Das Employee-Generated Content (EGC)-Programm des Startups Warp, das im Bereich Mitarbeiterverwaltung tätig ist, bezahlt Mitarbeitende für Beiträge auf LinkedIn und X (ehemals Twitter). Ziel des Programms ist es, die Rekrutierung qualifizierter Kandidaten zu verbessern und sich von KI-generierten Bewerbungen abzuheben. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und komplexer Einstellungsprozesse fokussiert das Programm auf die Gewinnung von Talenten.

Warp hat im letzten Quartal 30 neue Mitarbeitende eingestellt. Nahezu jede neu eingestellte Person gibt an, durch LinkedIn auf Warp aufmerksam geworden zu sein. Rund ein Drittel der Warp-Mitarbeitenden nimmt am EGC-Programm teil und veröffentlicht mindestens zweimal pro Woche Beiträge. Diese Beteiligung mobilisiert Mitarbeitende als Markenbotschafter des Unternehmens.

Fachkräftemangel treibt neue Strategien

Der Druck auf Unternehmen, qualifiziertes Personal zu finden, bleibt hoch. Studien zeigen, dass 87 Prozent der Unternehmen offene Stellen für Fachkräfte und 82 Prozent für Angestellte haben, die schwer zu besetzen sind. Vor diesem Hintergrund suchen Firmen verstärkt nach neuen Wegen, um sich im Wettbewerb um Talente zu differenzieren.

Warps EGC-Programm stellt einen solchen Ansatz dar: Anstatt ausschließlich auf traditionelle Kanäle oder bezahlte Anzeigen zu setzen, mobilisiert das Unternehmen die eigenen Mitarbeitenden als Reichweitenquelle. Gabriella Garcia, Chief People Officer (CPO) bei Warp, hat das Programm initiiert. Sie betont die Bedeutung authentischer Inhalte von Mitarbeitenden und weist darauf hin, dass Entwürfe bewusst bearbeitet werden sollen, um menschlicher zu klingen und "Ragebait" zu vermeiden.

Etwa 25 Prozent der Arbeitgeber geben an, dass KI den Einstellungsprozess verlangsamt hat.

Rekrutierungsfirmen wie Huxley filtern Berichten zufolge bis zu 90 Prozent der täglich eingehenden Lebensläufe; Huxley schätzt, dass 600 bis 700 davon KI-generiert sind. Durch Mitarbeiterbeiträge erhalten potenzielle Kandidaten Einblicke in die Unternehmenskultur und Arbeitsweise. Dies erhöht die Authentizität im Recruiting-Prozess.

Anreize und Unterstützung für Mitarbeiter-Branding

Warp incentiviert Mitarbeitende durch ein Prämienmodell: Für jeden Beitrag erhalten Teilnehmer einen Eintrag in eine monatliche Verlosung. Drei Gewinner erhalten jeweils "ein paar hundert US-Dollar". Damit honoriert das Unternehmen die Zeit und Mühe, die Mitarbeitende in den Aufbau ihrer persönlichen Marke und die Förderung des Unternehmens investieren.

Das Unternehmen unterstützt die Mitarbeitenden bei der Erstellung der Inhalte. Sie werden ermutigt, arbeitsbezogene Themen zu posten, etwa Beförderungen oder technische Herausforderungen. Für Mitarbeitende mit Schreibblockaden bietet Warp wöchentliche Brainstorming-Sessions mit einem Mitglied des Marketingteams an.

Zudem stellt das Startup einen Claude-Agenten bereit, der Entwürfe im Stil des jeweiligen Mitarbeiters erstellen kann. Garcia ermutigt die Mitarbeitenden, diese Entwürfe zu überarbeiten, damit sie menschlicher klingen und "Ragebait" vermieden wird. Dies unterstreicht den Fokus auf Authentizität.

Der ROI von Mitarbeiter-Authentizität

Das Programm startete mit einer Fünf-Personen-Kohorte, zu der der CTO und der Head of Sales gehörten, bevor es unternehmensweit ausgerollt wurde. Nahezu jede neu eingestellte Person gab an, durch LinkedIn auf Warp aufmerksam geworden zu sein. Dies hebt die Bedeutung von Mitarbeiterinhalten für die Rekrutierung hervor.

Dieser Ansatz spiegelt sich auch in weiteren Entwicklungen am Arbeitsmarkt wider: Unternehmen wie Sona nutzen KI-gestützte Workforce-Management-Lösungen, und TalentBridge hat mit TalentBridge One eine SaaS-Organisation für Workforce-Technologie aufgebaut, inklusive Lösungen wie Caroline 2.0 für KI-gestütztes Recruiting. Während KI viele Prozesse optimiert, bleibt der menschliche Faktor im Recruiting relevant.

Garcias Empfehlungen für HR-Führungskräfte umfassen, interessierte Mitarbeitende zu finden, einfache Systeme zum Posten zu schaffen – etwa Brainstorming-Meetings und KI-Agenten – und den Return on Investment (ROI) zu verfolgen. Dies schließt die Anzahl qualifizierter Einstellungen ein, die durch die Inhalte generiert werden.

Ausblick: Authentizität als Währung im Recruiting

Das Modell von Warp könnte anderen Unternehmen als Beispiel dienen. Die Kombination von Mitarbeiter-Branding, finanziellen Anreizen und technischer Unterstützung ist ein etablierter Ansatz im Employer Branding. Weitere Unternehmen könnten ähnliche Strategien prüfen, um die Authentizität ihrer Mitarbeitenden für die Rekrutierung zu nutzen.

Eine Herausforderung bleibt, die Balance zwischen Incentives und Authentizität zu wahren, damit Inhalte glaubwürdig bleiben und nicht als reine PR wahrgenommen werden. Analysten beobachten, ob solche Programme langfristig eine nachhaltige Wirkung auf Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit haben. Die Möglichkeit, die eigene Marke zu entwickeln und dafür belohnt zu werden, könnte die Loyalität zum Arbeitgeber stärken.

Die langfristigen Effekte auf die Arbeitgeberattraktivität stehen dabei im Fokus.