Zwanzig ehemalige Snap-Mitarbeiter haben sich zusammengetan, um die nächste Welle sozialer Medien aktiv mitzugestalten. Mit dem Ghost Angels Fund wollen sie gezielt in Pre-Seed- und Seed-Startups investieren, die das ursprüngliche Versprechen sozialer Plattformen neu definieren. Ihre These: Die Zukunft liegt nicht mehr im klassischen Social Media, sondern in der Trennung von echter sozialer Verbindung und AI-gestützten Medienformaten.

Von der informellen Community zur strukturierten Investmentplattform

Max Rivera, ehemaliger Leiter der globalen Partnerschaften bei Snap und heute bei Microsofts AI-Labor tätig, hat Ghost Angels 2025 ins Leben gerufen. Was zunächst als lockeres Netzwerk von Angel-Investoren aus dem Snap-Kosmos begann, ist nun eine formale Struktur mit klarer Mission. Die Gruppe umfasst neben Rivera auch Alexandra Levitt, die frühere Leiterin des Corporate Accelerator von Snap, und Will Wu, ein Gründungsmitglied von Snaps Produkt- und Designteam.

Die Entscheidung, aus dem informellen Kreis eine offizielle Investmentplattform zu machen, folgt einer klaren Logik. Die Alumni verfügen über tiefes Verständnis dafür, wie soziale Plattformen funktionieren, wo ihre Schwächen liegen und welche Technologien das Potenzial haben, die Branche neu zu prägen. Ihre gemeinsame Zeit bei Snap hat ihnen gezeigt, welche Features Menschen wirklich nutzen und welche Trends sich durchsetzen. Dieses Wissen wollen sie nun gezielt einsetzen, um die nächste Generation von Gründern zu unterstützen.

Die Kernthese: Social und Media trennen sich

Rivera vertritt eine bemerkenswerte These, die den Ansatz von Ghost Angels prägt. Er argumentiert, dass „social“ und „media“ – bisher unter dem Begriff Social Media zusammengefasst – sich zunehmend als eigenständige Kategorien entwickeln. Diese Trennung ist nicht nur semantisch, sondern spiegelt eine fundamentale Verschiebung in der Art wider, wie Menschen digitale Plattformen nutzen wollen. Viele Nutzer fühlen sich von der aktuellen Realität sozialer Medien enttäuscht, weil diese vom ursprünglichen Versprechen abgewichen sind, Menschen mit ihrem persönlichen Umfeld zu verbinden.

Auf der Social-Seite sucht der Fonds nach Gründern, die AI nutzen, um dieses ursprüngliche Versprechen wiederherzustellen. Es geht um authentische Verbindungen, nicht um algorithmisch optimierte Feeds, die primär Engagement maximieren sollen. Die Technologie soll Menschen dabei helfen, mit den Personen in Kontakt zu bleiben, die ihnen wirklich wichtig sind – ohne die Ablenkung durch endlose Streams von Content, der oft mehr Stress als Mehrwert bringt.

Auf der Media-Seite konzentriert sich Ghost Angels auf AI-native Formate und generative Kreativtools. Rivera sieht hier besonders große Chancen in Bereichen wie Musik, Gaming, Sport und Fashion. Die Hürden für Content-Erstellung und Distribution sinken durch AI-Tools dramatisch, was völlig neue Möglichkeiten für Creator eröffnet. Wer früher ein Studio, Equipment und technisches Know-how brauchte, kann heute mit AI-gestützten Tools professionelle Inhalte produzieren.

Investmentstrategie mit klarem Fokus

Der Fonds richtet sich primär an Startups in der Pre-Seed- und Seed-Phase. Diese frühe Investitionsphase ist bewusst gewählt, denn hier können die Alumni ihre Erfahrung am wirkungsvollsten einbringen. Gründer in dieser Phase brauchen nicht nur Kapital, sondern vor allem strategische Beratung von Menschen, die den Markt aus erster Hand kennen. Die Schwerpunkte liegen auf AI, Social Media und Consumer Tech – Bereiche, in denen die Snap-Erfahrung besonders wertvoll ist.

Ghost Angels hat bereits mindestens fünf Unternehmen unterstützt und plant, innerhalb des nächsten Jahres in mindestens 15 weitere zu investieren. Die Fondssumme selbst wurde nicht offengelegt, was bei frühen Angel-Fonds durchaus üblich ist. Der Wert liegt ohnehin weniger in der reinen Kapitalhöhe als vielmehr im Netzwerk und der Expertise, die die Alumni mitbringen. Für junge Gründer bedeutet ein Investment von Ghost Angels Zugang zu einem Kreis von Menschen, die verstehen, wie man Produkte baut, die Millionen von Nutzern begeistern.

Warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Die Gründung von Ghost Angels fällt in eine Phase, in der die Social-Media-Landschaft sich grundlegend wandelt. Etablierte Plattformen kämpfen mit sinkender Nutzerzufriedenheit, während gleichzeitig AI neue Möglichkeiten eröffnet, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren. Die Snap-Alumni haben diese Entwicklung aus nächster Nähe beobachtet und verstehen, wo die Schwachstellen der aktuellen Generation liegen.

Die Timing-Frage ist auch deshalb relevant, weil AI-Technologie einen Reifegrad erreicht hat, der praktische Anwendungen ermöglicht. Es geht nicht mehr um theoretische Möglichkeiten, sondern um Tools, die bereits heute funktionieren und echte Probleme lösen. Für Gründer, die diese Technologien nutzen wollen, um bessere soziale Erfahrungen oder neue Medienformate zu schaffen, ist jetzt der Moment, in dem sie tatsächlich liefern können.

