiel ist das US-Landwirtschaftsministerium (USDA). Im Juli 2025 gab das USDA eine Reorganisation bekannt, die Verlagerungen von Arbeitsplätzen vorsieht.

Laura Dodson, Vizepräsidentin der American Federation of Government Employees Local 3403 und Ökonomin im Economic Research Service (ERS) des USDA, befürchtet, dass bis zu 80 Prozent ihrer Kollegen kündigen könnten, nachdem ihre Stellen nach Kansas City, Missouri, verlegt wurden. Eine Umfrage der Local 3403 ergab, dass nur sechs Prozent der Befragten umziehen würden. 25 Prozent waren unsicher. Eine frühere Verlagerung im Jahr 2019 hatte bereits dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der Mitarbeiter von ERS und einem weiteren Institut das USDA verließ.

Das hatte Auswirkungen auf die Produktion von Berichten und die Bearbeitung von Zuschüssen.

Chearice Vaughn, Präsidentin von AFSCME Local 3870, berichtet, dass etwa zwei Drittel der 45 betroffenen Gewerkschaftsmitarbeiter ihrer Abteilung im USDA, die von Washington D.C. nach Dallas umziehen sollen, aus persönlichen Gründen wahrscheinlich nicht mitziehen werden. Dazu gehören Autismus-Behandlung eines Kindes, Sorgerechtsvereinbarungen oder Pflege älterer Angehöriger. Gewerkschaften und die Anwaltsgruppe Democracy Forward betrachten die USDA-Reorganisation als „verdeckten Stellenabbau“ (RIF) und fechten sie gerichtlich an.

Angriffe auf Kontrollinstanzen und Unabhängigkeit

Die Kontroverse betrifft auch die Aufsichtsinstitutionen. Die Kompetenzen des Merit Systems Protection Board (MSPB), einer unabhängigen Aufsichtsbehörde für den öffentlichen Dienst, wurden durch die Übertragung bestimmter Berufungen an das OPM eingeschränkt. Kritiker, darunter der auf Bundesbeschäftigung spezialisierte Anwalt Michael Fallings, befürchten, dass die Maßnahme die Unabhängigkeit der Entscheidungen gefährdet.

Dies liegt daran, dass das OPM Teil der Exekutive ist. Fallings sagte, wenn dies so weitergehe, werde das MSPB aufhören, zu funktionieren. Raymond Limon, ein von Biden ernannter ehemaliger MSPB-Beauftragter, verglich die Situation mit „dem Fuchs, der den Hühnerstall bewacht“.

Die demokratische MSPB-Beauftragte und Vorsitzende Cathy Harris wurde im Februar 2025 von Präsident Trump abgesetzt. OPM-Direktor Kupor betont hingegen, die Änderungen zielen nicht darauf ab, die unabhängige Prüfung zu untergraben. Er sagte, er wolle „etwas schaffen, das funktioniert“ und eine echte Unabhängigkeit und faire Anhörung ermöglichen.

In einem medialen Zwischenfall sagte Kupor, er habe ein Video von zu Hause vor einer leeren Wand aufgenommen, „um etwas zu finden, das nicht als mein Haus erkennbar war“. Das OPM-Kommunikationsteam erklärte später, Kupor habe an diesem Tag freigehabt und arbeite „rund um die Uhr“.

Ausblick auf eine angespannte Bundesverwaltung

Die Kombination aus strenger Rückkehrpflicht und Reorganisationen führt laut Berichten zu Reibungen bei Beschäftigten und zu Debatten über Funktionsfähigkeit und Unabhängigkeit von Behörden. Der Personalabgang in spezialisierten Bereichen wie dem USTR und der FDA könnte nach Einschätzung von Beobachtern die Effektivität der Regierungstätigkeit belasten und zu einem Verlust an institutionellem Wissen führen. Analysten werden verfolgen, ob die Regierungsvorbringen, mit denen Produktivität und Effizienz begründet werden, sich in messbaren Ergebnissen zeigen oder ob Widerstand und Personalabgänge die Verwaltung weiter belasten.

Gewerkschaften und Anwaltsgruppen haben bereits rechtliche Schritte gegen einzelne Umstrukturierungen eingeleitet. Diese Verfahren können einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor für betroffene Beschäftigte darstellen und die Entwicklung in den kommenden Monaten prägen.