Millionenbeträge aus US-Zollrückerstattungen fließen derzeit bei zahlreichen Unternehmen ein. Ein Urteil des Supreme Court vom Februar 2026 erklärte Teile der unter US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle für unzulässig. In der Folge werden bis zu 166 Milliarden US-Dollar an Importeure zurückgezahlt.
Ein signifikanter Teil dieser Rückerstattungen fließt bei einigen Marken direkt in Marketing und Promotion, insbesondere zur Stärkung der Budgets für die Feiertagssaison.
US-Gericht kassiert Trump-Zölle
Das US-amerikanische Oberste Gericht fällte im Februar 2026 ein Urteil mit weitreichenden Folgen für die unter Donald Trump eingeführten Zölle. Die Richter urteilten mit sechs zu drei Stimmen, dass der International Emergency Economic Powers Act dem Präsidenten keine Zollhoheit einräumt. Nach der US-Verfassung entscheidet der Kongress über Zölle.
Das Urteil betraf insbesondere die pauschalen Reziprok-Zölle sowie die Aufschläge gegen China, Kanada und Mexiko. Zölle, die auf Basis anderer Gesetze wie Abschnitt 232 auf Stahl, Aluminium, Autos und Solarprodukte verhängt wurden, bleiben weiterhin in Kraft.
Unternehmen können die zu Unrecht gezahlten Abgaben über den US-Zoll und das Handelsgericht zurückfordern. Die US-Zollbehörde CBP hat hierfür ein Online-Portal namens „Cape“ gestartet. Dort können Importeure ihre Anträge einreichen.
Die Rückerstattungen werden gebündelt inklusive Zinsen ausgezahlt. Laut Behörde erfolgt die Auszahlung nach Genehmigung innerhalb von 60 bis 90 Tagen, wobei jüngere Zahlungen priorisiert werden. Der Prozess ist schrittweise und administrativ komplex.
Kleine formale Fehler können zur Ablehnung führen.
Insgesamt stehen Rückerstattungen in Höhe von bis zu 166 Milliarden US-Dollar im Raum. Zwischen Oktober 2025 und Juni 2026 wurden bereits rund 65,5 Milliarden Euro erstattet.
Milliardenschwerer Geldregen für die Wirtschaft
Die Rückerstattungen erreichen ein beträchtliches Volumen. Die Automobilindustrie allein reklamiert rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Ford rechnet mit etwa 1,3 Milliarden US-Dollar, General Motors (GM) mit rund 500 Millionen US-Dollar und Stellantis mit knapp 500 Millionen US-Dollar.
Volkswagen erwartet einen vergleichsweise geringen Effekt im zweistelligen Millionenbereich. Die jährlichen Zollkosten des Konzerns lagen laut Unternehmensangaben bei rund vier Milliarden Euro.
Auch zahlreiche deutsche Konzerne profitieren. An börsennotierte deutsche Unternehmen sind bereits rund 790 Millionen Euro zurückgeflossen, weitere Rückzahlungen werden erwartet. Die DHL Group erhielt 416 Millionen Euro, Siemens Healthineers über 200 Millionen Euro.
Puma verbuchte rund 49 Millionen Euro. Zuvor hatte das Unternehmen eine Belastung durch die Abgaben von rund 80 Millionen Euro erwartet. Adidas erwartet Erstattungen in Höhe von 250 bis 300 Millionen US-Dollar.
Weitere Nutznießer sind Sartorius mit 26 Millionen Euro, Dräger mit 22 Millionen Euro, Rational mit 14 Millionen Euro, SMA Solar mit rund 22 Millionen Euro, Knorr-Bremse mit 20 Millionen Euro und der Optikkonzern Zeiss mit rund 21 Millionen Euro. Der Pharmakonzern Merck rechnet ebenfalls mit Rückzahlungen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Marketingbudgets erhalten unerwarteten Schub
Einige Unternehmen nutzen die Rückerstattungen, um Marketingausgaben zu erhöhen. Warby Parker erklärt, die Investitionen in sein „Intelligent Eyewear“-Produkt – entwickelt mit Google und Samsung – würden vollständig durch die Zollrückerstattungen finanziert. CFO Adrian Mitchell äußerte dazu: „With regards to the investments in the business and integrating Intelligent Eyewear—that’s fully funded by the tariff benefits.
