Der bundesweite Bruttomedianlohn für Vollzeitbeschäftigte in Deutschland liegt im Jahr 2026 bei 53.900 Euro. Das zeigt der neue Stepstone Gehaltsreport, für den die Stepstone Group 1.326.157 Gehaltsdaten aus dem Zeitraum von Januar 2022 bis November 2025 ausgewertet hat. Die Erhebung fällt in eine Phase, in der die anstehende Umsetzung der europäischen Entgelttransparenzrichtlinie Unternehmen zu standardisierten Vergütungsbändern verpflichtet.
Während das arithmetische Mittel durch Spitzengehälter verzerrt bei 59.100 Euro liegt, markiert der Medianwert von 53.900 Euro die exakte Mitte der Einkommensverteilung. Zum Vergleich weist das Statistische Bundesamt einen Median von rund 52.200 Euro aus. Für die Ausgabe 2026 nutzt Stepstone erstmals die Klassifikation der Berufe der Bundesagentur für Arbeit.
Ein direkter methodischer Vergleich zu früheren Erhebungen ist dadurch nur eingeschränkt möglich.
Finanzsektor und Hightech dominieren das Branchenranking
An der Spitze der Gehaltstabelle behauptet sich die Banken- und Finanzbranche. Mit einem Mediangehalt von 70.250 Euro liegen die Vergütungen dort rund 30 Prozent über dem Bundesmedian. Dicht dahinter folgen die Luft- und Raumfahrtindustrie mit 68.000 Euro, die Versicherungswirtschaft mit 66.500 Euro sowie die Pharmaindustrie und die Forschung mit jeweils 66.250 Euro im Median.
Am unteren Ende der Skala rangieren konsumnahe Dienstleister und traditionelle Handwerksbranchen. Im Bereich Hotel, Gastronomie und Catering beträgt der Median 45.500 Euro. In der Land- und Forstwirtschaft liegt er bei 47.250 Euro, während das Handwerk sowie die Touristik- und Sportbranche jeweils 49.750 Euro erreichen. Der Transport- und Logistiksektor verzeichnet 50.000 Euro.
Bei der Betrachtung einzelner Berufsgruppen verzeichnet die Humanmedizin das höchste Einkommensniveau. Ärztinnen und Ärzte erzielen ein Bruttomediangehalt von 105.500 Euro. Pflege- und Gesundheitsberufe insgesamt liegen im Median bei 53.000 Euro.
Innerhalb dieses Segments erreichen Fachkräfte in der Krankenpflege, im Rettungsdienst und in der Geburtshilfe 58.000 Euro, während die Altenpflege auf 52.250 Euro kommt.
Auffallend hoch fallen die Einkommen in digitalen Schlüsseldisziplinen aus. IT-Fachkräfte erzielen ein Mediangehalt von 66.750 Euro. Spezialisten für Künstliche Intelligenz kommen laut Daten der Bundesagentur für Arbeit auf 77.800 Euro, wobei das obere Quartil Gehälter von mehr als 89.400 Euro verzeichnet.
Positionen in der IT-Sicherheit erreichen laut Personalberater Robert Half regelmäßig sechsstellige Niveaus.
Bildungsrendite, Konzernprämie und sinkende Lohnlücke
Beschäftigte mit Hochschulabschluss erzielen ein Mediangehalt von 68.250 Euro, während Fachkräfte ohne akademischen Grad im Median bei 51.200 Euro liegen. Im Finanzsektor fällt diese Bildungsrendite besonders hoch aus. Dort beträgt der Median für Hochschulabsolventen 72.750 Euro gegenüber 54.000 Euro für Nicht-Akademiker.
Parallel dazu treiben Führungsverantwortung und Unternehmensgröße die Vergütung. Führungskräfte verdienen bundesweit im Median 62.000 Euro, Beschäftigte ohne Personalverantwortung 51.300 Euro. Konzerne mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden zahlen einen Median von 63.000 Euro.
