Gerresheimer, ein Anbieter von Verpackungen für die Pharmaindustrie, trennt sich von zwei Geschäftsbereichen. Das Düsseldorfer Unternehmen veräußert seine US-Tochter Centor und das globale Geschäft mit kunststoffbasierten Primärverpackungen (Primary Packaging Plastics, PPP) an den Finanzinvestor Apax Partners. Der Verkauf soll Gerresheimer finanziellen Spielraum verschaffen und dem Abbau des Schuldenbergs dienen.

Die Börse quittierte diese Nachricht mit einem Kursanstieg der Gerresheimer-Aktie von zeitweise rund 20 Prozent.

Strategische Neuordnung zur Entschuldung

Der Gesamtverkaufswert beider Sparten beläuft sich auf rund 1,5 Milliarden Euro; diese Zahl beinhaltet auch Schulden. Die Sparten erzielten im Geschäftsjahr 2025 einen kombinierten Umsatz von etwa 570 Millionen Euro und beschäftigen zusammen rund 2.400 Mitarbeiter an 16 Standorten.

Uwe Röhrhoff, Vorstandschef von Gerresheimer, erklärt, die Transaktion verschaffe dem Unternehmen unternehmerische Handlungsspielräume. Zuvor gab es eine Rüge der BaFin wegen vorzeitig verbuchter Umsätze und eine Verzögerung des Jahresabschlusses. Gerresheimer wies zuletzt eine Gesamtverschuldung von rund 1,9 Milliarden Euro aus; für 2025 wurde ein Nettoverlust von 318 Millionen Euro berichtet, nachdem Abschreibungen von mehr als einer halben Milliarde Euro berücksichtigt wurden.

Centor, das Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA produziert, wurde vor elf Jahren für 725 Millionen US-Dollar übernommen. Das PPP-Geschäft umfasst weltweite Primärverpackungen aus Kunststoff und betreibt 15 Fabriken in neun Ländern. Gerresheimer zielt darauf ab, durch die Veräußerung die Bilanz zu entlasten und sich stärker auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren.

Apax Partners setzt auf Wachstum

Apax Partners übernimmt die Sparten mit dem Ziel, sie als eigenständige Unternehmen weiterzuentwickeln. Mehmet Tar von Apax betont, als unabhängiges Unternehmen, das von den Apax-Fonds unterstützt wird, werde das Geschäft Kapital haben, um in Kapazitäten, Innovation und die Expansion in den USA zu investieren. Apax-Partner Anders Meyerhoff ergänzt, es gehe darum, ein eigenständiges Unternehmen aufzubauen, das für langfristiges Wachstum aufgestellt ist.

Bereits im Frühjahr unterbreitete der US-Konzern Silgan Übernahmeavancen für Gerresheimer, die jedoch zurückgewiesen wurden.

Transaktionsdetails und Zeitplan

Die Veräußerung ist in zwei unabhängige Transaktionen unterteilt. Der Abschluss des Centor-Verkaufs wird bis Ende des Finanzjahres 2026 erwartet. Für den Verkauf des globalen PPP-Geschäfts rechnet Gerresheimer mit einem Abschluss in der ersten Hälfte des Finanzjahres 2027. Beide Verkäufe stehen unter dem Vorbehalt der üblichen Abschlussbedingungen sowie regulatorischer Genehmigungen.

KPMG warnte, der Verkauf sollte bis Ende 2026 abgeschlossen werden, um das Risiko einer Intervention von Gläubigern zu minimieren.

Marktreaktion und Ausblick

Die Ad-hoc-Mitteilung über die Verkaufsvereinbarung wurde am 29. Juli 2026 veröffentlicht. Daraufhin stieg der Kurs der Gerresheimer-Aktie zeitweise um rund 20 Prozent; der Handelstag schloss mit einem Plus von 10,55 Prozent bei 29,34 Euro.

Die Kursreaktion deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer diese Nachricht in Zusammenhang mit dem angekündigten Schuldenabbau und der strategischen Neuausrichtung positiv bewerteten. Marktteilnehmer und Investoren beobachten, wie Gerresheimer die Verkaufserlöse genau verwendet und wie sich die Entscheidungen auf die langfristige Profitabilität auswirken. Ebenso steht die Entwicklung der veräußerten Sparten unter Apax-Führung im Fokus.

Welche weiteren Schritte die Führung unter Uwe Röhrhoff in der Restrukturierung plant, dürfte für die weitere Bewertung des Unternehmens relevant bleiben.