Volkswagen strukturiert seine Führungsebene um. Neue, teils unkonventionelle Trainingsmethoden und ein „Sterne-Feedback“ für Manager sind Teil dieser Neuausrichtung. Der Konzern verbindet diese Schritte mit signifikanten Kostensenkungen und einem globalen Personalabbau.
Damit will Volkswagen die Führungseffektivität steigern und sich auf Herausforderungen wie rückläufige Margen und verschärften Wettbewerb vorbereiten.
Kulturwandel in Wolfsburg
Die Neuausrichtung der Führungskultur bei Volkswagen beinhaltet geänderte Anforderungen an Manager, welche sich auf Boni und Aufstiegsmöglichkeiten auswirken. Geplant sind neben dem „Sterne-Feedback“ auch Trainings an Kletterwänden sowie Selbstreflexionsübungen. Diese Elemente sollen die Führungsarbeit effektivieren.
Detaillierte Informationen zu den Trainingsinhalten oder dem direkten Zusammenhang mit den Sparmaßnahmen des Konzerns sind bisher nicht öffentlich bekannt.
Konsolidierung und Stellenabbau
Der Umbau der Führungsebene ist Teil einer weitreichenden Restrukturierung bei Volkswagen, die hohe Kosten verursacht. Volkswagen veranschlagt rund 16 Milliarden Euro für umfassende Stellenstreichungen und mögliche Werksschließungen. Für die Stilllegung der Produktion in Emden und Zwickau sind jeweils etwa eine Milliarde Euro eingeplant.
Für Neckarsulm und Hannover belaufen sich die Kosten auf jeweils rund zwei Milliarden Euro.
Für den Abbau von bis zu 60.000 Arbeitsplätzen weltweit sind ungefähr zehn Milliarden Euro budgetiert. Hinzu kommen bereits zuvor angekündigte Reduzierungen von 50.000 Stellen. Insgesamt könnten sich die geplanten Stellenstreichungen damit auf fast 100.000 belaufen.
Die Tochtergesellschaft Skoda Auto Volkswagen India plant eine eigenständige Reduzierung der Belegschaft um etwa zwölf Prozent. Davon sind einige Hundert Mitarbeiter betroffen. Diese Maßnahme ist für 2025 angesetzt und dient der Kostensenkung am indischen Standort. Sie ist getrennt von den globalen Umstrukturierungsplänen des Volkswagen Konzerns zu sehen.
Margendruck und globaler Wettbewerb
Die Restrukturierung ist eine direkte Reaktion auf rückläufige Margen, verschärften Wettbewerb aus China, Zölle und bestehende Überkapazitäten in der Automobilindustrie. Das Management steht vor der Aufgabe, effektiver zu führen, realistische Arbeitslasten zu schaffen und die Verbindung zwischen der Arbeit der Mitarbeiter und den Unternehmenszielen sicherzustellen.
John Tournet, US CEO von Gallagher’s Benefits & HR Consulting Division, fasst die Lage zusammen: „Die Daten zeigen, dass viele Unternehmen einen schwierigen Spagat meistern. Führungskräfte verfolgen Wachstum, während sie Kostendruck, Kapazitätsengpässe und Mitarbeiterbindung bewältigen müssen. Erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die sich auf die Grundlagen konzentrieren: Managern helfen, effektiv zu führen, realistische Arbeitslasten schaffen und sicherstellen, dass Mitarbeiter verstehen, wie ihre Arbeit zu den Unternehmenszielen beiträgt.“
Eine Branchenumfrage aus dem ersten Quartal 2026 ergab, dass 63 Prozent der befragten Arbeitgeber in den USA eine jährliche Fluktuationsrate von zehn Prozent oder mehr meldeten.
Ausblick: Effizienz und Akzeptanz
Die Einführung des „Sterne-Feedback“-Systems und der unkonventionellen Trainingsmethoden ist angekündigt. Details zu Umfang und Wirkung stehen noch aus. Scott Kupor, OPM Director, beschreibt das Ziel von Leistungsmanagementstandards mit den Worten: „Die ganze Idee hinter den Leistungsmanagementstandards ist es, eine Differenzierung im oberen Bereich zu schaffen und im Wesentlichen eine Hochleistungskultur zu etablieren.“
Weitere Äußerungen Kupors betonen die Bedeutung von Leistungsdifferenzierung und Verantwortlichkeit.
Im Rahmen des sogenannten „Future Plan 2030“ plant der Konzern überdies den Abbau weiterer 50.000 Arbeitsplätze weltweit. Wie und in welchem Zeitraum die neuen Führungsstandards und Trainings zur Umsetzung der Sparziele beitragen, bleibt offen. Investoren und Marktbeobachter werden die konkreten Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Profitabilität und die Unternehmenskultur genau verfolgen.