Within marketing, we plan to meaningfully increase our total brand and media investments, which will be shared with our partners as we scale Intelligent Eyewear campaigns.“
Levi Strauss gab an, rund 60 Millionen US-Dollar von etwa 80 Millionen US-Dollar umverteilt zu haben. Dabei sei jeweils ein Drittel für Marketing, Distribution und Logistik sowie Verkaufsförderungsaktivitäten vorgesehen. Harmit Singh formulierte das wie folgt: „We redeployed $60 million out of the $80-odd million from tariffs that we received.
I would say a third is marketing, a third is distribution and logistics, and a third is promotional activities.“
J. Jill investiert eine Rückerstattung von 13 Millionen US-Dollar in Marketing. e.l.f. Beauty plant, Rückerstattungen zunächst zur Unterstützung der Preispositionierung zu nutzen und anschließend für Marketingmaßnahmen einzusetzen.
Kory Marchisotto, e.l.f. Brands President, sagte: „Our tariff refunds are being reinvested first to support our value proposition through lower prices on ~10% of our portfolio, then to support marketing across our portfolio of brands, highlighting our holy grail innovations. Marketing is one of our best-performing investments."
Skepsis in der Analystengemeinde
Nicht alle Marktbeobachter sehen in den Ankündigungen allein einen echten Ausgabenschub. Brian Wieser, Gründer von Madison & Wall, vermutet, dass viele Verlautbarungen eher der Kommunikation an die Wall Street dienen könnten. Er sagte: „It’s almost more of a messaging thing than a question of whether the tariff refunds are really contributing meaningfully to the proportion of their budget that they do spend on marketing.
In an established business, you don’t wake up in the morning and say, 'I can’t wait to increase my budget.' You’re a hero when you cut your budget.“
Die allgemeinen Kennzahlen zeigen, dass Marketingausgaben seit 2011 um über fünf Prozent gestiegen sind, mit temporären Rückgängen während der Pandemie. Der weltweite Durchschnitt lag 2022 bei 9,5 Prozent des Gesamtumsatzes. In der DACH-Region werden durchschnittlich vier bis 15 Prozent des Umsatzes für Marketing ausgegeben.
Ob die Rückerstattungen zu einer nachhaltigen Erhöhung dieser Quoten führen oder primär bestehende Budgets stützen, bleibt offen.
Auswirkungen auf Bilanzen und zukünftige Preisgestaltung
Die Rückerstattungen beeinflussen Unternehmensprognosen. Dräger hob seine EBIT-Prognose für das Gesamtjahr von 5,5 bis 7,5 Prozent auf 6,0 bis 8,0 Prozent an. Die Umsatzprognose blieb bei einem währungsbereinigten Anstieg von 2,0 bis 6,0 Prozent unverändert. Dräger verbuchte einen Einmaleffekt: 14,2 Millionen Euro im Juli zusätzlich zu 7,8 Millionen Euro im zweiten Quartal.
Einige Unternehmen wie die DHL Group und US-Paketdienste haben angekündigt oder signalisiert, erhaltene Rückzahlungen an Kunden weiterzugeben, sobald die Gelder vorliegen. e.l.f. Beauty plant, einen Teil der Rückerstattungen in Form niedrigerer Preise für etwa zehn Prozent seines Portfolios weiterzugeben. Rechtlich sind Unternehmen dazu nicht verpflichtet.
Marktbeobachter weisen auf die Unsicherheit hin: Ein Gerichtsurteil kann eine Zollpolitik über Nacht kippen, eine Lieferkette jedoch nicht. Für die Planung im US-Markt gehöre diese Unsicherheit inzwischen als eigener Kostenblock in viele Kalkulationen. Der Rückerstattungsprozess ist administrativ komplex.
Kleine formale Fehler können zur Ablehnung von Anträgen führen und die Geschwindigkeit der Auszahlungen beeinflussen. Wie die US-Regierung den Prozess künftig handhabt und welche langfristigen Folgen das für Importeure hat, bleibt abzuwarten.







