Das Münchner Startup Feldwerke hat sich eine revolvierende Kreditlinie über 12 Millionen Euro gesichert. Mit dem Fremdkapital eines französischen Debt Funds will das 2023 gegründete Unternehmen in den kommenden 18 Monaten ein Agri-Photovoltaik-Portfolio von rund 100 Megawatt aufbauen. Die Finanzierung zeigt: Die Verbindung von Landwirtschaft und Solarenergie wird für Investoren zunehmend attraktiv.
Fremdkapital als Wachstumshebel für Agri-PV
Feldwerke setzt auf ein Finanzierungsmodell, das in der Projektentwicklung besonders flexibel ist. Die revolvierende Kreditlinie ermöglicht es dem Unternehmen, Kapital nach Abschluss einzelner Projekte erneut einzusetzen. Dieser Mechanismus beschleunigt den Aufbau der Projektpipeline, ohne dass bei jedem neuen Vorhaben eine separate Finanzierungsrunde notwendig wird.
Der französische Debt Fund, der als Kapitalgeber fungiert, ist auf erneuerbare Energien spezialisiert. Für Feldwerke bedeutet diese Partnerschaft nicht nur frisches Kapital, sondern auch Zugang zu einem Netzwerk, das die Skalierung in Europa erleichtern kann. Die Wahl von Fremdkapital statt Eigenkapital ist für Projektentwickler typisch: Sie bewahrt die Eigentümerstruktur und bindet Investoren an konkrete Projekte statt an das gesamte Unternehmen.
Von 20 auf 100 Megawatt in Rekordzeit
In den ersten zweieinhalb Jahren seines Bestehens hat Feldwerke bereits 20 Megawatt Agri-PV-Leistung realisiert. Diese Basis dient nun als Sprungbrett für das ambitionierte Ziel, innerhalb von 18 Monaten weitere 100 Megawatt zu installieren. Das entspricht einer Verfünffachung der bisherigen Leistung in deutlich kürzerer Zeit. Die Projektpipeline mit über 400 Megawatt in Entwicklung deutet darauf hin, dass das Unternehmen die notwendigen Grundstücke und Genehmigungsverfahren bereits weit vorangetrieben hat. Ohne diese Vorbereitung wäre das aggressive Ausbauziel kaum realistisch. Feldwerke profitiert dabei von einem Geschäftsmodell, das Landwirte als Partner gewinnt: Die Flächen bleiben weiterhin für Ackerbau oder Beweidung nutzbar, während gleichzeitig Solarstrom produziert wird.
Agri-PV als Antwort auf Flächenkonkurrenz
Die Technologie hinter dem Geschäftsmodell ist einachsige Nachführung. Die Solarmodule folgen dem Sonnenstand und optimieren so den Energieertrag. Gleichzeitig bleiben zwischen und unter den Modulen ausreichend Raum und Licht für landwirtschaftliche Nutzung. Diese Doppelnutzung löst ein zentrales Problem der Energiewende: die Konkurrenz um Flächen.
Während klassische Freiflächenanlagen landwirtschaftliche Flächen komplett versiegeln, ermöglicht Agri-PV eine symbiotische Nutzung. Landwirte erhalten eine zusätzliche Einnahmequelle, ohne ihre Produktion aufgeben zu müssen. Für Regionen mit hohem Flächendruck ist das ein überzeugendes Argument. Feldwerke gibt an, dass die meisten landwirtschaftlich genutzten Flächen grundsätzlich geeignet sind, sofern sie nicht in bestimmten Naturschutzgebieten liegen.
Die wirtschaftliche Schwelle liegt laut Unternehmensangaben bei etwa 2,5 Hektar in Hofnähe, bei Grünland ab 5 Hektar und bei Ackerflächen ab 10 Hektar. Kleinere privilegierte Anlagen können in etwa vier Monaten genehmigt werden, größere Projekte erfordern Bauleitplanverfahren mit entsprechenden Gutachten und Beteiligungsverfahren. Diese Unterschiede prägen die Projektplanung und erklären, warum Feldwerke parallel an verschiedenen Projektgrößen arbeitet.
Das Gigawatt-Ziel bis 2030
Feldwerke hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 mehr als ein Gigawatt installierte Agri-PV-Leistung aufzubauen. Vom aktuellen Stand von 20 Megawatt aus betrachtet, bedeutet das eine Verzigfachung innerhalb von sechs Jahren. Die Projektpipeline von über 400 Megawatt zeigt, dass das Unternehmen die notwendigen Schritte bereits eingeleitet hat. Dennoch bleibt das Ziel ambitioniert, denn die Skalierung hängt nicht nur von Kapital ab, sondern auch von Genehmigungen, Netzanschlüssen und der Verfügbarkeit geeigneter Flächen.
Die Finanzierungsstruktur mit der revolvierenden Kreditlinie ist für dieses Ziel gut geeignet. Sie erlaubt es, Kapital dynamisch einzusetzen und Projekte nacheinander zu realisieren, ohne auf große Eigenkapitalrunden angewiesen zu sein. Für Investoren ist dieses Modell attraktiv, weil es an konkrete Assets gebunden ist und nicht an die Bewertung des Startups als Ganzes. Für Feldwerke bedeutet es Geschwindigkeit und Unabhängigkeit.
