Sparkassen-Vorstände zählen weiterhin zu den Top-Verdienern im öffentlichen Sektor und verzeichnen überdurchschnittliche Gehaltssteigerungen. Eine aktuelle Studie der Zeppelin-Universität, erstellt gemeinsam mit LAB & Company, zeigt: Die Gesamtvergütung der Sparkassen-Führungskräfte liegt branchenübergreifend auffällig hoch – selbst im Vergleich zu großen Energieversorgern und Stadtwerken. Diese Entwicklung entfacht erneut eine Debatte über Transparenz und Angemessenheit der Bezüge bei den öffentlich beauftragten Instituten.

Deutliche Gehaltszuwächse an der Spitze

Im Berichtsjahr 2024 erreicht der Median-Gesamtverdienst von Sparkassen-Vorständen 439.000 Euro. Die Bezüge der Sparkassen-Spitze stiegen in diesem Zeitraum um 5,3 Prozent. Branchenübergreifend lag die Gehaltsentwicklung hingegen bei 4,1 Prozent, was eine Differenz von 1,2 Prozentpunkten bedeutet. Im Jahr 2023 betrug der Median-Verdienst noch 402.000 Euro.

Der durchschnittliche Gesamtverdienst von Sparkassen-Vorständen ist damit mehr als doppelt so hoch wie jener in anderen kommunalen Unternehmen, ausgenommen Sparkassen und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. Bei diesen anderen kommunalen Unternehmen lag der Median 2023 bei 172.000 Euro.

Professor Ulf Papenfuß von der Zeppelin-Universität, Co-Autor der Public-Pay-Studie, bewertet die Vergütung von Sparkassen-Vorständen im Branchenvergleich als auffällig hoch. Dies gelte auch im Vergleich zu großen Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerken. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) weist diese branchenübergreifenden Vergleiche zurück.

Der Verband spricht von einem „Äpfel mit Birnen“-Vergleich und verweist auf Marktstandards sowie den Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte innerhalb der Kreditwirtschaft.

Millionenbezüge und Institutionsgröße

Die Höhe der Vergütung korreliert mit der Größe des jeweiligen Instituts. Bei kleineren Sparkassen mit weniger als rund 226 Beschäftigten erreicht der Median-Verdienst eines Vorstands 294.000 Euro im Jahr 2023. Führungskräfte großer Sparkassen mit mehr als rund 678 Mitarbeitern erzielen hingegen einen Median von 547.000 Euro im selben Jahr.

Top-Manager in Metropolen wie Hamburg, München und Köln verdienen durchschnittlich über 683.000 Euro jährlich. Die Anzahl der „Vergütungsmillionäre“ – Vorstände mit einer jährlichen Vergütung von einer Million Euro oder mehr – ist 2024 gesunken. Die Public-Pay-Studie zeigt, dass 55 Vorstände bei den 85 größten Sparkassen im Jahr 2024 siebenstellig verdienten.

Im Vorjahr waren es bei den 80 größten Sparkassen noch 91 Vorstände.

Ein Teil dieser siebenstelligen Zahlungen lässt sich durch Zuführungen zu Pensionsrückstellungen erklären. Bei einzelnen Instituten, etwa der Sparkasse Reutlingen, machten Zuführungen zu Pensionsrückstellungen 62 Prozent der siebenstelligen Gesamtvergütung aus.

Kritik an Transparenz und neue Pensionsmodelle

Die Transparenz bei den Sparkassen bleibt begrenzt. Nur etwa jede dritte Sparkasse veröffentlicht die Vergütung ihrer Vorstände. Der Anteil der Vorstände, deren persönliches Gehalt offengelegt wird, liegt bei 32,8 Prozent bei Sparkassen. Im kommunalen Durchschnitt liegt dieser Wert bei 19,6 Prozent. Bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beträgt die Offenlegungsquote hingegen 100 Prozent.

Professor Ulf Papenfuß kritisiert die fehlende Vergleichbarkeit und fordert einheitliche Veröffentlichungspflichten für alle öffentlichen Unternehmen, einschließlich der Altersversorgungen.

Im Bereich der Altersvorsorge zeichnet sich eine Entwicklung hin zu beitragsorientierten Zusagen ab. Viele Regionalverbände empfehlen, bei neuen Vorstandsverträgen auf Direktzusagen zu verzichten. Die Verbände im Rheinland und Westfalen-Lippe raten seit 2017 zur Zahlung eines „Beitrags zur Finanzierung eines Alterseinkommens“ anstelle von Direktzusagen, außer in begründeten Ausnahmefällen.

Das Finanzministerium Thüringen empfiehlt seit 2021 eine beitragsorientierte Leistungszusage in einer Unterstützungskasse.

Konkrete Umsetzungen sind bereits erkennbar. Die Kreissparkasse Köln zahlt neuen Vorständen seit 2017 keine Versorgungszusage mehr. Stattdessen erhalten sie eine feste Zulage von bis zu 35 Prozent des Jahresfestgehalts für die eigenständige Altersvorsorge.

Nach Angaben der Studie sank die Zahl der Vergütungsmillionäre dort von drei im Jahr 2023 auf einen im Jahr 2024. Auch die Stadtsparkasse Düsseldorf verzeichnete 2024 keinen Vergütungsmillionär mehr im Vorstand.

Ausblick auf Regulierung und Marktentwicklung

Die Diskrepanz zwischen den Einkommen der Sparkassen-Vorstände und den Gehältern in anderen öffentlichen Unternehmen bleibt ein zentraler Kritikpunkt. Während der DSGV die Wettbewerbsfähigkeit um Talente betont, fordern Kritiker wie Gerhard Schick von Finanzwende eine Korrektur der Bezüge nach unten.

Für die kommenden Jahre bleibt abzuwarten, in welchem Umfang die Sparkassen die Empfehlungen zur Altersvorsorge flächendeckend umsetzen. Ebenso wird sich zeigen, ob der Trend zu weniger Vergütungsmillionären anhält. Die Public-Pay-Studie der Zeppelin-Universität wird diese Entwicklungen in künftigen Berichten weiterhin analysieren und begleiten.