- Oscar-nominierter Schauspieler Hugh Jackman gesteht: Seine Karriere basiert auf Fehlern und Zufällen.
- Der Durchbruch kam durch einen Pflichtkurs, zu dem er erst gar nicht erschien – heute verdient er Millionen.
- Seine Botschaft an Absolventen: Vertraut eurem Bauchgefühl, auch wenn der Weg unkonventionell erscheint.
Es klingt paradox: Einer der erfolgreichsten Schauspieler Hollywoods, der fünfthöchstbezahlte Darsteller des Jahres 2024, sagt vor frischgebackenen Absolventen, dass sein Leben völlig anders verlaufen ist als geplant. Hugh Jackman, bekannt aus Blockbustern wie „Wolverine“ und „Les Misérables“, nutzte seine Abschlussrede an der Ball State University – by the way: Jackman hat jetzt einen Doktor-Titel – für ein ungewöhnliches Geständnis. Die besten Dinge in seinem Leben, so der 57-Jährige, seien Fehler, Misserfolge oder zufällige Entscheidungen gewesen. Noch vor sechs Monaten habe er selbst nicht gewusst, wohin ihn sein Weg führen würde.
Vom Journalismus-Studenten zum Weltstar durch einen Pflichtkurs
Jackmans Werdegang begann alles andere als glamourös. An der University of Technology Sydney studierte er Kommunikationswissenschaften mit Schwerpunkt Journalismus. Nach eigenen Angaben machte er das absolute Minimum, um seinen Bachelor zu bekommen. Kurz vor dem Abschluss stellte er fest, dass ihm noch ein Wahlfach fehlte. Ein Freund empfahl ihm den vermeintlich einfachsten Kurs: Theatergeschichte.
Die ersten drei Wochen erschien Jackman nicht einmal zum Unterricht. Als er schließlich auftauchte, wurde er per Zufall für die Hauptrolle im Klassenstück ausgewählt. Seine Reaktion: Er wollte sich am liebsten unter seinem Tisch verkriechen. Doch er blieb dabei, um seinen Abschluss zu bekommen. Während einer Aufführung an einer anderen Universität geschah etwas Unerwartetes. „Jede Zelle“ in seinem Körper sagte ihm, dass er seine wahre Berufung gefunden hatte. Jahre der Vorbereitung auf eine Journalisten-Karriere warf er über Bord.
Der nächste Schritt war eine Bewerbung für einen einjährigen Schauspielkurs am Actor Centre Australia in Sydney. Jackman wurde in die begehrte Gruppe von 20 Teilnehmern aufgenommen. Doch das Programm kostete 3.500 Dollar, die er nicht hatte. Frustriert warf er den Zulassungsbescheid in den Müll. Am nächsten Tag kam per Post ein Scheck über exakt 3.500 Dollar – aus dem Testament seiner Großmutter. Jackman fischte den Brief aus dem Abfall und versäumte von da an keine einzige Unterrichtsstunde mehr.
Wenn das Bauchgefühl Alarm schlägt
Der Tony-Gewinner machte im Laufe seiner Karriere weitere Fehler, aus denen er lernte. Einmal ignorierte er sein ungutes Gefühl und nahm eine Rolle in einem Film an, für den er nach eigener Einschätzung nicht geeignet war. Der Film floppte an den Kinokassen. Ein andermal lehnte er eine Rolle im australischen Musical „The Boy From Oz“ ab – eine Entscheidung, die er später als einen der größten Fehler seiner Karriere bezeichnete. „Ich spürte den Schmerz, nicht auf diese innere Stimme gehört zu haben“, so Jackman. Von diesem Moment an versprach er sich, immer seinem Instinkt zu folgen.
Seine Empfehlung an junge Absolventen: Werft die Vorstellung von Perfektion über Bord. Selbst Fehler könnten sich als die besten Entscheidungen herausstellen. Wenn etwas Angst macht, sei das vermutlich ein gutes Zeichen. Wenn es begeistert, ein sehr gutes Zeichen. Und wenn man sich nicht sicher ist, ob man damit einen Cent verdienen wird, es aber trotzdem verfolgen möchte – das sei ein hervorragendes Zeichen.
Die Zeichen erkennen, auch wenn sie leise sind
Jackman räumt ein, dass nicht alle Hinweise so offensichtlich sind wie der Scheck seiner Großmutter. Manche bezeichnen solche Ereignisse als reine Zufälle. Doch woher sie auch kommen mögen – meist sind die Zeichen leise, subtil und häufig als Misserfolg getarnt. Der Schauspieler könnte seine Karriere als perfekte Erfolgsstory präsentieren, mit klaren Zielen, harter Arbeit und etwas Glück. Doch das entspräche nicht der Wahrheit.
