Der Audio-Vermarkter RMS steht vor einem Führungswechsel: Carsten Dorn, bislang Geschäftsführer der Score Media Group, übernimmt im Frühjahr 2027 die Doppelspitze neben Sven Thölen. Stefan Mölling, der erst seit März 2024 als Co-CEO tätig war, verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Die Branche erhofft sich von dem Wechsel frischen Wind und vor allem eines: steigende Umsätze in einem schwierigen Marktumfeld.

Unzufriedenheit im Markt wächst

Die Stimmung unter den Radioeignern ist angespannt. Beim Radio Advertising Summit Ende April wurde deutlich, dass viele mit den Erlösen unzufrieden sind, die über die RMS in ihre Kassen fließen. Das Hamburger Unternehmen vermarktet zwar 256 Sender, über 2800 Digital-Audio-Streams und 1300 Podcasts, doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im ersten Quartal 2026 sank das Brutto-Werbeaufkommen um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Stefan Mölling hatte seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Der Aufsichtsratsvorsitzende Kai Fischer betont, man habe sich intensiv um eine Vertragsverlängerung bemüht. Mölling selbst spricht von einer persönlichen Entscheidung für eine neue berufliche Perspektive außerhalb des Unternehmens. Bis zu seinem Ausscheiden im Frühjahr 2027 bleibt er für die Bereiche Sales, Marketing, Kommunikation und Werbewirkungsforschung verantwortlich.

Dorn bringt Erfahrung und Technologie-Know-how mit

Carsten Dorn ist in der Branche kein Unbekannter. Der 58-jährige Betriebswirt führt seit acht Jahren die Score Media Group, einen nationalen Zeitungsvermarkter mit engen Verbindungen zur Hörfunkbranche. Seine Eignung für die neue Aufgabe zeigt sich in mehreren Bereichen: Nach Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen durch einen früheren Co-Geschäftsführer brachte Dorn Ruhe ins Unternehmen zurück. Zudem trieb er die digitale Transformation voran und implementierte eine neue Buchungstechnik auf Basis des Prebid-Standards. Diese Infrastruktur ermöglicht Kunden einen niedrigschwelligen Zugang zu den digitalen Inventaren der Publisher und erlaubt zielgruppenbasierte Buchungen. Genau diese technologische Kompetenz könnte bei RMS den Unterschied machen, denn die klassischen Radioprogramme über UKW und DAB+ haben bei der programmatischen Werbevermarktung noch Nachholbedarf.

Strukturelle Herausforderungen belasten das Geschäft

Die Audio-Branche argumentiert seit Jahren, dass die Verteilung der Werbebudgets die tatsächliche Nutzung von Radio, Podcasts und Streaming nicht angemessen widerspiegelt. Geopolitische Krisen und Marktverunsicherungen haben diese Diskussion zuletzt überlagert. Hinzu kommt die fehlende Wettbewerbsgleichheit gegenüber den großen Tech-Konzernen, die durch den politischen Rückenwind in den USA noch schwerer zu regulieren sind.

Ein weiteres Problem liegt in der Struktur selbst: Nach einer Gerichtsentscheidung muss die RMS nahezu jeden Sender aufnehmen, der sich einklagt. Dieser Vermarktungsanspruch führt dazu, dass auch Radiostationen mit geringer Nettoreichweite einen Teil der Erlöse abschöpfen. Marktkenner sprechen offen von einem „echten Umsatzproblem“.

Die wirtschaftliche Zurückhaltung vieler Werbekunden verschärft die Situation zusätzlich. Während Radio laut Nielsen-Zahlen 2025 bei den Brutto-Werbeumsätzen noch ein Plus von 0,3 Prozent erreichen konnte, rutschte die Gattung 2026 ins Minus. Mölling hatte in einem Interview vor dem Radio Advertising Summit auch die Agenturen in die Pflicht genommen, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

Technologischer Rückstand als Chance

Audio ist technisch noch nicht vollständig in die digitale Infrastruktur integriert. An Standards und Dateninfrastruktur für automatisierte, datenbasierte Werbeschaltung in Echtzeit wird noch gearbeitet. Hier könnte Dorns Erfahrung mit der Transformation bei Score Media ansetzen. Der Weg, den er dort gegangen ist, war lang und komplex, doch seine Gremienerfahrung half dabei, die Beteiligten zusammenzubringen.

Die Herausforderungen sind bekannt, die Erwartungen an den neuen Mann entsprechend hoch. Dorn übernimmt in einer Phase, in der die Branche dringend Impulse benötigt. Seine Aufgabe wird sein, nicht nur die Technologie voranzubringen, sondern auch die verschiedenen Interessen der Gesellschafter unter einen Hut zu bringen und das Vertrauen der Werbekunden zurückzugewinnen.

Ein Neustart mit klaren Zielen

Der Wechsel an der RMS-Spitze kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Audio-Gattung muss beweisen, dass sie in einem zunehmend digitalen und automatisierten Werbemarkt mithalten kann. Carsten Dorn bringt die notwendige Erfahrung mit, um sowohl die technologische als auch die kommerzielle Transformation voranzutreiben. Ob ihm der Spagat zwischen den Erwartungen der Gesellschafter, den Bedürfnissen der Werbekunden und den technologischen Anforderungen gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Branche beobachtet den Führungswechsel jedenfalls mit großem Interesse.

meedia.de – RMS: Stefan Mölling geht, Carsten Dorn übernimmt (Lisa Priller-Gebhardt)

rms.de- RMS stellt Weichen für die Zukunft: Carsten Dorn wird neuer Co‑CEO

© Foto: Score Media Group