Mehr als drei Viertel der Immobilienfinanzierungen in Österreich fließen mittlerweile in Sanierung und Modernisierung statt in Neubauten. Eine aktuelle Studie der Raiffeisen Bausparkasse mit über 2.200 Befragten zeigt, dass nachhaltiges Bauen für 81 Prozent der Österreicher weiterhin hohe Priorität hat – doch bei der Umsetzung hakt es an den Rahmenbedingungen.
Ökologische Materialien verlieren an Strahlkraft, Lebenszyklusdenken gewinnt
Ökologische Baumaterialien bleiben zwar mit 66 Prozent die häufigste Assoziation beim Thema nachhaltiges Bauen, haben im Vierjahresvergleich aber zehn Prozentpunkte eingebüßt. Auch energieeffiziente Systeme verzeichnen einen Rückgang um drei Punkte auf 76 Prozent. Die Präferenz für Sanierung statt Neubau ist von 72 auf 65 Prozent gesunken, bleibt aber deutlich dominant.
Gleichzeitig zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung: 41 Prozent der Befragten denken mittlerweile an lebenszyklusorientiertes Wohnen – ein Konzept, das die sich ändernden Wohnbedürfnisse im Laufe eines Lebens berücksichtigt. Der Wunsch nach kleineren, flächensparenden Wohnformen erreicht 32 Prozent, während ressourcenschonendes Bauen für 63 Prozent bedeutsam bleibt.
„Wohnen im Eigentum ist für immer mehr Menschen eine Entscheidung, die sich im Laufe eines Lebens an sich ändernde Wohnbedürfnisse anpasst“, erklärt Christian Vallant, Geschäftsführer der Raiffeisen Bausparkasse. Das erste Wohneigentum bilde dabei die finanzielle Grundlage für künftige Veränderungen der Wohnform und sichere ein Stück Entscheidungsfreiheit – inklusive Altersvorsorge.
Photovoltaik führt, aber Förderungen hinken hinterher
45 Prozent der Hauseigentümer haben in den vergangenen zwölf Monaten bereits in Energieeffizienz investiert. Photovoltaikanlagen standen dabei an erster Stelle, gefolgt von Dämmmaßnahmen und dem Austausch von Fenstern. Zwei Drittel der Investierenden finanzieren diese Maßnahmen aus Eigenmitteln, was die Bedeutung einer soliden Eigenkapitalbasis unterstreicht.
Die Förderlücke bremst die Investitionsbereitschaft
Hier offenbart sich die zentrale Schwachstelle: Nur 19 Prozent bewerten die Höhe der öffentlichen Förderungen als ausreichend, während 39 Prozent eine Anhebung fordern. Diese Diskrepanz wird besonders brisant, wenn man auf die Zukunftspläne blickt.
Fast sieben von zehn Hauseigentümern ohne aktuelle Investitionen planen in den kommenden fünf Jahren Maßnahmen wie Photovoltaik, Wärmedämmung oder Heizungsumstellungen. Nahezu jede zweite dieser zukünftigen Investitionen hängt von Zuschüssen ab – ein klarer Appell an die Politik, die Förderkulisse auszubauen.
„Die kontinuierlich hohe Bedeutung von Nachhaltigkeit beim Bauen und Wohnen zeigt, dass die Österreicher langfristige Lebensqualität im Blick haben“, so Vallant. Der Trend sei eindeutig: Wer Wohnraum schaffe oder erhalte, wolle Ressourcen schonen und Bestandsobjekte fit für die Zukunft machen.
Bestandsimmobilien werden zum Schlüssel der Wohnraumschaffung
Die Zahlen der Raiffeisen Bausparkasse untermauern diesen Wandel eindrucksvoll. Seit 2022 zeigt sich klar, dass Wohnraumschaffung in Österreich großteils durch Renovierung und Modernisierung von Altbestand erfolgt. In den ersten fünf Monaten 2026 wurden mehr als drei Viertel der Finanzierungsleistung für Kauf oder Renovierung bestehender Immobilien verwendet – ein Anteil, der gegenüber 2025 stabil geblieben ist.
Diese Entwicklung macht deutlich, dass die Revitalisierung bestehender Wohngebäude nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch wirtschaftlich zur tragenden Säule des österreichischen Immobilienmarkts geworden ist. Für euch als Investoren und Eigentümer bedeutet das: Der Fokus auf Bestandsimmobilien mit Sanierungspotenzial verspricht zunehmend attraktive Renditen – vorausgesetzt, die Förderlandschaft wird entsprechend angepasst.
Zeit für politische Weichenstellungen
Die Studie verdeutlicht, dass nachhaltiges Bauen und Wohnen in Österreich tief verankert ist. Die Bereitschaft zur Umsetzung ist vorhanden, die finanziellen Mittel bei vielen Eigentümern ebenfalls. Was fehlt, sind ausreichende öffentliche Anreize, um die Investitionswelle voll zu entfachen.
Für die Immobilienwirtschaft ergibt sich daraus eine klare Handlungsempfehlung: Wer jetzt in energieeffiziente Sanierungen investiert, positioniert sich nicht nur ökologisch zukunftssicher, sondern schafft auch wertstabile Assets in einem Markt, der sich zunehmend vom Neubau wegbewegt. Die Herausforderung liegt darin, Projekte so zu kalkulieren, dass sie auch bei suboptimaler Förderung wirtschaftlich tragfähig bleiben – und gleichzeitig den politischen Druck für bessere Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten.
immofokus.at – Nachhaltiges Bauen und Wohnen – Studie zeigt weiterhin hohe Relevanz (Dagmar Gordon)
weekend.at – Nachhaltigkeit hat hohen Stellenwert
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