„Mein Leben ist nicht so verlaufen, wie ich dachte“, sagte Jackman den Absolventen. Viele der besten Dinge seien Fehler, Misserfolge oder zufällige Kurse gewesen, die er nur belegte, um über die Ziellinie zu kommen. Diese Ehrlichkeit von jemandem, der es in Hollywood geschafft hat und zu den bestbezahlten Schauspielern zählt, dürfte vielen Absolventen Mut gemacht haben.
Was erfolgreiche Karrieren wirklich ausmacht
Jackmans Geschichte zeigt, dass lineare Karrierewege die Ausnahme sind. Der Weg zum Erfolg verläuft selten geradlinig, sondern ist geprägt von Umwegen, Zufällen und Korrekturen. Was von außen wie eine perfekte Laufbahn aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Serie von Experimenten, bei denen nicht jedes funktioniert hat.
Für junge Absolventen, die mit Unsicherheit und möglicherweise Versagensängsten ins Berufsleben starten, ist diese Perspektive wertvoll. Sie müssen nicht von Anfang an alles richtig machen. Fehler sind keine Karriere-Killer, sondern können Wendepunkte sein. Die Kunst besteht darin, auf die leisen Signale zu achten und mutig genug zu sein, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen.
Wenn Intuition wichtiger wird als Planung
In einer Welt, die von Karriereplanung, LinkedIn-Profilen und strategischen Netzwerken geprägt ist, klingt Jackmans Rat fast altmodisch: Hört auf euer Bauchgefühl. Doch gerade diese Fähigkeit, zwischen rationalen Argumenten und innerer Gewissheit zu unterscheiden, kann den Unterschied machen. Der Schauspieler bereut bis heute, dass er einst gegen sein Gefühl entschied und eine Rolle ausschlug, die ihm perfekt gepasst hätte. Diese Erfahrung prägte ihn nachhaltig.
Seine Karriere beweist, dass Erfolg nicht immer dem folgt, der den sichersten Weg wählt. Manchmal liegt er auf den Routen, die zunächst wie Umwege oder sogar Sackgassen aussehen. Der Schauspielkurs, den Jackman nur belegte, um seinen Abschluss zu bekommen, wurde zum Fundament einer Karriere, die ihm Oscar-Nominierungen, einen Tony Award und weltweite Anerkennung einbrachte.
Warum Scheitern der bessere Lehrmeister ist
Jackmans offene Worte über seine Fehlentscheidungen haben Gewicht, weil sie von jemandem kommen, der es geschafft hat. Er hätte seine Geschichte glattbügeln können, um besser dazustehen. Stattdessen wählte er die Ehrlichkeit. Diese Authentizität macht seine Botschaft glaubwürdig und relevant für alle, die am Anfang ihrer Karriere stehen oder sich beruflich neu orientieren wollen.
Die Lektion: Erfolg entsteht nicht trotz Fehlern, sondern oft gerade durch sie. Sie zwingen uns, innezuhalten, zu reflektieren und neue Richtungen einzuschlagen. Ohne den misslungenen Film hätte Jackman vielleicht nie gelernt, konsequent auf sein Bauchgefühl zu hören. Ohne die abgelehnte Musical-Rolle hätte er möglicherweise nie verstanden, wie schmerzhaft es ist, gegen die innere Stimme zu handeln.
Der Mut, dem Unbekannten zu vertrauen
Am Ende seiner Rede forderte Jackman die Absolventen auf, sich von der Vorstellung zu lösen, alles müsse perfekt laufen. Stattdessen sollten sie Fehler als potenzielle Wendepunkte begreifen. Angst vor einer Entscheidung? Vermutlich ein gutes Zeichen. Begeisterung für etwas, das unsicher ist? Ein sehr gutes Zeichen. Der Wunsch, etwas zu verfolgen, obwohl der finanzielle Erfolg ungewiss ist? Ein hervorragendes Zeichen.
Diese Perspektive erfordert Mut, besonders in einer Zeit, in der Sicherheit und Planbarkeit hochgehalten werden. Doch Jackmans Werdegang zeigt: Die interessantesten Karrieren entstehen oft dort, wo Menschen den Mut haben, dem Unbekannten zu vertrauen. Wo sie bereit sind, etablierte Pfade zu verlassen und Signalen zu folgen, die zunächst unlogisch erscheinen. Sein Rat an die nächste Generation ist klar: Vertraut eurer Intuition, auch wenn der Weg steinig wird.
C-SPAN (Youtube) – Hugh Jackman Commencement Address
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