Tim Cook tritt am 1. September 2026 als CEO von Apple zurück. Nach 15 Jahren an der Spitze übergibt Cook die Leitung an John Ternus, den aktuellen Senior Vice President für Hardware Engineering. Cooks Ära war geprägt von Expansion in neue Produktkategorien und dem Ausbau des Servicegeschäfts. Letzteres trägt inzwischen einen großen Teil zu Apples Umsatz bei.
Cooks Erbe: Vom Betriebsleiter zum Architekten des Wachstums
Als Tim Cook im August 2011 das Ruder von Steve Jobs übernahm, veränderte sich die Unternehmensführung. Jobs, der sechs Wochen nach Cooks Amtsantritt verstarb, gab ihm bei der Übergabe mit auf den Weg: „Never ask what I would do.“ Cook, der 1998 von Compaq zu Apple kam, galt als Betriebs- und Lieferkettenexperte.
Bereits 2005 sicherte Cook durch Vorauszahlungsvereinbarungen in Höhe von mehr als 1,25 Milliarden US-Dollar die Versorgung mit Flash-Speicherchips für Produkte wie den iPod Nano. Cook betonte in seiner Amtszeit Werte wie Exzellenz und Selbstkritik: „We don’t settle for anything less than excellence in every group in the company, and we have the self‑honesty to admit when we’re wrong and the courage to change. And I think regardless of who is in what job, those values are so embedded in this company that Apple will do extremely well.“
Unter Cooks Führung stieg Apples Marktkapitalisierung deutlich. Sie wuchs von rund 350 Milliarden US-Dollar bei seinem Amtsantritt 2011 auf über 4 Billionen US-Dollar zum Ende seiner Amtszeit. Kurzzeitig erreichte die Marktkapitalisierung im Juli 2026 mehr als 5 Billionen US-Dollar.
Nach Berechnungen wurden unter Cooks Leitung durchschnittlich rund 32 Millionen US-Dollar Unternehmenswert pro Stunde geschaffen. Der Aktienkurs legte in dieser Zeit um über 2.359 Prozent zu.
Der Jahresumsatz stieg von 108 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2011 auf über 400 Milliarden US-Dollar zum Ende seiner Amtszeit. Für das Geschäftsjahr 2025 werden mehr als 416 Milliarden US-Dollar genannt, für 2026 führten manche Schätzungen Werte bis zu 477 Milliarden US-Dollar an.
Diversifikation und Services als Wachstumsmotor
Unter Cook entstanden neue Produktkategorien wie die Apple Watch (2015), die AirPods (2016) und die Apple Vision Pro (2023). Letztere gilt als Vorstoß in den Bereich Spatial Computing. Parallel wuchs das Servicegeschäft: Dienste wie iCloud, Apple Pay, Apple Music, Apple TV und der App Store erzielen inzwischen mehr als 100 Milliarden US-Dollar Umsatz jährlich.
Services weisen höhere Margen auf als das Hardwaregeschäft.
Ein weiterer strategischer Schritt war der Wechsel von Intel-Prozessoren zu den selbst entwickelten Apple-Silicon-Chips für Macs. Dieser Schritt erhöhte die Kontrolle über die Wertschöpfungskette und die Performance der Produkte.
Globale Expansion und ungelöste Herausforderungen
Cook trieb die Expansion in Wachstumsmärkte voran, insbesondere in Indien. Apple lässt mittlerweile rund 25 Prozent aller iPhones in Indien montieren, was etwa 55 Millionen Einheiten entspricht. Im April 2023 eröffnete Apple die ersten firmeneigenen Stores in Mumbai und Delhi.
Gleichzeitig gab es Rückschläge: Apple Maps, 2012 eingeführt, wurde wegen ungenauer Daten kritisiert. Die Apple Vision Pro von 2023 hatte wegen hoher Preise und unklarer Anwendungsfälle Schwierigkeiten, breite Akzeptanz zu finden. Das langjährige Projekt Titan, ein Elektro- und autonomes Fahrzeugprojekt, wurde nach Jahren der Entwicklung und hohen Kosten eingestellt.
Bei der Künstlichen Intelligenz gilt Apple im Vergleich zu Konkurrenten wie Microsoft, Google und OpenAI teilweise als „spät zur Party“. Apple betont Datenschutz, Softwareintegration und On-Device-Computing. Die Integration von KI gilt als eine der zentralen Aufgaben für den Nachfolger. Zudem belasten steigende Komponentenpreise weiterhin die Produktmargen.
John Ternus tritt an: Ein Ingenieur an der Spitze
John Ternus übernimmt am 1. September 2026 die Leitung von Apple. Tim Cook bezeichnete Ternus als „A brilliant engineer and thinker“ und ergänzte, er sei „obsessed with every detail“. Ternus ist seit 2021 Senior Vice President für Hardware Engineering. Er verantwortete unter anderem die Gerätearchitektur und das Designteam und stellte im März ein MacBook Neo vor.
Tim Cook bleibt bei Apple als Executive Chairman erhalten. In dieser Rolle soll er weiterhin zentrale Beziehungen pflegen und seine Erfahrung einbringen. Warren Buffett äußerte über Cook: „Nobody but Steve could have created Apple, but nobody but Tim could have developed it as he has.“
Ausblick: KI-Integration und Marktreaktion
Analysten sehen in Ternus’ Ernennung ein Signal, dass Apple den Fokus auf technische Expertise und Produktentwicklung fortsetzt. Eine der größten Bewährungsproben wird die strategische Ausrichtung und Integration von Künstlicher Intelligenz in das Apple-Ökosystem sein. Die Marktreaktion auf den Führungswechsel dürfte auch davon abhängen, wie Ternus mit globalen Lieferketten, Wettbewerbsdruck und Preisgestaltung umgeht.
Für September wird ein großes Apple-Event erwartet. Dort könnten die iPhone-18-Pro-Serie und eine neue Apple-Watch-Generation gezeigt werden, was erste Hinweise auf Ternus’ Produktprioritäten liefern könnte. Die Fortsetzung der Diversifikationsstrategie und der Ausbau des Servicegeschäfts bleiben zentrale Aufgaben, um Apples Position als eines der wertvollsten Technologieunternehmen langfristig zu sichern.







