• KoRo wächst mit Großpackungen und Social-Media-Strategie – trotz schwacher Konsumlaune
  • Die Berliner Marke steht mit über 16 Produkten in 3.500 Rewe-Filialen
  • 20 Millionen Euro frisches Kapital zeigen: Aus dem Online-Start-up wird eine Massenmarkt-Marke

Während viele Händler über Kaufzurückhaltung klagen, erobert ein Berliner Start-up die Supermarktregale. KoRo zeigt, wie ihr mit Nüssen, Trockenfrüchten und einer durchdachten Social-Media-Strategie auch in schwierigen Zeiten wachsen könnt. Der Schlüssel liegt nicht in spektakulären Innovationen, sondern in der konsequenten Umsetzung bewährter Prinzipien: Preisvorteil durch Großpackungen, starke Markenpräsenz und die Verbindung von Online- und Offline-Handel.

Vom Nischen-Onlineshop zur Handelsmarke

Constantinos Calios und Robert Schyska starteten KoRo 2014 mit einer klaren Idee: Nüsse, Trockenfrüchte und Snacks in Großpackungen direkt an Endkunden verkaufen. Was nach einem simplen Konzept klingt, entwickelte sich zu einem Geschäftsmodell mit beachtlichem Wachstum. Die beiden Gründer setzten früh auf Direktimport und umgingen damit Zwischenstufen in der Lieferkette. Das ermöglichte attraktive Preise pro Kilogramm – ein Vorteil, der gerade preisbewusste Käufer anzieht.

Der Weg in den stationären Handel verlief allerdings nicht gradlinig. Bereits 2018 versuchte KoRo eine erste Listung bei Rewe mit getrockneter Mango. Das Projekt scheiterte an Lieferproblemen eines Produzenten in Burkina Faso und fehlerhaft bedruckten Etiketten. Solche Rückschläge gehören zum Wachstum dazu – entscheidend ist, daraus zu lernen.

Der zweite Anlauf bringt den Durchbruch

2021 wagte KoRo einen neuen Versuch im Handel, diesmal mit verarbeiteten Produkten wie dem Kokosriegel „Geile Schnitte“ und veganen Proteinriegeln. Die Strategie ging auf. Inzwischen stehen mehr als 16 KoRo-Produkte in rund 3.500 Rewe-Filialen. Diese breite Listung signalisiert: KoRo ist aus der reinen Online-Nische herausgewachsen und wird vom Handel als massenmarkttaugliche Marke wahrgenommen. Die Präsenz im Supermarkt schafft Sichtbarkeit weit über die eigene Website hinaus und erreicht Käufer, die KoRo bisher nur aus Social Media kannten.

Großpackungen als strategisches Preissignal

Das Geschäftsmodell von KoRo basiert auf einem einfachen, aber wirkungsvollen Prinzip: Großpackungen senken den Preis pro Einheit und schaffen einen spürbaren Vorteil gegenüber herkömmlichen Supermarktpackungen. Für Verbraucher, die auf ihre Ausgaben achten müssen, ist das ein überzeugendes Argument. Gerade in Zeiten hoher Inflation und knapper Haushaltsbudgets funktioniert dieses Versprechen besonders gut.

Die Großpackung ist dabei mehr als nur ein Verpackungsformat. Sie transportiert eine klare Botschaft: Hier kauft ihr smart ein, ohne auf Qualität zu verzichten. Diese Positionierung unterscheidet KoRo von klassischen Süßwaren- und Snackmarken. Gleichzeitig entstehen durch den Direktimport Möglichkeiten zur Kostenkontrolle, die sich im Preis niederschlagen können. Allerdings bringt diese Strategie auch Risiken mit sich – Verfügbarkeit, Logistik und Qualitätssicherung müssen durchgehend funktionieren.

Social Media als Wachstumsmotor

KoRo nutzt Instagram und TikTok nicht nur als Werbekanal, sondern als zentralen Baustein der Markenstrategie. Hunderte Influencer präsentieren die Produkte in ihren Feeds, oft eingebettet in Food-Trends oder Lifestyle-Content. Diese Sichtbarkeit schafft Begehrlichkeit und Wiedererkennbarkeit. Wenn Käufer die Produkte dann im Supermarkt sehen, ist die Marke bereits vertraut.

Die Produktinszenierung folgt klaren ästhetischen Prinzipien: modern, clean, urban, gesundheitsbewusst. KoRo verkauft nicht einfach Nüsse und Trockenfrüchte, sondern ein Lebensgefühl, das besonders jüngere Zielgruppen anspricht. Die Shareability der Produkte – also wie gut sie sich für Social-Media-Posts eignen – ist dabei kein Zufall, sondern Teil der Produktentwicklung.