Die Snap-DNA als Wettbewerbsvorteil

Was die Mitglieder von Ghost Angels verbindet, ist mehr als nur eine gemeinsame Vergangenheit. Sie teilen ein tiefes Verständnis dafür, wie man Produkte baut, die Menschen täglich nutzen wollen. Snap hat die Branche mit Features wie Stories geprägt, die später von praktisch allen anderen Plattformen übernommen wurden. Diese Erfahrung, Trends nicht nur zu erkennen, sondern zu setzen, ist für Startups in der Frühphase unbezahlbar.

Alexandra Levitt bringt ihre Expertise aus dem Corporate Accelerator mit, wo sie Startups dabei half, mit einem großen Technologieunternehmen zusammenzuarbeiten. Will Wu war von Anfang an dabei, als Snap noch Snapchat hieß und als reine Messaging-App startete. Diese verschiedenen Perspektiven – von Produktentwicklung über Partnerschaften bis hin zu Innovation – ergänzen sich und bieten Gründern einen 360-Grad-Blick auf das, was nötig ist, um erfolgreich zu sein.

Welche Startups profitieren am meisten

Für Gründer, die sich auf authentische soziale Verbindungen konzentrieren, bietet Ghost Angels mehr als nur Kapital. Der Fonds sucht nach Teams, die verstehen, dass die Zukunft sozialer Plattformen nicht in noch mehr Features liegt, sondern in der Rückbesinnung auf das Wesentliche. Plattformen, die Menschen helfen, mit ihren engsten Kontakten in Verbindung zu bleiben, ohne sie mit irrelevantem Content zu überfrachten, haben eine klare Chance.

Auf der Creator-Seite interessieren sich die Investoren für Tools, die die Produktion und Distribution von Inhalten demokratisieren. Gaming-Startups, die AI nutzen, um personalisierte Erlebnisse zu schaffen, Musik-Plattformen, die es jedem ermöglichen, professionell klingende Tracks zu produzieren, oder Fashion-Apps, die virtuelle Anproben mit realistischer Darstellung bieten – all das fällt in den Fokus von Ghost Angels. Die gemeinsame Klammer ist der Einsatz von AI, um Barrieren abzubauen und neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Was dieser Fonds über die Branche aussagt

Die Tatsache, dass zwanzig erfahrene Produktmanager, Designer und Strategen aus einem der prägendsten Social-Media-Unternehmen der letzten Dekade gemeinsam investieren, sendet ein starkes Signal. Sie glauben offensichtlich, dass die nächste Welle sozialer Produkte nicht von den etablierten Plattformen kommen wird, sondern von neuen Startups, die unbelastet von Legacy-Systemen und alten Geschäftsmodellen neu denken können.

Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was viele Nutzer empfinden. Die großen Plattformen haben sich von ihren Ursprüngen entfernt und sind zu Werbenetzwerken geworden, in denen der Algorithmus entscheidet, was man sieht. Der Frust darüber ist real und schafft Raum für Alternativen. Ghost Angels wettet darauf, dass dieser Raum von Startups gefüllt wird, die AI nutzen, um bessere Lösungen zu bauen – nicht nur größere Versionen des Alten.

Die nächsten Schritte für interessierte Gründer

Wer als Gründer mit Ghost Angels in Kontakt treten möchte, sollte eine klare Vision davon haben, wie AI soziale Verbindungen verbessert oder neue Medienformate ermöglicht. Die Alumni suchen nach Teams, die nicht nur Technologie verstehen, sondern auch ein tiefes Gespür für menschliches Verhalten haben. Produkte, die Menschen nutzen, weil sie müssen, sind weniger interessant als solche, die zu einem natürlichen Teil des Alltags werden.

Der Fonds plant, sein Portfolio in den kommenden zwölf Monaten deutlich auszubauen. Für Startups in der Pre-Seed- oder Seed-Phase, die in die beschriebenen Kategorien fallen, ist das eine konkrete Chance. Der Zugang zu einem Netzwerk von Menschen, die verstehen, wie man Millionen von Nutzern gewinnt und bindet, kann den Unterschied zwischen einem weiteren gescheiterten Startup und einer Plattform machen, die tatsächlich Relevanz entwickelt.

Ein Neuanfang für soziale Medien

Ghost Angels steht für mehr als nur einen weiteren Venture-Fonds. Die Initiative repräsentiert den Versuch, die Fehler der ersten Social-Media-Generation zu korrigieren und mit neuen technologischen Möglichkeiten bessere Lösungen zu schaffen. Die Trennung von Social und Media ist dabei mehr als eine Investmentthese – sie ist eine Diagnose dessen, was in den letzten Jahren schiefgelaufen ist, und ein Wegweiser für das, was als Nächstes kommen könnte.

Für die Branche ist das ein wichtiges Signal. Wenn die Menschen, die einige der erfolgreichsten Features und Produkte der letzten Dekade gebaut haben, ihr Geld und ihre Zeit in eine neue Generation investieren, lohnt es sich, genau hinzusehen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob ihre These aufgeht und ob AI tatsächlich das Werkzeug ist, mit dem sich das ursprüngliche Versprechen sozialer Medien wieder einlösen lässt. Die zwanzig Snap-Alumni jedenfalls setzen darauf – und sie haben die Erfahrung, um zu wissen, worauf es ankommt.

techcrunch.com – Snap alums unveil Ghost Angels fund

techechelon.com – Snap Alumni Launch Ghost Angels Fund to Back Next Generation of Social Media Startups

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