Jeder redet über Gründung, Side Hustles und Selbstständigkeit. Aber kaum jemand stellt sich die entscheidende Frage vorher: Bringe ich das überhaupt mit? Unser Selbsttest zeigt dir in zehn Minuten, wo du wirklich stehst – und was dir noch fehlt.
- 10 Fragen, 2 Dimensionen, 4 Unternehmertypen: Du erfährst, ob du Visionär, Durchsetzer, Entrepreneur oder Verwalter bist.
- Selbstbild vs. Fremdbild: Psychologische Forschung zeigt, dass die meisten Unternehmer ihre Fähigkeiten systematisch überschätzen. Der Test enthält deshalb einen eingebauten Realitätscheck.
- Dein konkreter Entwicklungsplan: Du siehst nicht nur, wo du stehst, sondern auch, welche Fähigkeiten du gezielt aufbauen kannst – und welche du besser im Team ergänzt.
- Unternehmertum ist keine Frage von Talent oder Zufall. Es ist eine Kombination aus erlernbaren Fähigkeiten und trainierbaren Eigenschaften. Der erste Schritt ist, ehrlich hinzuschauen.
Wie oft hast du schon gedacht, du könntest ein Unternehmen aufbauen, ein Produkt launchen oder dich selbstständig machen? Wahrscheinlich öfter, als du zugeben willst. Die Idee ist da, die Motivation auch – aber zwischen „Ich könnte“ und „Ich kann“ liegt ein Unterschied, den die meisten unterschätzen.
Genau diesen Unterschied macht der MARES-Selbsttest sichtbar. Er basiert auf einem wissenschaftlichen Modell, das Prof. Nikolaus Franke am Institut für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien entwickelt hat. Der Kern: Schon der Ökonom Joseph Schumpeter definierte echtes Unternehmertum über zwei Fähigkeiten – Chancen erkennen und Chancen durchsetzen. Wer nur eine davon mitbringt, ist kein Entrepreneur. Wer beide hat, kann Dinge bewegen. Dieser Test macht aus der Theorie zehn konkrete Fragen.
So funktioniert der MARES-Selbsttest
Bewerte dich bei jeder Frage auf einer Skala von 0 (trifft gar nicht zu) bis 10 (trifft voll zu). Sei dabei schonungslos ehrlich – Selbstüberschätzung ist hier dein größter Feind.
Noch besser: Bitte zwei oder drei Leute aus deinem Umfeld, die Einschätzung für dich zu machen. Die Lücke zwischen Selbstbild und Fremdbild ist oft der aufschlussreichste Teil des ganzen Tests. Genau das zeigt auch die psychologische Forschung: Die Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger wiesen 1999 nach, dass Menschen mit begrenzter Kompetenz in einem Bereich besonders dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen – während echte Experten sich eher unterschätzen. Für Unternehmer ist das ein ernstes Risiko, weil falsche Selbsteinschätzung direkt zu strategischen Fehlentscheidungen führt.
Teil 1: Kannst du Chancen erkennen? (Fragen 1–5)
Die ersten fünf Fragen messen dein Visionspotenzial – deine Fähigkeit, Geschäftsmöglichkeiten zu sehen, wo andere Routine oder Probleme sehen. Schumpeter nannte das die Fähigkeit zum „Erkennen neuer Möglichkeiten“. Ohne sie bleibt jedes Business eine Kopie.
Frage 1: Kreavtivität
Hast du laufend Ideen? Fallen dir oft ungewöhnliche Lösungen ein? Denkst du regelmäßig „Out of the Box“ – oder verlässt du dich auf bewährte Wege?
Kreativität ist kein Nice-to-have, sondern das Fundament. Hier geht es nicht um künstlerische Kreativität, sondern um die Fähigkeit, bestehende Dinge neu zu kombinieren und Lücken im Markt zu sehen.
Frage 2: Neugierde
Gehst du den Dingen auf den Grund? Willst du verstehen, wie Geschäftsmodelle funktionieren, warum bestimmte Produkte erfolgreich sind und andere nicht?
Neugierige Menschen entdecken Trends, bevor sie Mainstream werden, und verstehen Kundenbedürfnisse, bevor sie ausgesprochen werden.
Frage 3: Offenheit für Neues
Kannst du dich von vertrauten Mustern lösen? Bist du geistig unabhängig genug, um Dinge unvoreingenommen zu betrachten – auch wenn sie deiner bisherigen Erfahrung widersprechen?
