Der S&P 500 markiert einen Höchststand nach dem anderen, und die Euphorie an der Wall Street scheint grenzenlos. Doch während die großen Tech-Konzerne die Schlagzeilen dominieren, formiert sich bereits eine zweite Welle von Profiteuren der Künstlichen Intelligenz. Diese Unternehmen verdienen nicht nur mit KI-Versprechen, sondern setzen die Technologie bereits gewinnbringend ein.
Wenn wenige Giganten den Markt tragen
Die US-Börsen erleben derzeit eine bemerkenswerte Phase. Allein im Mai verzeichnete der S&P 500 elf neue Höchststände. Doch diese Rallye steht auf einem schmalen Fundament: Die Sektoren Technologie und Kommunikation machen zusammen knapp die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung des Index aus. Diese extreme Konzentration überdeckt derzeit schwächere Signale wie eine gedämpfte Verbraucherstimmung, steigende Ölpreise und zunehmenden Inflationsdruck.
Die Berichtssaison für das erste Quartal brachte zusätzlichen Schwung. Analysten schrauben ihre Gewinnschätzungen kontinuierlich nach oben. Allerdings konzentrieren sich diese Aufwärtsrevisionen seit Jahresbeginn hauptsächlich auf die Tech-Riesen. Diese Abhängigkeit birgt ein Risiko: Wenn wenige Titel die Indexentwicklung bestimmen, können Rückschläge einzelner Marktführer schnell eine Abwärtsbewegung auslösen.
JP Morgan sieht den S&P 500 bei 9.000 Punkten
Die Strategen der US-Großbank JP Morgan bewerten die aktuelle Marktkonzentration als gesund. Sie skizzieren ein Szenario, in dem der S&P 500 bis Mitte 2027 auf 9.000 Punkte steigt – ein Plus von rund 20 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Der Schlüssel zu diesem Wachstum liegt in einer deutlich breiteren wirtschaftlichen Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Bislang profitiert vor allem der Tech-Sektor. Der Weg zu 9.000 Punkten führt laut JP Morgan über den Technologiesektor hinaus. Entscheidend sei eine breite KI-Adoption über viele Branchen hinweg – von der Industrie über das Gesundheitswesen bis hin zu Dienstleistungen.
Der Gewinnzyklus erreicht neue Dimensionen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Weltweit beschleunigte sich das Gewinnwachstum der Unternehmen von 15,3 Prozent im vierten Quartal auf 22,6 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres. Das ist der höchste Wert seit mehr als vier Jahren. Diese Dynamik wird durch massive Investitionen gestützt.
Die großen Cloud-Anbieter wie Alphabet und Microsoft investieren 2026 mehr als 750 Milliarden Dollar in KI-bezogene Infrastruktur. Bis zum kommenden Jahr könnte dieser Betrag auf rund 1,16 Billionen Dollar steigen. Dieses Kapital fließt nicht nur in Chips und Rechenzentren, sondern auch in Stromnetze, Kühlsysteme, Bauprojekte und zahlreiche angrenzende Industrien.
Diese gewaltigen Summen schaffen neue Geschäftsfelder weit über den engen Tech-Sektor hinaus. Unternehmen aus traditionellen Branchen positionieren sich zunehmend als Profiteure dieser Entwicklung.
Wo die zweite Welle bereits Gewinne generiert
Die zweiten Gewinner des KI-Booms sitzen in Bereichen, die auf den ersten Blick wenig mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben. Der britische IT-Systemanbieter Computacenter beispielsweise vermittelt Hard- und Software zwischen Hersteller und Endverbraucher. Die US-Expansion des Unternehmens zahlt sich aus: Computacenter bestückt die neuen Rechenzentren vieler Tech-Konzerne mit Hardware und garantiert den Service. Ein Geschäft mit hohem Potenzial, wie die geplanten Investitionen zeigen.
Auch Versicherungskonzerne setzen massiv auf KI. Die Allianz investiert Milliarden in die Digitalisierung, um KI konzernweit in mehr als 900 Anwendungsfällen zu etablieren. Die Strategie umfasst gezielte Investitionen in Technologie-Partnerschaften, eigene Produktentwicklungen sowie den Aufbau von KI-Kompetenzen in der Belegschaft. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich bei der Münchner Rück, der französischen SCOR oder dem norwegischen Finanzkonzern Storebrand.
Wo echte Wertschöpfung entsteht
Die erste Reihe der Tech-Giganten wie Amazon und Microsoft bleibt attraktiv. Doch die zweite Welle bietet interessante Chancen, weil hier bereits heute mit KI bares Geld verdient wird. Diese Unternehmen profitieren von den massiven Investitionen der Tech-Konzerne, ohne selbst die hohen Entwicklungskosten tragen zu müssen.
Die breite Adoption von KI über verschiedene Branchen hinweg verteilt die Gewinnchancen auf mehr Schultern. Das macht den Markt insgesamt stabiler und eröffnet Investoren neue Möglichkeiten jenseits der bekannten Tech-Namen. Wer frühzeitig die Unternehmen identifiziert, die KI produktiv einsetzen statt nur darüber zu sprechen, positioniert sich für die nächste Phase des Aufschwungs.
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