Kentucky wird zum Schauplatz eines wegweisenden Rechtsstreits: Kalshi, Polymarket US und Crypto.com ziehen gemeinsam vor Gericht, um die erste gezielte Bundesstaatssteuer auf Prediction-Market-Transaktionen zu stoppen. Mit einer 14,25-Prozent-Abgabe auf Transaktionsgebühren hat Kentucky eine Regelung geschaffen, die laut den Klägern gegen Bundesrecht verstößt und innovative Märkte gezielt benachteiligt. Dieser Fall könnte die Zukunft der Prediction-Economy in den USA grundlegend prägen.
Erste staatliche Steuer auf Prediction Markets löst Koalition aus
Im April 2026 verabschiedete die Kentucky General Assembly ein Steuerpaket, das Prediction Markets erstmals wie klassisches Glücksspiel behandelt. Das Gesetz HB 757 führt eine Excise Tax von 14,25 Prozent auf die Transaktionsgebühren von Prediction-Market-Anbietern ein – ein Satz, der bewusst an die Sportwettensteuer des Bundesstaates angelehnt ist. Die Regelung soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten und betrifft alle Plattformen, die Kentucky-Residenten bedienen.
Die betroffenen Unternehmen reagierten mit einer konzertierten Gegenwehr. Unter dem Namen Coalition for Fair Markets reichten KalshiEX LLC, North American Derivatives Exchange Inc. (NADEx) von Crypto.com und QCX LLC von Polymarket US im Juni 2026 Klage beim Franklin Circuit Court ein. Ihr Ziel: Die Steuer soll als verfassungswidrig und durch Bundesrecht präemptiert eingestuft werden, bevor sie überhaupt greift.
Bundesrecht gegen Einzelstaatsinteressen
Die Kläger argumentieren mit einem zentralen Punkt: Kentucky erschafft eine Steuer, die gezielt bundesrechtlich regulierte Derivatebörsen trifft. „No State currently levies a State-specific excise tax of any kind on derivatives transactions that take place on a federally designated exchange“, heißt es in der Klageschrift. Die Koalition sieht darin eine klare Diskriminierung gegenüber anderen Finanzprodukten und Börsen, die keine vergleichbare Sondersteuer zahlen müssen. Kentucky versuche, Regulierung als Besteuerung zu tarnen und damit eine Branche zu belasten, die unter Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) steht. Die Plattformen betonen, dass sie als regulierte Exchanges operieren und nicht als Glücksspielanbieter. Eine einzelstaatliche Steuer, die speziell auf ihre Geschäftsmodelle zielt, untergräbt nach ihrer Ansicht die bundesrechtliche Hoheit über Derivatemärkte. Kalshi warnte öffentlich, die Besteuerung öffentlich regulierter Märkte „just pushes people toward illegal platforms with no oversight and no protections“.
Kentuckys Strategie und ihre Folgen
Kentucky positioniert sich mit seinem Vorstoß als Vorreiter in der fiskalischen Erfassung von Prediction Markets. Das Gesetzespaket umfasst neben HB 757 auch HB 904, das zusätzliche Einschränkungen für staatlich lizenzierte Glücksspielanbieter schafft, die mit Prediction Markets kooperieren wollen. Diese Regelungen traten bereits am 15. Juli 2026 in Kraft. Die Legislative überstimmte sogar Vetos von Gouverneur Andy Beshear, um das Paket durchzusetzen.
Die praktischen Auswirkungen könnten erheblich sein. Die Steuer würde nicht nur Transaktionen innerhalb Kentuckys erfassen, sondern möglicherweise auch Geschäfte von Kentucky-Residenten auf Plattformen außerhalb des Bundesstaates. Das schafft rechtliche Unsicherheiten und könnte andere Staaten ermutigen, ähnliche Modelle zu entwickeln. Für die Prediction-Economy wäre das ein Flickenteppich aus 50 verschiedenen Steuerregimen.
Wegweisender Test für die dezentrale Finanzwirtschaft
Der Rechtsstreit markiert die erste große juristische Auseinandersetzung zwischen US-Bundesstaaten und der aufstrebenden Prediction-Economy. Was in Kentucky entschieden wird, könnte Signalwirkung für die gesamte Branche haben. Gewinnen die Kläger, bleibt die bundesrechtliche Regulierung das Maß aller Dinge. Setzt sich Kentucky durch, öffnet das die Tür für eine Welle einzelstaatlicher Steuern und Einschränkungen.
Die Koalition setzt auf eine klare Botschaft: Prediction Markets sind keine Glücksspielprodukte, sondern innovative Finanzinstrumente mit gesellschaftlichem Nutzen. Sie ermöglichen Risikoabsicherung, Informationsaggregation und transparente Preisfindung für zukünftige Ereignisse. Diese Märkte brauchen einheitliche Rahmenbedingungen, um ihr Potenzial zu entfalten – nicht 50 verschiedene Steuermodelle, die Nutzer in den Untergrund treiben.
Chancen im Regulierungsdschungel erkennen
Trotz der Herausforderung birgt der Fall auch Chancen für die Branche. Die öffentliche Debatte schärft das Bewusstsein für Prediction Markets und ihre Rolle in der modernen Finanzwirtschaft. Unternehmen, die jetzt klare rechtliche Strukturen schaffen und proaktiv mit Regulierungsbehörden zusammenarbeiten, positionieren sich als verlässliche Partner. Die Koalition zeigt, dass die Branche geeint auftreten kann, wenn es darauf ankommt. Wer heute die regulatorischen Grundlagen versteht und nutzt, baut morgen die führenden Plattformen. Kentucky könnte ungewollt zum Katalysator für eine bundesweite Klarstellung werden, die der gesamten Prediction-Economy langfristig nutzt.
abcnews.com – A coalition sues to block Kentucky’s new 14.25% prediction markets tax (Associated Press)
defirate.com – Kalshi, Crypto.com and Polymarket US Sue to Block Kentucky Prediction Market Tax
taxprofblog.aals.org – Kentucky Enacts Excise Tax on Prediction Markets
predictionnews.com – Kalshi, Crypto.com, and Polymarket sue to block Kentucky’s 14.25% prediction market tax












