Bitcoin zeigt Anzeichen einer Bodenbildung, nachdem der Kurs seit fast zwei Monaten um die Marke von 60.000 US-Dollar pendelt. Analysten von Oppenheimer und Fairlead Strategies sehen darin Hinweise auf eine Stabilisierung nach dem tiefsten und längsten Bärenmarkt seit dem FTX-Kollaps 2022. Makrofaktoren wie Zinserwartungen und regulatorische Unsicherheiten belasten weiterhin.
Marktentwicklung und technische Indikatoren
Nach Monaten der Schwäche zeigen die Bitcoin-Preise Anzeichen für eine langfristige Bodenbildung. Der Kurs notiert seit Anfang Juni unter 70.000 US-Dollar und festigt sich seither in der Region um 60.000 US-Dollar. Experten betrachten dieses Niveau historisch als Tiefpunkt in den bisherigen Bitcoin-Zyklen. Derzeit liegt der Bitcoin-Kurs bei etwa 63.718,01 US-Dollar, rund 50 Prozent unter seinem Rekordhoch von 126.000 US-Dollar im Oktober 2025.
Ari Wald, technischer Analyst bei Oppenheimer, konstatiert eine Verlangsamung des Abwärtsdrucks und verweist auf eine bullische Divergenz im wöchentlichen Relative Strength Index (RSI). Er schränkt ein, dass weitere Konsolidierung und ein finales Absinken wie im vierten Quartal 2022 nicht ausgeschlossen werden können. Dennoch sieht er die jüngsten Kursbewegungen als das konstruktivste Signal einer sich entwickelnden Bodenbildung.
Katie Stockton von Fairlead Strategies urteilt, der zyklische Abwärtstrend bei Bitcoin scheine zu reifen. Langfristig überverkaufte Bedingungen deuteten darauf hin, dass eine Stabilisierungsphase begonnen haben könnte. Die 60.000 US-Dollar Marke gilt unter institutionellen Anlegern als psychologische Schwelle.
Der 200-Wochen-Gleitende Durchschnitt, oft als Trennlinie zwischen Bären- und Bullenmarkt herangezogen, liegt bei rund 63.300 US-Dollar. Bitcoin notiert darüber. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei etwa 72.000 US-Dollar; Bitcoin hat diesen Durchschnitt seit November 2025 nicht nachhaltig überschritten.
Read Harvey von Wolfe Research erwartet daher, dass die aktuelle Erholung unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts an Schwung verlieren und in einen neuen Rückgang münden könnte.
Zu- und Abflüsse bei Bitcoin-ETFs
Die Entwicklung der Mittelzuflüsse in die US-Spot-Bitcoin-ETFs liefert uneinheitliche Signale. Im Juni verzeichneten diese Produkte Abflüsse von 4,51 Milliarden US-Dollar, den schwächsten Monat seit ihrer Einführung. Für 2026 sind die kumulierten Zuflüsse erstmals seit dem Start der Produkte ins Minus gerutscht.
Kurzfristig gab es positive Ausschläge. In der Woche vor dem 17. Juli verzeichneten Kryptowährungs-Anlageprodukte Mittelzuflüsse von 716 Millionen US-Dollar, die stärkste Woche seit Anfang Mai.
Die wöchentlichen Bitcoin-ETF-Zuflüsse sanken jedoch von 197,40 Millionen US-Dollar in der Woche bis zum 10. Juli auf 33,79 Millionen US-Dollar am 24. Juli.
Das entspricht einem Rückgang von etwa 83 Prozent seit dem Höchststand im Juli.
Am 24. Juli endete eine Serie von ETF-Zuflüssen abrupt. An diesem Handelstag gab es Abflüsse von 225,2 Millionen US-Dollar aus US-Spot-ETFs.
Richard Galvin, Executive Chairman der Krypto-Investmentfirma DACM, wertet die kurzfristige Umkehrung des Trends nach acht Wochen mit Abflüssen und anschließender teilweiser Erholung dennoch als positives Signal einer möglichen Bodenbildung. ETFs stellen heute ein wichtiges Stimmungsbarometer für den Kryptosektor dar.
