Die führende Prediction-Market-Plattform Polymarket sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert: Laut Berichten des Wall Street Journal und anderer Medien soll das Unternehten bezahlte Content-Creator eingesetzt haben, um simulierte Trading-Videos zu produzieren – Videos, die echte Gewinne vortäuschen sollten, obwohl die gezeigten Trades nie stattfanden. Die Enthüllungen werfen grundsätzliche Fragen zur Marketing-Ethik im schnell wachsenden Prediction-Market-Sektor auf.
Inszenierte Gewinne statt echter Trading-Erfolge
Die Vorwürfe wiegen schwer: Polymarket soll Creator beauftragt haben, Videos mit Simulationsseiten zu drehen, die der echten Plattform-Oberfläche täuschend ähnlich sehen. Diese Videos zeigten hohe Gewinne, die in Wirklichkeit nie erzielt wurden. Ein prominentes Beispiel ist der Student George Makihara, dessen Clips einen lukrativen Nebenverdienst durch Polymarket suggerierten – laut Wall Street Journal waren die präsentierten Wetten jedoch nicht legitim. Das Problem: Zuschauer konnten nicht erkennen, dass es sich um inszenierte Inhalte handelte.
Besonders brisant: Einige dieser Videos mussten vor Veröffentlichung von Polymarket freigegeben werden. Die Plattform steuerte die Kampagnen über die Marketingfirma Virality und soll dabei gezielt Einfluss auf Inhalte und Timing genommen haben. Anonyme Influencer berichten, dass Polymarket teils fertige Posts lieferte und Creator auf bestimmte Märkte lenkte.
Millionenschwere Influencer-Zahlungen ohne Transparenz
Die Recherchen von Business Insider und Politico fördern weitere Details zutage: Polymarkets CMO Matthew Modabber soll über einen persönlichen PayPal-Account mindestens 350.000 US-Dollar an Creator ausgezahlt haben. Insgesamt flossen laut den Berichten über 2,5 Millionen US-Dollar an mehr als 800 Personen. Mindestens 20 Creator posteten nach Zahlungseingang über Polymarket – in mehr als 490 Posts, die größtenteils keine klare Werbekennzeichnung trugen.
Diese Praxis wirft rechtliche und ethische Fragen auf. Wenn bezahlte Inhalte nicht als solche erkennbar sind, verschwimmt die Grenze zwischen authentischem Content und verdeckter Werbung. Für eine Plattform, die sich als transparenter Marktplatz für kollektive Intelligenz positioniert, ist dieser Vorwurf besonders heikel. Die fehlende Kennzeichnung könnte gegen Werberichtlinien verstoßen und das Vertrauen der Community nachhaltig beschädigen.
US-Fokus trotz regulatorischer Beschränkungen
Ein weiterer Aspekt verschärft die Situation: Die Influencer-Kampagnen sollen trotz bestehender US-Beschränkungen gezielt auf ein amerikanisches Publikum ausgerichtet gewesen sein. Polymarket hatte 2022 einen Vergleich mit der US-Commodity Futures Trading Commission (CFTC) über 1,4 Millionen US-Dollar geschlossen, weil die Plattform einen nicht registrierten Börsenbetrieb führte. Seitdem ist die Nutzung für US-Bürger offiziell eingeschränkt.
Studien legen allerdings nahe, dass rund 30 Prozent der Trading-Aktivität weiterhin aus den USA stammen. Die Marketingkampagnen, darunter eine mehrmillionenschwere Partnerschaft mit Influencer Adin Ross, scheinen diese Grauzone bewusst genutzt zu haben. Parallel laufen Bundesermittlungen zu möglichen Insider-Trading-Verstößen auf Prediction Markets – ein Kontext, der die aktuellen Vorwürfe zusätzlich belastet.
Vertrauen als Währung im Prediction-Market-Geschäft
Die Enthüllungen treffen Polymarket in einer sensiblen Phase. Als weltweit größte Prediction-Market-Plattform wirbt das Unternehmen damit, dass Marktpreise den Echtzeit-Konsens der Crowd widerspiegeln. Wenn diese Preise aber durch Influencer-Inszenierungen künstlich legitimiert werden, steht die gesamte Geschäftslogik infrage. Vertrauen ist die zentrale Währung im Prediction-Market-Geschäft – und genau dieses Vertrauen wird durch die Vorwürfe erschüttert.
Polymarket hat die Beziehung zu George Santos, einem weiteren umstrittenen Paid Partner, bereits beendet, während Regulatoren Trades prüfen. Eine offizielle Stellungnahme zu den aktuellen Vorwürfen steht noch aus. Die Branche beobachtet den Fall genau, denn er könnte Standards für Marketing und Compliance im gesamten Sektor setzen.
Neue Spielregeln für Prediction Markets
Der Fall Polymarket zeigt exemplarisch, wie schnell wachsende Web3-Plattformen zwischen Innovation und regulatorischen Anforderungen navigieren müssen. Die Grenze zwischen kreativem Marketing und irreführender Werbung ist schmal – besonders wenn finanzielle Entscheidungen der Nutzer auf dem Spiel stehen. Erfolgreiche Player im Prediction-Market-Sektor werden künftig transparente Kommunikationsstandards und klare Compliance-Prozesse brauchen, um langfristig zu bestehen. Die Vorwürfe gegen Polymarket könnten ein Wendepunkt sein, der die gesamte Branche zu mehr Transparenz zwingt.
Wall Street Journal – They Looked Like They Were Getting Rich on Polymarket—but …
Business Insider – How Paid Influencers Hype Polymarket’s Odds
Odaily – Polymarket accused of marketing to US users through simulated …
CNN – Prediction markets Justice Department probe
CNBC – Polymarket cuts ties with George Santos as regulators probe trades












