Der niederländische Non-Food-Discounter Action hat binnen eines Jahres sein Schweizer Filialnetz auf mindestens 14 Standorte ausgebaut – und die Expansion geht weiter. Was im April 2025 mit der ersten Filiale in Bachenbülach begann, entwickelt sich zu einem bemerkenswerten Wachstumskurs im hart umkämpften Schweizer Detailhandel. Die Strategie: günstige Preise, breites Sortiment und gezieltes Wachstum in peripheren Lagen.
Von null auf vierzehn: Actions Blitzstart in der Schweiz
Im Oktober 2023 gründete Action die Schweizer Tochtergesellschaft in Basel – ein klares Signal für den bevorstehenden Markteintritt. Nur anderthalb Jahre später betreibt die Kette bereits 14 Filialen im Land. Die erste Eröffnung in Bachenbülach im April 2025 löste einen regelrechten Ansturm aus: Menschen mussten vor der Filiale weggeschickt werden, weil die Kapazitäten erschöpft waren.
Diese Dynamik setzte sich fort. Von Niederlenz im Aargau über Winterthur Neu-Hegi bis nach Matran und Martigny – Action erschließt systematisch verschiedene Regionen. Die Filiale in Niederlenz beschäftigt 15 Mitarbeitende und repräsentiert das typische Action-Konzept: übersichtliche Verkaufsflächen mit einem breiten Sortiment von Deko über Haushaltswaren bis zu Drogerieartikeln, Spielzeug und Textilien.
Das Unternehmen selbst kommuniziert offensiv seine Wachstumsambitionen. Auf der Schweizer Website heißt es, man eröffne jede Woche neue Filialen – eine Aussage, die sich auf das gesamte europäische Netz bezieht, aber die Expansionsgeschwindigkeit verdeutlicht. Mit über 3.400 Filialen in Europa gehört Action zu den am schnellsten wachsenden Non-Food-Discountern des Kontinents.
Standortstrategie mit System
Action setzt in der Schweiz auf eine bewährte Immobilienstrategie: periphere Lagen mit guter Erreichbarkeit und moderaten Mietkosten. Diese Positionierung unterscheidet sich von klassischen Innenstadtlagen und ermöglicht größere Verkaufsflächen bei gleichzeitig niedrigeren Fixkosten. Standorte wie Bachenbülach, Niederlenz oder Winterthur Neu-Hegi folgen diesem Muster konsequent. Die Kette verhandelt zudem über Flächen in Einkaufszentren wie Les Galeries du Rex in Freiburg, wo sich Frequenz und Parkplatzverfügbarkeit optimal kombinieren lassen.
Sortiment trifft Preispolitik: Das Action-Erfolgsrezept
Das Geschäftsmodell basiert auf einem klaren Versprechen: maximale Produktvielfalt zu minimalen Preisen. Anders als reine Lebensmitteldiscounter konzentriert sich Action auf Non-Food-Artikel des täglichen Bedarfs. Kunden finden Dekoartikel neben Bürobedarf, Spielzeug neben Haushaltswaren. Diese Breite des Sortiments bei konsequent niedrigen Preisen schafft eine eigene Nische im Schweizer Markt.
Die Produktpalette wechselt regelmäßig, was Anreize für wiederholte Besuche schafft. Dieser Mix aus Standardartikeln und wechselnden Aktionswaren hat sich in anderen europäischen Märkten bereits bewährt. In der Schweiz trifft diese Strategie auf eine kaufkräftige, aber preisbewusste Kundschaft, die Qualität zu fairen Konditionen schätzt.
Die Positionierung als Discounter bedeutet nicht Verzicht auf Einkaufserlebnis. Action setzt auf übersichtliche Ladengestaltung und klare Warenpräsentation. Die Filialen sind hell, aufgeräumt und ermöglichen schnelles Orientieren – ein Konzept, das gerade bei Familien gut ankommt.
