• Der Buffett-Indikator steht weit über der historischen Gefahrenzone von über 200 Prozent
  • Unternehmensgewinne machen derzeit zwölf Prozent des BIP aus, historisch waren es nur sieben bis acht Prozent
  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 liegt bei über 28 – zwei Drittel über dem langfristigen Durchschnitt

Wenn Warren Buffett nervös wird, sollten Anleger aufhorchen. Der legendäre Investor aus Omaha hat eine einfache Formel entwickelt, um zu bewerten, ob Aktien fair bewertet sind oder nicht. Diese Kennzahl, heute als Buffett-Indikator bekannt, setzt den Gesamtwert aller börsennotierten Unternehmen ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eines Landes. Die aktuelle Messung zeigt einen Wert, der selbst die Dotcom-Blase in den Schatten stellt.

Die Warnung aus dem Jahr 2001 und ihre Bedeutung heute

In einem Artikel für das Fortune-Magazin aus dem Jahr 2001 formulierte Buffett seine These präzise: Der Gesamtwert von Aktien kann langfristig nicht schneller wachsen als die Wirtschaft selbst. Liegt das Verhältnis zwischen Börsenwert und Bruttoinlandsprodukt bei 70 bis 80 Prozent, ist der Zeitpunkt zum Kaufen günstig. Nähert sich die Kennzahl der 200-Prozent-Marke, spielen Anleger mit dem Feuer. Im März 2000 lag der Indikator grob im Bereich um 150 Prozent. In den folgenden zwei Jahren verlor der S&P 500 fast die Hälfte seines Wertes.

227 Prozent – ein historischer Höchststand mit Risiken

Nach dem kriegsbedingten Rücksetzer hat sich der S&P 500 wieder auf ein Rekordhoch von 7.165 Punkten erholt. Der Buffett-Indikator steht nun bei 227 Prozent – rund ein Sechstel höher als die Gefahrenzone, die Buffett vor einem Vierteljahrhundert definierte. Diese Entwicklung wirft zwei zentrale Probleme auf. Erstens: Unternehmensgewinne sind deutlich schneller gewachsen als die Gesamtwirtschaft. Optimisten argumentieren, dass diese Entwicklung die hohen Bewertungen rechtfertigt und die Gewinne weiterhin zweistellig wachsen können, während das nominale BIP bei etwa fünf Prozent verharrt.

Die Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Unternehmensgewinne machen aktuell zwölf Prozent des BIP aus, verglichen mit einem historischen Durchschnitt von sieben bis acht Prozent. In einer wettbewerbsintensiven Wirtschaft ziehen überdurchschnittliche Margen unweigerlich Konkurrenten an. Diese senken Preise und steigern Volumina, um Marktanteile zu erobern. Außergewöhnliches Gewinnwachstum bleibt selten außergewöhnlich. Der verstorbene Nobelpreisträger Milton Friedman brachte es auf den Punkt: Unternehmensgewinne können nicht dauerhaft einen höheren Anteil am Volkseinkommen einnehmen als historisch üblich.

Bewertungsniveaus ohne historische Parallele

Das zweite Problem liegt in den Bewertungen selbst. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500, basierend auf den prognostizierten GAAP-Gewinnen für das erste Quartal, übersteigt 28. Das ist zwei Drittel höher als der hundertjährige Durchschnitt von etwa 17. Die wahrscheinlichste Entwicklung: Sowohl Gewinne als auch Bewertungsmultiplikatoren kehren zu normaleren Niveaus zurück. Der Buffett-Indikator würde in diesem Szenario fallen – und den S&P 500 mit sich ziehen.

Lehren aus vergangenen Übertreibungen

Die Geschichte liefert Anhaltspunkte für das Ausmaß möglicher Korrekturen. Vom Höchststand der Dotcom-Blase bei 200 Prozent fiel der Indikator um etwa die Hälfte. Im November 2021 überschritt die Kennzahl erneut knapp die 200-Prozent-Marke und korrigierte anschließend um 19 Prozent. In seinem damaligen Fortune-Artikel warnte Buffett, dass Anleger, die bei solchen Höchstständen auf weiter steigende Kurse setzen, darauf wetten, dass die ökonomische Schwerkraft außer Kraft gesetzt wird. Aktuell haben die Bullen das Sagen und treiben den bereits in unbekanntem Terrain befindlichen Indikator weiter in die Gefahrenzone.

Timing bleibt die große Unbekannte

Buffetts These sagt nicht voraus, wann der Markt wieder ins Gleichgewicht findet – nur dass es geschehen wird. Die Korrektur könnte Monate oder Jahre auf sich warten lassen. Historisch betrachtet folgen auf extreme Überbewertungen jedoch stets Anpassungen. Der aktuelle Wert von 227 Prozent liegt deutlich über allen bisherigen Höchstständen. Das macht die Situation nicht weniger riskant, sondern brisanter.

Anleger stehen vor der Herausforderung, dass klassische Bewertungskennzahlen in einem von Liquidität und Technologieoptimismus getriebenen Markt an Aussagekraft verlieren können. Gleichzeitig zeigt die Wirtschaftsgeschichte, dass fundamentale Zusammenhänge langfristig ihre Gültigkeit behalten. Die Frage ist nicht ob, sondern wann die Rückkehr zum Mittelwert erfolgt.

Was die Zahlen für eure Strategie bedeuten

Die aktuelle Marktlage erfordert nüchterne Betrachtung statt Euphorie. Ein Buffett-Indikator von 227 Prozent signalisiert nicht zwingend einen unmittelbar bevorstehenden Crash, aber er markiert ein Umfeld erhöhter Risiken. Wer jetzt investiert, sollte sich bewusst sein, dass die Bewertungen historisch gesehen extrem hoch sind. Diversifikation, gestaffelte Einstiege und ein längerer Anlagehorizont können helfen, Schwankungen besser zu verkraften. Die Devise lautet: Vorsicht walten lassen, ohne in Panik zu verfallen. Denn wie Buffett selbst betont – die besten Kaufgelegenheiten entstehen oft dann, wenn andere in Angst verkaufen.

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