Mittelständler mit 501 bis 5.000 Beschäftigten bieten 59.750 Euro, Unternehmen mit 51 bis 500 Mitarbeitenden 54.100 Euro und Betriebe mit bis zu 50 Angestellten 48.800 Euro.
Zudem honoriert der Markt Berufserfahrung kontinuierlich. Die Mediangehälter steigen von 46.250 Euro im ersten Berufsjahr auf 55.500 Euro nach sechs Jahren und erreichen nach mehr als 25 Jahren rund 60.000 Euro.
Der unbereinigte Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen sinkt bundesweit auf 9,7 Prozent (55.900 Euro bei Männern gegenüber 50.500 Euro bei Frauen) und liegt damit erstmals im einstelligen Bereich. Bereinigt um Position, Qualifikation und Branche verbleibt eine Lücke von 4,8 Prozent. Branchenweit weist der Finanzsektor mit 17,6 Prozent die größte unbereinigte Differenz auf.
Im Gesundheitssektor beträgt die unbereinigte Lücke 9,3 Prozent und die bereinigte Differenz 4,4 Prozent.
Persistierende Kluft zwischen Metropolen und Ostdeutschland
Regional verfestigen sich die Unterschiede zwischen den Wirtschaftsräumen. In Westdeutschland liegt der Median bei 56.250 Euro, in Ostdeutschland ohne Berlin bei 48.750 Euro. Je nach Bezugsbasis entspricht dies einem Gefälle von rund 13 bis 15 Prozent.
Im Bundesländervergleich führt Hamburg mit einem Median von 60.000 Euro die Rangliste an, gefolgt von Baden-Württemberg mit 58.500 Euro, Hessen mit 58.250 Euro und Bayern mit 57.750 Euro. Am Ende der Tabelle stehen Thüringen mit 48.500 Euro, Sachsen-Anhalt mit 48.250 Euro und Mecklenburg-Vorpommern mit 47.750 Euro. Bei den Städten behauptet München mit 64.750 Euro die Spitzenposition, knapp vor Frankfurt am Main mit 64.000 Euro und Hamburg mit 60.000 Euro.
Ostdeutsche Großstädte bleiben spürbar hinter den westlichen Zentren zurück. Leipzig verzeichnet einen Median von 51.250 Euro, Dresden erreicht 51.000 Euro und Chemnitz stagniert bei 48.500 Euro.
Regulatorischer Transparenzdruck trifft auf nachlassende Dynamik
Gleichzeitig verliert das Lohnwachstum spürbar an Dynamik. Nach Berechnungen der Personalberatung Kienbaum lag das Gehaltsplus 2025 bei 2,9 Prozent und dürfte 2026 rund 3,1 Prozent erreichen. Diese Zuwächse liegen deutlich unter früheren Raten von bis zu fünf Prozent.
Die Zufriedenheit der Angestellten mit dem eigenen Gehalt stieg laut Stepstone dennoch leicht von 32 Prozent im Jahr 2023 über 34 Prozent im Jahr 2024 auf 36 Prozent im Jahr 2025.
Für das laufende Jahr 2026 steht der deutsche Gesetzesentwurf zur nationalen Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie an. Arbeitgeber geraten damit unter Zugzwang, standardisierte und diskriminierungsfreie Vergütungsbänder zu definieren und offenzulegen. Bislang geben auf Jobplattformen wie Indeed in Deutschland erst rund 16 Prozent der Stellenanzeigen Gehaltsspannen an, während der Anteil in Frankreich bei 35 Prozent und in Großbritannien bei rund 70 Prozent liegt.
Die neue EU-Vorgabe macht Gehaltstransparenz schrittweise zur verbindlichen Compliance-Anforderung. Für Unternehmen bedeutet das steigenden administrativen Anpassungsdruck, während der Arbeitsmarkt vor einer Neubewertung bisher intransparenter Vergütungsstrukturen steht.