Finanzierung als Vertrauensbeweis

Im März sicherte sich KoRo 20 Millionen Euro frisches Kapital. Beteiligt sind Associated British Foods und Seven Ventures. Teil des Deals waren auch TV-Werbespots – ein Zeichen dafür, dass KoRo nicht nur digital wachsen will, sondern auch in klassische Markenbekanntheit investiert. Diese Finanzierungsrunde zeigt: Investoren trauen dem Geschäftsmodell zu, auch im Massenmarkt zu funktionieren. Das Kapital fließt in Expansion, Logistik und Marketing – alles Bereiche, die für den nächsten Wachstumsschritt notwendig sind.

Warum KoRo in schwierigen Zeiten funktioniert

Die aktuelle Konsumlaune ist alles andere als euphorisch. Viele Verbraucher halten sich mit größeren Ausgaben zurück und achten genau auf Preise. Dennoch wächst KoRo. Das hat mehrere Gründe. Erstens: Der Preisvorteil durch Großpackungen wirkt gerade jetzt besonders attraktiv. Zweitens: Snacks und Nüsse sind Grundbedarf, keine Luxusartikel. Sie werden auch in schwachen Phasen gekauft. Drittens: Die Produkte haben einen Trendfaktor, der sie von reinen Commodity-Produkten abhebt.

Hinzu kommt die breite Distribution. Wer KoRo bisher nur online kannte, kann die Produkte jetzt im Supermarkt mitnehmen – ohne Versandkosten, ohne Wartezeit. Diese niedrige Einstiegshürde erleichtert Impulskäufe. Die Markenbekanntheit durch Social Media sorgt dafür, dass KoRo im Regal auffällt und nicht als No-Name-Produkt wahrgenommen wird.

Risiken, die ihr kennen solltet

Trotz des Erfolgs gibt es Herausforderungen. Die frühen Lieferprobleme bei der ersten Rewe-Listung zeigen, wie anfällig globale Lieferketten sein können. Gerade bei Importware sind Verfügbarkeit, Etikettierung und Qualitätssicherung kritische Faktoren. Ein zweites Risiko liegt in der Abhängigkeit von Social-Media-Hype. Wenn die virale Aufmerksamkeit nachlässt, kann die Nachfrage sinken. Das Geschäft braucht fortlaufende Content-Präsenz und Influencer-Reichweite.

Zudem ist der Wettbewerb im Snacks- und Trockenfruchtsegment intensiv. KoRo konkurriert mit Supermarkt-Eigenmarken, Bio-Marken, Discountern und anderen D2C-Food-Brands. In diesem Umfeld sind Preis und Verfügbarkeit entscheidend. Auch die allgemeine Konsumzurückhaltung bleibt ein Faktor. Premium- oder Lifestyle-Produkte unterliegen in schwachen Marktphasen stärkerem Kaufaufschub, selbst wenn sie günstig wirken.

Rewe als strategischer Hebel für Massenmarkt-Ambitionen

Die Listung bei Rewe ist für KoRo weit mehr als zusätzlicher Absatz. Sie schafft Offline-Sichtbarkeit, stärkt das Markenvertrauen und dient als Testfeld für die Massenmarktfähigkeit. Mit 3.500 Filialen erreicht KoRo Millionen Käufer, die das Unternehmen online vielleicht nie gefunden hätten. Die Aufnahme von mehr als 16 Produkten deutet auf eine breitere Sortimentsstrategie hin, nicht nur auf Einzelplatzierungen. Das zeigt: Rewe sieht in KoRo eine Marke mit Potenzial, nicht nur einen kurzfristigen Trend.

Für euch als Unternehmer ist diese Entwicklung ein Lehrstück. Sie zeigt, wie ihr Online-Erfolg in stationäre Präsenz übersetzen könnt. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus starker Markenidentität, konsistentem Produktversprechen und der Fähigkeit, Lieferketten zuverlässig zu managen. KoRo hat bewiesen, dass auch nach Rückschlägen ein erfolgreicher Markteintritt möglich ist – wenn die Hausaufgaben gemacht sind.

Was ihr von KoRo lernen könnt

KoRos Erfolg basiert auf mehreren übertragbaren Prinzipien. Erstens: Ein klares Preisversprechen funktioniert, wenn es glaubwürdig kommuniziert und eingehalten wird. Zweitens: Social Media ist kein nettes Extra, sondern kann der zentrale Wachstumskanal sein – wenn ihr ihn strategisch nutzt. Drittens: Der Weg in den stationären Handel erfordert operative Exzellenz. Lieferprobleme oder Qualitätsmängel verzeiht der Handel nicht.

Viertens: Markenästhetik und Produktinszenierung sind gerade bei austauschbaren Produkten wie Nüssen oder Trockenfrüchten entscheidend. Fünftens: Auch in schwierigen Marktphasen gibt es Wachstumschancen – wenn euer Produkt einen echten Mehrwert bietet und ihr die richtigen Kanäle bespielt. KoRo zeigt, dass ihr nicht in einer Luxuskategorie spielen müsst, um erfolgreich zu sein. Manchmal reicht es, Grundbedarf mit Stil zu verbinden.

tagesspiegel.de – Hipster-Lebensmittel aus Berlin: Rewe nimmt ‚Superfood‘ von Koro ins Sortiment

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