Offenheit ist die Voraussetzung dafür, disruptive Chancen zu erkennen. Wer mental in seiner Branche feststeckt, übersieht genau die Möglichkeiten, die den größten Hebel hätten.
Frage 4: Problemlösungsfähigkeit
Kannst du Probleme gut strukturieren? Bist du analytisch stark? Schaffst du es, Komplexität auf das Wesentliche zu reduzieren?
Jedes Unternehmen löst ein Problem. Wer Probleme nicht sauber zerlegen kann, entwickelt Produkte, die am Markt vorbeigehen.
Frage 5: Vernetztheit und Zugang zu neuem Wissen
Kennst du viele unterschiedliche Menschen? Erfährst du von Trends und neuen Entwicklungen früher als andere?
Netzwerke sind der am meisten unterschätzte Faktor bei Gründungen. Unternehmer mit diversem Netzwerk erkennen mehr Geschäftsmöglichkeiten als solche, die nur in ihrer eigenen Blase unterwegs sind.
Zwischenergebnis: Zähle deine Punkte aus den Fragen 1 bis 5 zusammen. Maximal sind 50 Punkte möglich. Dieser Wert zeigt dein Visionspotenzial.
Teil 2: Kannst du Chancen durchsetzen? (Fragen 6–10)
Die besten Ideen sind wertlos, wenn niemand sie umsetzt. Schumpeter brachte es auf den Punkt: Die schönsten Visionen scheitern am Widerstand des Status quo, wenn kein Umsetzer sie in die Hand nimmt. Die zweite Hälfte des Tests misst genau diese Durchsetzungskraft.
Frage 6: Leistungsmotivation
Macht es dir Freude, Spitzenleistungen zu erbringen? Kannst du andere begeistern und mitreißen? Strahlst du positive Energie aus – auch wenn es anstrengend wird?
Leistungsmotivation ist der Motor, der dich durch die ersten Jahre trägt. Ohne echte Freude an der Leistung selbst – nicht nur am Ergebnis – geht dir irgendwann die Luft aus.
Frage 7: Beharrlichkeit
Wirst du mit Rückschlägen gut fertig? Spornt dich Widerstand an, statt dich zu lähmen? Hältst du Durststrecken gut aus?
Beharrlichkeit ist keine Sturheit. Es bedeutet, den Kurs zu halten, wenn es unbequem wird, und gleichzeitig flexibel genug zu bleiben, um den Weg anzupassen.
Frage 8: Risikoakzeptanz
Kannst du mit Risiken leben? Bewahrst du Ruhe, wenn es eng wird? Bist du in der Lage, Risiken kühl zu kalkulieren?
Erfolgreiche Unternehmer sind keine Zocker. Sie gehen kalkulierte Risiken ein – mit offenen Augen, einem Plan B und der Fähigkeit, auch unter Druck rational zu bleiben.
Frage 9: Flexibilität
Hältst du es aus, wenn sich plötzlich alles ändert? Kannst du pragmatisch umdenken und improvisieren?
Geschäftsmodelle, die am Reißbrett perfekt aussehen, treffen auf eine Realität, die sich nicht an den Businessplan hält. Wer nicht pivoten kann, verliert.
Frage 10: Innovations-Leadership
Bist du fit in Methoden rund um Strategie, Marketing und Finanzierung von Innovationen? Beherrschst du Konzepte wie Lean Startup, Business Model Canvas oder agile Entwicklung?
Diese Frage misst kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern erlernbares Handwerkszeug – und genau hier kannst du am schnellsten aufholen.
Zwischenergebnis: Zähle deine Punkte aus den Fragen 6 bis 10 zusammen. Auch hier sind maximal 50 Punkte möglich. Dieser Wert zeigt deine Durchsetzungskraft.

Die Auswertung: Welcher Unternehmertyp bist du?
Trage deine beiden Werte in ein Koordinatensystem ein: Die waagerechte Achse zeigt deine Durchsetzungskraft (Fragen 6–10), die senkrechte dein Visionspotenzial (Fragen 1–5). Die Grenze liegt bei jeweils 25 Punkten. Daraus ergeben sich vier Typen:
Visionär (hohes Visionspotenzial, niedrige Durchsetzung): Du sprudelst vor Ideen, siehst Chancen überall und denkst groß. Dein Problem: Die Umsetzung bleibt auf der Strecke. Du brauchst entweder einen starken Co-Founder, der die Execution übernimmt, oder du musst gezielt an deiner Umsetzungskompetenz arbeiten.