Wettbewerbsdruck im Schweizer Detailhandel steigt
Mit dem Markteintritt von Action intensiviert sich der Konkurrenzkampf im Schweizer Non-Food-Segment. Etablierte Anbieter wie Denner, Otto’s oder Rossmann sehen sich einem neuen Wettbewerber gegenüber, der mit aggressiver Expansion und konsequenter Niedrigpreisstrategie auftritt. Auch Lebensmitteldiscounter wie Aldi und Lidl, die ebenfalls Non-Food-Artikel führen, spüren den zusätzlichen Druck.
Der Schweizer Detailhandel befindet sich generell in einer Phase der Transformation. Steigende Mietkosten, verändertes Konsumverhalten und die Konkurrenz durch Online-Handel fordern neue Antworten. Action begegnet diesen Herausforderungen mit einem physischen Filialkonzept, das auf hohe Kundenfrequenz durch attraktive Preise setzt – ein bewusster Gegenentwurf zum reinen E-Commerce.
Europäisches Wachstum als Blaupause
Die Schweizer Expansion folgt einem erprobten Muster. In Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden hat Action seine Präsenz kontinuierlich ausgebaut und gehört dort zu den führenden Non-Food-Discountern. Die Schweiz ist für das Unternehmen ein attraktiver Markt: hohe Kaufkraft, stabile Wirtschaft und eine Konsumentenbasis, die Wert auf Preis-Leistungs-Verhältnis legt.
Die Geschwindigkeit des Schweizer Rollouts deutet auf eine langfristige Strategie hin. Während andere internationale Ketten vorsichtiger agieren, setzt Action auf schnelles Wachstum. Diese Dynamik birgt Chancen und Risiken zugleich: Marktanteile lassen sich zügig gewinnen, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Logistik, Personalrekrutierung und lokale Marktkenntnis.
Herausforderungen der schnellen Expansion
Jede Woche eine neue Filiale – europaweit – bedeutet enorme operative Anforderungen. In der Schweiz kommen spezifische Herausforderungen hinzu: ein anspruchsvoller Arbeitsmarkt mit hohen Lohnkosten, strikte Regulierungen und regional unterschiedliche Konsumpräferenzen. Die mehrsprachige Ausrichtung erfordert angepasste Kommunikation und Sortimente.
Die Personalgewinnung stellt einen kritischen Erfolgsfaktor dar. Mit durchschnittlich 15 Mitarbeitenden pro Filiale muss Action für 14 Standorte bereits über 200 Beschäftigte rekrutiert und eingearbeitet haben. Bei weiterer Expansion steigt dieser Bedarf proportional. In einem Arbeitsmarkt, in dem Fachkräfte rar sind, wird die Arbeitgeberattraktivität zum Wettbewerbsvorteil.
Auch die Lieferketten müssen reibungslos funktionieren. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, was zusätzliche logistische und administrative Schritte bei der Warenbeschaffung bedeutet. Action muss hier effiziente Prozesse etablieren, um die Kostenvorteile nicht durch Zollabwicklung und Transportaufwand zu verlieren.
Chancen für Schweizer Konsumenten und Standorte
Für Konsumenten bedeutet Actions Präsenz mehr Auswahl und Wettbewerb. Niedrigere Preise im Non-Food-Bereich entlasten Haushaltsbudgets und schaffen Spielraum für andere Ausgaben. Gerade in Zeiten, in denen die Lebenshaltungskosten steigen, bietet ein zusätzlicher Discounter willkommene Alternativen.
Für Gemeinden und Standorte bringt die Ansiedlung neuer Filialen Frequenz und Arbeitsplätze. Periphere Lagen profitieren von der Belebung, Einkaufszentren von zusätzlichen Besucherströmen. Die Steuereinnahmen durch neue Geschäftsflächen und Beschäftigte stärken lokale Budgets.
