Coinbase-Chef Brian Armstrong stellt die Regeln für Privatinvestitionen in den USA radikal infrage. Seine Forderung: Nicht der Kontostand, sondern das Finanzwissen sollte darüber entscheiden, wer in vielversprechende Private-Market-Deals investieren darf. Die derzeitige Regelung verhindere systematisch, dass Menschen ohne bestehendes Vermögen reich werden können – ein System, das Armstrong als „regressiv“ und grundlegend unfair bezeichnet.

Warum die aktuellen Regeln Vermögensaufbau verhindern

Die SEC definiert einen „Accredited Investor“ derzeit über klare Vermögensschwellen: ein Nettovermögen von über einer Million Dollar oder ein Jahreseinkommen von mindestens 200.000 Dollar. Diese Grenzen stammen aus dem Jahr 1982 und wurden kaum an Inflation oder moderne Marktbedingungen angepasst. Armstrong kritisiert genau diese Logik scharf: „Nur reiche Menschen können Geld investieren, um noch reicher zu werden“, sagte er in einem CNBC-Interview. Das System sei unfair konstruiert und schließe fähige Investoren systematisch aus.

Die Folge: Private-Market-Investitionen, die oft die höchsten Renditen versprechen, bleiben einer wohlhabenden Elite vorbehalten. Wer kein ererbtes Vermögen hat, bleibt außen vor – unabhängig von Finanzwissen oder Risikobereitschaft. Das Cato Institute argumentiert in einer Stellungnahme, dass diese Regelung Vermögensungleichheit verstärkt, statt sie zu reduzieren. Während vermögende Anleger Zugang zu lukrativen Start-up-Beteiligungen und Private-Equity-Deals haben, müssen sich Normalverdiener mit öffentlichen Märkten begnügen.

Finanzwissen statt Kontostand als Zugangskriterium

Armstrongs Lösungsvorschlag ist konkret: Ein Finanzwissenstest sollte die Vermögensschwellen ersetzen. Wer nachweislich versteht, wie Märkte funktionieren und welche Risiken private Investments bergen, sollte investieren dürfen – unabhängig vom Einkommen. Gleichzeitig fordert er strengere Strafen für Betrug: „Wenn jemand absichtlich wesentliche Fakten falsch darstellt und Investoren betrügt, sollte diese Person ins Gefängnis“, so Armstrong. Seine Vision verbindet also breiteren Zugang mit schärferen Schutzmechanismen.

Die SEC hat bereits 2021 angekündigt, die Schwellenwerte zu überprüfen. Das US-Repräsentantenhaus verabschiedete 2023 mehrere Gesetzentwürfe, die wissensbasierte Zugangswege erweitern würden. Doch konkrete Reformen lassen auf sich warten. Die Debatte dreht sich um die Kernfrage: Ist Vermögen wirklich ein verlässlicher Indikator für Finanzsophistikation? Kritiker sagen nein – und verweisen darauf, dass die aktuelle Regelung Menschen mit ererbtem Reichtum automatisch qualifiziert, während selbst hochqualifizierte Finanzexperten mit niedrigerem Einkommen ausgeschlossen bleiben.

Crypto-Märkte als Testfeld für neue Zugangswege

Armstrongs Vorstoß ist kein Zufall – er passt in Coinbases breitere Strategie, US-Finanzgesetze für digitale Märkte zu modernisieren. Krypto-Assets sind besonders betroffen, da viele Token-Angebote unter die Accredited-Investor-Regeln fallen. Das schließt Millionen potenzielle Investoren von einem wachsenden Markt aus, während institutionelle Player und Vermögende früh einsteigen können.

Die Coinbase-Position lautet: Gleiche Spielregeln für alle, aber mit klaren Schutzmechanismen. Armstrong betont, dass Betrugsbekämpfung und Transparenzpflichten verschärft werden müssen – nicht gelockert. Sein Ansatz zielt auf ein System, das Innovation fördert und gleichzeitig Anleger schützt, ohne dabei Zugangshürden zu schaffen, die nichts mit Kompetenz zu tun haben.

Carta, eine Plattform für Private-Market-Investments, weist darauf hin, dass die SEC bereits einige wissensbasierte Qualifikationen anerkennt – etwa bestimmte Finanzlizenzen wie Series 7 oder Series 65. Diese könnten als Blaupause für einen erweiterten Zugang dienen. Die Herausforderung liegt darin, ein System zu schaffen, das Schutz bietet, ohne paternalistisch zu werden.

Wenn Chancengleichheit auf Anlegerschutz trifft

Die Regulierungsbehörden verteidigen die bestehenden Regeln mit dem Argument, dass Private Markets weniger transparent und riskanter sind als öffentliche Börsen. Investoren müssten „für sich selbst sorgen können“, heißt es in SEC-Dokumenten. Doch diese Logik greift zu kurz, wenn Vermögen als einziger Maßstab für diese Fähigkeit gilt.

Armstrongs Intervention könnte den Reformdruck erhöhen. Seine Argumentation verbindet wirtschaftliche Fairness mit praktischen Überlegungen zur Kapitalbildung: Wenn talentierte Menschen früher in wachstumsstarke Unternehmen investieren können, profitiert nicht nur der Einzelne, sondern die gesamte Innovationsökonomie. Die Frage ist nicht, ob Schutzregeln nötig sind – sondern ob die aktuellen Regeln die richtigen Kriterien anwenden.

investor.gov – Updated Investor Bulletin: Accredited Investors

sec.gov – Accredited Investors

YouTube/CNBC – Coinbase CEO Brian Armstrong Interview

cato.org – Sophistication or Discrimination: How the Accredited Investor Definition Unfairly Limits Access to Investment Opportunities

carta.com – Accredited Investors: Definition, Requirements, and Recent Changes