Durchsetzer (niedriges Visionspotenzial, hohe Durchsetzung): Du bist ein Macher – wenn du einmal loslegst, ziehst du durch. Aber dir fehlen oft die zündenden Ideen oder der Blick für den großen Trend. Suche dir Visionäre als Partner oder investiere bewusst in Kreativitätstechniken und branchenübergreifende Netzwerke.
Entrepreneur (hohes Visionspotenzial, hohe Durchsetzung): Du erkennst Chancen UND setzt sie um. Das ist die seltenste Kombination – und die wirkungsvollste. Aber Vorsicht vor Selbstüberschätzung: Lass dein Ergebnis unbedingt von anderen überprüfen.
Verwalter (niedriges Visionspotenzial, niedrige Durchsetzung): Du bist weder besonders visionär noch besonders durchsetzungsstark. Das ist kein Urteil, sondern ein Startpunkt. Entweder investierst du gezielt in beide Bereiche, oder deine Stärken liegen woanders – etwa in Fachexpertise, Organisation oder operativer Exzellenz.
Was du mit dem Ergebnis anfängst
Der Test zeigt Stärken und Lücken – aber kein Schicksal. Entscheidend ist, was du jetzt damit machst.
Persönlichkeitseigenschaften wie Neugierde oder Beharrlichkeit gelten in der Psychologie als relativ stabil. Du wirst dich hier nicht über Nacht verändern. Aber „stabil“ heißt nicht „unveränderlich“. Gezieltes Coaching, neue Umfelder und bewusste Reflexion bringen graduelle Verbesserungen. Auch Franke bestätigt: Coachings und Leadership-Seminare können Blockaden lösen.
Fähigkeiten und Methoden wie Innovations-Leadership lassen sich schnell und effektiv aufbauen. Bücher, Kurse, Weiterbildungen, Mentoring – hier gibt es keine Ausreden. Wer Lean Startup nicht versteht, kann es lernen. Wer kein Netzwerk hat, kann eins aufbauen.
Der Fremdbild-Check ist Pflicht. Bitte Freunde oder Kollegen um ihre Einschätzung. Die meisten Menschen überschätzen sich systematisch. Je früher du das korrigierst, desto weniger Geld und Zeit verbrennst du.
Teams schlagen Einzelkämpfer. Kein Mensch muss alle zehn Dimensionen auf Topniveau abdecken. Erfolgreiche Gründungen entstehen fast immer in Teams, die sich ergänzen. Ein Visionär plus ein Durchsetzer ergibt zusammen einen stärkeren Entrepreneur als die meisten Einzelkämpfer. Auch ein Gespann aus beiden kann laut Franke sehr erfolgreich sein – sofern die Zusammenarbeit eng und vertrauensvoll ist.
Das Fazit
Unternehmertum ist keine Frage von Talent oder Zufall. Es ist eine Kombination aus Eigenschaften und Fähigkeiten – manche davon tief verankert, andere erlernbar. Dieser Test gibt dir eine ehrliche Standortbestimmung. Nicht mehr, nicht weniger.
Wer sich nicht traut, ehrlich hinzuschauen, wird auch nicht wissen, woran er arbeiten muss. Und wer nicht weiß, woran er arbeiten muss, verbrennt Zeit und Geld mit den falschen Prioritäten.
Also: Stift raus, zehn Fragen beantworten, Punkte zusammenzählen. Es dauert zehn Minuten – und kann dir Jahre ersparen.
WU Executive Academy – Bin ich ein/e Entrepreneur/in? Mach den Selbsttest!
der brutkasten – Bin ich ein Entrepreneur? Der 10-Punkte Selbsttest
TOP 100 – Bin ich ein Entrepreneur? Der 10-Punkte-Selbsttest
Joseph Schumpeter – Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1911), Nachdruck Duncker & Humblot, Berlin 1987
Gabler Wirtschaftslexikon – Schumpeter-Unternehmer: Definition
Dunning, D. & Kruger, J. – Unskilled and Unaware of It: How Difficulties in Recognizing One’s Own Incompetence Lead to Inflated Self-Assessments (Journal of Personality and Social Psychology, 1999, Vol. 77, No. 6)