Der Schweizer Markt im Visier internationaler Ketten
Action ist nicht die einzige internationale Kette, die den Schweizer Markt erschließt. Der Detailhandel erlebt eine Phase verstärkter Internationalisierung. Diese Entwicklung verändert die Wettbewerbslandschaft grundlegend und zwingt etablierte Anbieter zu Anpassungen. Wer nicht innoviert, verliert Marktanteile.
Die Frage ist nicht, ob weitere internationale Player folgen werden, sondern wann und mit welchen Konzepten. Der Schweizer Markt gilt trotz seiner überschaubaren Größe als attraktiv: politische Stabilität, wirtschaftliche Stärke und eine konsumfreudige Bevölkerung bieten gute Rahmenbedingungen. Actions Erfolg könnte anderen Ketten als Ermutigung dienen.
Wachstum mit Augenmaß statt Überdehnung
Die bisherige Expansion von Action in der Schweiz wirkt geplant und strukturiert. Statt wahllos Flächen zu belegen, konzentriert sich das Unternehmen auf Standorte mit klarem Potenzial. Diese Disziplin unterscheidet nachhaltiges Wachstum von risikoreicher Überdehnung. Jede neue Filiale muss sich rechnen, jeder Standort muss zur Gesamtstrategie passen.
Für andere Unternehmen, die Expansion planen, bietet Actions Vorgehen wertvolle Lektionen: gründliche Marktanalyse, systematische Standortwahl, konsequente Umsetzung des Geschäftsmodells und kontinuierliche Anpassung an lokale Gegebenheiten. Diese Prinzipien gelten branchenübergreifend und lassen sich auf verschiedene Märkte übertragen.
Mehr als nur günstige Preise: Die Zukunft des stationären Handels
Actions Erfolg zeigt, dass stationärer Handel auch im digitalen Zeitalter funktioniert – wenn das Konzept stimmt. Die Kombination aus physischer Präsenz, breitem Sortiment und attraktiven Preisen schafft einen Mehrwert, den Online-Shops in dieser Form nicht bieten können. Das unmittelbare Einkaufserlebnis, die Möglichkeit, Produkte vor dem Kauf zu sehen und zu prüfen, bleibt für viele Konsumenten wichtig.
Gleichzeitig muss auch Action digitale Kanäle nutzen, um Kunden zu informieren und zu binden. Die Website bietet Filialsuche und Informationen zu Öffnungszeiten, Social Media könnte künftig stärker für Produktkommunikation genutzt werden. Die Verbindung von Online-Information und Offline-Einkauf wird zum Standard im modernen Handel.
Ein Discounter schreibt Schweizer Handelsgeschichte
Von der ersten Filiale in Bachenbülach bis zu 14 Standorten in weniger als einem Jahr – Actions Schweizer Expansion ist bemerkenswert. Das Unternehmen hat bewiesen, dass ein klares Konzept, konsequente Umsetzung und Mut zu schnellem Wachstum auch in einem anspruchsvollen Markt wie der Schweiz funktionieren. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich das Tempo halten lässt und wie der Markt auf den neuen Wettbewerber reagiert. Für Konsumenten bedeutet diese Entwicklung mehr Auswahl, für den Detailhandel mehr Dynamik – und für Action die Chance, sich als feste Größe im Schweizer Non-Food-Segment zu etablieren. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben, aber die ersten Kapitel versprechen eine spannende Fortsetzung.
blick.ch – Andrang vor Action-Filiale: Menschen werden vor großer Neueröffnung weggeschickt
watson.ch – Discounter Action eröffnet neue Filiale in Niederlenz AG
20min.ch – Winterthur und Matran: Action eröffnet bald den vierten und fünften Laden in der Schweiz
tagesanzeiger.ch – Discounter Action: Das sind die ersten Schweizer Filialen
konsider.ch – Discount-Kette Action: Nonfood-Gigant gründet Schweizer Tochter
action.com – Öffnungszeiten und Standorte
srf.ch – Schweiz: Action eröffnet ersten Laden
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