Rolle von Walen und Optionsmärkten
Die Aktivität großer Anleger, sogenannter Wale, zeigt Zeichen einer Erholung. Die Anzahl der Wallets mit mindestens 1.000 Bitcoin stieg vom 23. Juli bis zum 26. Juli von 1.263 auf etwa 1.267. Gleichzeitig sank das Kaufvolumen bei Bitcoin seit dem 30. Juni. Die Nettopositionen langfristiger Hodler, die am 24. Mai noch bei 42.301 Bitcoin lagen, fielen bis zum 26. Juli auf 15.766 Bitcoin.
Im Optionsmarkt des iShares Bitcoin Trust (IBIT), dem weltweit größten Spot-Bitcoin-ETF, sind unterschiedliche Erwartungen sichtbar. Für den August-Verfall (21. August 2026) besteht hohes Open Interest bei Put-Positionen an den IBIT-Strikes 35 US-Dollar (37.429 Kontrakte) und 30 US-Dollar (29.860 Kontrakte).
Dies entspricht Bitcoin-Kursäquivalenten von circa 59.800 US-Dollar beziehungsweise 51.300 US-Dollar. Das Premium-Put-Call-Ratio für August liegt bei 4,77, was eine höhere Nachfrage nach Put-Optionen widerspiegelt. Für den September-Verfall (18.
September 2026) dominieren die Put-Positionen bei 30 US-Dollar und 25 US-Dollar. Die Call-Interessen konzentrieren sich bei 45 US-Dollar und 50 US-Dollar.
Makroökonomische Faktoren und regulatorische Unsicherheiten
Die makroökonomische Lage bleibt ein wesentlicher Einflussfaktor. Eine «hawkische» Neubewertung durch die US-Notenbank und ein Ausverkauf bei KI-Aktien hätten das Risikoumfeld belastet, sagt Frank Sohlleder, Analyst bei Activtrades. Die Zinserwartungen verschoben sich Berichten zufolge von einer auf nahezu zwei Leitzinserhöhungen in diesem Jahr, was risikoreichere Anlagen belastet. Auch ein gestiegener Ölpreis und der Konflikt zwischen den USA und dem Iran können über höhere Risikoprämien Einfluss auf Risikoanlagen nehmen, wie Damien Loh (Ericsenz Capital) und andere beobachten.
Auch die Gesetzgebung spielt eine Rolle. Die Aussicht auf ein schnelleres Vorankommen des sogenannten Clarity Act, der die Regulierung digitaler Assets in den USA klären soll, hatte den Bitcoin-Kurs zuvor gestützt. Als die Wahrscheinlichkeit eines schnellen Durchbruchs im Senat sank, fiel der Kurs.
Die entscheidende Abstimmung im US-Senat verzögerte sich wegen eines Streits um eine Ethik-Klausel. US-Finanzminister Scott Bessent sagte, eine Abstimmung könnte bald bevorstehen. Für viele Marktteilnehmer bleibt die regulatorische Unsicherheit ein Thema.
Chris Perkins, Leiter von Franklin Crypto bei Franklin Templeton, beobachtet zugleich, dass der Aufbau institutioneller Strukturen voranschreitet.
Ausblick: Offene Fragen und kommende Termine
Die nächsten Wochen könnten entscheidend sein. Die Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) Ende Juli wird aufmerksam verfolgt. Signale bezüglich Zinssenkungen könnten als Katalysator für eine deutliche Kurserholung wirken.
21Shares hält an einem Basisszenario einer Erholung auf 100.000 US-Dollar bis Ende 2026 fest. Dies setzt voraus, dass die Zinsen gesenkt und der Iran-Konflikt entschärft wird. Historisch ist der August der schwächste Monat für Bitcoin (Median minus 7,87 Prozent). Seit 2022 schloss der August jeweils im Minus.
Eine Rückkehr über den 200-Tage-Durchschnitt bei rund 72.000 US-Dollar gilt als Indikator für eine stärkere Trendumkehr. Ein nachhaltiger Bruch der Marke von 58.000 US-Dollar auf Wochenschlusskursbasis würde nach Ansicht einiger Marktbeobachter die Tür zu weiteren Rückgängen in den Bereich von 50.000 bis 55.000 US-Dollar öffnen.