Marktpotenzial und Wettbewerb in Europa
Der europäische Markt für Agri-PV wächst, getrieben von politischen Zielen zur Energiewende und steigendem Bewusstsein für Flächeneffizienz. Deutschland hat mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz Rahmenbedingungen geschaffen, die Agri-PV fördern. Dennoch ist der Markt noch jung, und viele Landwirte sind mit der Technologie nicht vertraut. Hier liegt eine Chance für Unternehmen wie Feldwerke, die nicht nur Anlagen bauen, sondern auch Aufklärungsarbeit leisten.
Wettbewerber existieren sowohl auf regionaler als auch auf internationaler Ebene. Feldwerke differenziert sich durch den Fokus auf einachsige Nachführsysteme und durch die Betonung der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit. Das Unternehmen positioniert sich als Partner der Landwirte, nicht als reiner Projektentwickler. Diese Haltung ist entscheidend, denn ohne die Akzeptanz der Landwirte bleibt das Geschäftsmodell Theorie.
Die Expansion nach Europa ist bereits angelegt. Die Wahl eines französischen Debt Funds als Kapitalgeber deutet darauf hin, dass Feldwerke den französischen Markt im Blick hat. Frankreich hat ähnliche Flächenprobleme wie Deutschland und bietet gute Voraussetzungen für Agri-PV. Auch andere europäische Länder könnten folgen, sofern die regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen.
Warum Agri-PV für Landwirte funktioniert
Landwirte stehen unter Druck: Klimawandel, volatile Preise und regulatorische Anforderungen machen die Landwirtschaft zunehmend herausfordernd. Agri-PV bietet eine zusätzliche Einnahmequelle, ohne dass die landwirtschaftliche Produktion aufgegeben werden muss. Die Solarmodule können sogar Schutz bieten, etwa vor Hagel oder extremer Sonneneinstrahlung, was in heißen Sommern die Erträge stabilisieren kann.
Feldwerke übernimmt die Planung, Finanzierung und den Bau der Anlagen. Für Landwirte bedeutet das: kein Kapitaleinsatz, kein operatives Risiko, aber eine langfristige Pacht oder Beteiligung an den Erträgen. Dieses Modell senkt die Einstiegshürden und macht Agri-PV auch für kleinere Betriebe interessant. Die Herausforderung liegt in der Kommunikation: Viele Landwirte sind skeptisch gegenüber neuen Technologien und fürchten Einschränkungen ihrer Bewirtschaftung.
Die nächsten Schritte für Feldwerke
Mit der Finanzierung im Rücken wird Feldwerke in den kommenden Monaten die Umsetzung der 100-Megawatt-Pipeline vorantreiben. Die ersten Projekte sind bereits in der Bauphase, weitere werden folgen. Die Geschwindigkeit, mit der das Unternehmen skaliert, wird zeigen, ob das Geschäftsmodell auch unter Wachstumsdruck funktioniert. Genehmigungsverfahren, Netzanschlüsse und Baukapazitäten sind die kritischen Engpässe, die es zu managen gilt.
Parallel dazu wird Feldwerke seine Präsenz in Europa ausbauen. Die Partnerschaft mit dem französischen Debt Fund ist ein erster Schritt, weitere Märkte könnten folgen. Die Frage ist, ob das Unternehmen seine operative Exzellenz über Ländergrenzen hinweg replizieren kann. Jeder Markt hat eigene regulatorische Besonderheiten, und lokale Netzwerke sind entscheidend für den Erfolg.
Die Konkurrenz wird ebenfalls wachsen. Wenn Feldwerke zeigt, dass Agri-PV profitabel skalierbar ist, werden andere Akteure folgen. Der Vorsprung liegt in der Projektpipeline und in der Erfahrung, die das Unternehmen in den ersten Jahren aufgebaut hat. Diese Vorteile gilt es zu verteidigen und auszubauen.
Wenn Landwirtschaft und Energie verschmelzen
Feldwerke steht exemplarisch für eine neue Generation von Energieunternehmen, die Sektorengrenzen überwinden. Die Verbindung von Landwirtschaft und Solarenergie ist mehr als eine technische Spielerei – sie ist eine pragmatische Antwort auf reale Probleme. Flächenknappheit, Klimawandel und Energiesicherheit sind Herausforderungen, die isolierte Lösungen überfordern. Agri-PV zeigt, dass Doppelnutzung funktioniert, wenn sie intelligent umgesetzt wird.
Die Finanzierungsrunde ist ein Vertrauensbeweis von Investoren, die auf die Skalierbarkeit des Modells setzen. Die kommenden 18 Monate werden zeigen, ob Feldwerke seine Versprechen einlösen kann. Für die Energiewende und für die Landwirtschaft wäre es ein Gewinn, wenn das Unternehmen Erfolg hat. Denn Agri-PV könnte ein Baustein sein, der beiden Sektoren hilft, ihre Zukunft nachhaltiger zu gestalten.
pv-magazine.de – Feldwerke sichert sich 12 Millionen Euro für 100 Megawatt Agri-Photovoltaik-Portfolio
startbase.de – Feldwerke sichert sich 12 Millionen Euro Finanzierung für Ausbau von Agri-PV-Anlagen
munich-startup.de – Feldwerke: 12 Millionen Euro für Agri-PV
forbes.at – Under 30 Update: Feldwerke erhält 12 Mio. € für Agri-PV-Ausbau
feldwerke.de – Lösung – Agri-PV
photovoltaik.sh – Feldwerke sichert 12 Millionen Euro für den Ausbau von Agri-Photovoltaik in Europa
(c) Foto – Feldwerke












